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20.12.2005 - 

Kolumne

Risse im Microsoft-Fundament

Wer zum Jahresende in die Zeitungen blickt, wird erschlagen von Bilanzen, Rückblicken und Prognosen. Doch was waren die Highlights 2005 aus Sicht des IT-Markts? In Erinnerung bleiben unzweifelhaft Oracles Siebel-Übernahme zum Jahresbeginn sowie Hewlett-Packards wenig galante Verabschiedung der schillernden Chefin Carleton Fiorina. Dauerthema waren auch der Siemens-Konzern, der seine Probleme mit dem IT-Dienstleistungsgeschäft nicht in den Griff bekam, und SAPs tapsige Gehversuche auf dem rutschigen SOA-Parkett.

Für die ITK-Branche von größerer Bedeutung war unter dem Strich aber die Erkenntnis: Microsoft, lange Jahre unangefochtener Primus der Softwareszene, hat seine Souveränität verloren. Redmond ist verletzbar geworden. Wenn man bedenkt, dass der Konzern auf einem - juristisch bestätigten - Monopol sitzt und noch vor nicht allzu langer Zeit wegen seines Machtmissbrauchs einen der größten Kartellprozesse der Wirtschaftsgeschichte am Hals hatte, ist diese Wende wohl am erstaunlichsten.

2005 wurde offenkundig: Bei Microsoft geht die Angst um. Verursacher sind Google und die Open-Source-Welt - zwei Gegner, die kaum zu packen sind, und Microsoft zu teils panischen Reaktionen getrieben haben. Die Palette reicht vom grundlegenden Umbau der gesamten Konzernstruktur über das eilige Einführen so genannter Serviceprodukte ("Live") bis hin zu einer vieldiskutierten Klage gegen einen Manager, der zu Google wechselte. Zeitgleich musste das Unternehmen erkennen, dass es mit der Weiterentwicklung des Kernprodukts Windows an seine Grenzen stößt. Die Entwicklungszyklen werden immer länger, die Komplexität des Systems ist kaum noch zu beherrschen, und bei den Verantwortlichen macht sich Verzweiflung breit.

Bei Microsoft wird 2005 die Erkenntnis gereift sein, dass die Geschäfte mit Softwarelizenzen nicht in alle Ewigkeit tragen. Google wirft - gegenfinanziert durch enorme Werbeeinnahmen - immer wieder neue Software und Tools zum Nulltarif auf den Markt und verdirbt damit die Preise. Gleichzeitig steht hochwertige Infrastruktursoftware unter diversen Open-Source-Lizenzen zur Verfügung - zuletzt der gesamte Software-Stack von Sun.

Dass es Microsoft gelingen wird, im nächsten Jahr mit der geplanten Produktoffensive rund um den jüngsten Windows-Spross "Vista" die alten Marktverhältnisse wiederherzustellen, ist zu bezweifeln. Größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ähnlich wie bei IBM vor rund zwölf Jahren eine Ära der absoluten Marktdominanz dem Ende zuneigt. Den Kunden wird das nicht schaden, und auch Microsoft selbst, so zeigt das Beispiel IBM, könnte am Ende gestärkt aus diesem Transformationsprozess hervorgehen.