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04.10.2007

Roaming: Bis zu 40 Euro für 1 MB

Wer im Ausland mal schnell seine E-Mails abrufen oder im Netz die neuesten Nachrichten lesen will, der sollte aufpassen: Den grenzüberschreitenden Datenverkehr wiegen die Mobilfunker noch immer in Gold auf.

Eigentlich schien die europäische Mobilfunkwelt in Ordnung zu sein, nachdem EU-Kommissarin Viviane Reding Anfang Juni 2007 ein Machtwort gesprochen und den Anbietern Obergrenzen für Auslandstelefonate verordnet hatte: 49 Cent pro Minute (ohne Mehrwertsteuer) für abgehende und 24 Cent für eingehende Handy-Gespräche. Doch gedeckelte Gesprächstarife sind im Zeitalter von Web 2.0 und mobilen Musik-Downloads etc. nur die halbe Miete, wie eine 18-jährige Österreicherin Mitte Juni erfahren musste: Bei einem Wochenendausflug ins nahe Allgäu fabrizierte sie eine Handy-Rechnung in Höhe von 11 200 Euro.

Hier lesen Sie ...

wo beim Daten-Roaming die Kostenfallen lauern;

wo Sie günstigere Daten-tarife für die Auslands-nutzung finden;

wie Sie Ihr Datenvolumen klein halten und somit Geld sparen.

Kostenfalle Daten-Roaming

n

Bieten Mobilfunkanbieter spezielle Datentarife?

n Sind besondere Einstel-lungen erforderlich?

In welchen Blockgrößen wird abgerechnet? Passen diese zum eigenen Surfverhalten?

Rechnen sich eventuell die kostenpflichtigen Datenoptionen für das Ausland?

Rentiert sich eine ausländische Prepaid-Karte?

Kann das übertragene Daten-volumen reduziert werden?

n Sind WLAN-Hotspots eine praktikable Alternative?

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de

591654: Preisgünstiges Push-Mail;

579637: VoIP over UMTS

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Rechnung über 11 200 Euro: Die Roaming-Falle

Was war passiert? Die Österreicherin hatte bei ihrem Heimat-Provider eine mobile Daten-Flatrate abgeschlossen. Da die Sendeleistung ihres Providers auch noch einen Empfang im grenznahen Allgäu ermöglichte, konnte sie sich auch dort mit der Flatrate einbuchen und lud 900 MB Daten aus dem Netz. Was die junge Frau allerdings nicht bemerkte, war, dass ihr Handy bei schlechter werdendem Signal automatisch ein Roaming vornahm und dann den Datentransfer über das deutsche Vodafone-Netz abwickelte. Mit der Konsequenz, dass nun die teuren Daten-Roaming-Gebühren anfielen. Um nicht in die gleiche Gebührenfalle zu tappen, sollten Anwender also in Grenznähe bei ihrem Handy oder der Datenkarte im Notebook auf alle Fälle die automatische Netzwahl deaktivieren und ihren Heimat-Provider fest einstellen.

Fast schon zynisch muss man allerdings anmerken, dass die junge Frau noch Glück im Unglück hatte: Mit rund 12,45 Euro pro MB liegt sie bei den Tarifen für das Daten-Roaming in der EU noch im guten Mittelfeld (Alle folgenden Berechnungen beziehen sich auf das europäische Ausland). Wäre ihr das gleiche Malheur als deutscher Vodafone-Kundin mit dem Tarif "Vodafone Volume by call" im Ausland passiert, hätte sie pro MB 40 Euro bezahlt. Dieser Preis markierte bei unseren Recherchen zwar die Spitze, doch auch die anderen Angebote sind größtenteils mit Tarifen zwischen acht und zwölf Euro pro übertragenes MB nicht wirklich Schnäppchen. Das teure Daten-Roaming bezahlen die Benutzer einer Daten-Flatrate übrigens ebenfalls, denn die Pauschaltarife gelten in der Regel nur in Deutschland. So berechnet etwa Base seinen Flatrate-Kunden im Ausland pro MB 11,80 Euro. Noch relativ günstig fahren die Benutzer des Mobicent-Tarifs. Der virtuelle Netzbetreiber, der für seinen Datenservice die Vodafone-Infrastruktur nutzt, stellt seiner Klientel im Ausland 3,45 Euro pro MB in Rechnung.

Blockgrößen als versteckte Kostentreiber

Auf den ersten Blick gehört der Anbieter damit im Ausland noch zu den preiswerten Providern. Allerdings erfolgt die Tarifierung in für den Kunden ungünstigen 100-KB-Blöcken, während andere Netzbetreiber in 10-KB-Schritten abrechnen. Was auf dem Papier nach Haarspalterei klingt, hat in der Praxis und später auf der Rechnung durchaus teure Konsequenzen: Empfängt etwa ein Blackberry im Ausland seine Mails (2-KB-Blöcke), so kann der User bei 10-KB-Blöcken 100 E-Mails empfangen, bevor er ein Datenv olumen von 1 MB zu bezahlen hat. Erfolgt die Berechnung dagegen 100-KB-weise, hat er diesen Wert bereits nach zehn E-Mails erreicht. Deshalb sollten Blackberry-User bei entsprechenden Angeboten genau darauf achten, in welchen Blockgrößen eine Tarifierung erfolgt. So verlangt etwa Vodafone in seinen Blackberry-Tarifen bei der Auslandsnutzung pro 10-KB-Block eine Gebühr von 24 Cent. Vielnutzer können für 41,65 Euro im Monat die Option "Blackberry International" buchen. Diese beinhaltet ein Datenvolumen von 3 MB unterteilt in 10-KB-Blöcke. Allerdings hat die Option eine Mindestlaufzeit von drei Monaten.

Weniger drastisch wirkt sich das Aufrunden von Datenverbindungen beim Surfen im Internet aus, solange der Benutzer klassische Web-Seiten besucht. Eher von Bedeutung sind die Blockgrößen wiederum, wenn der Benutzer auf für mobile Endgeräte optimierte Seiten geht, denn hier fallen meist pro Seite nur wenige KB an. Als verborgene Kostenfalle entpuppen sich die Blockgrößen auch beim mobilen E-Mail-Abruf im Ausland. Wer etwa zur Verringerung des Datenaufkommens das IMAP-Protokoll nutzt, um nur die Kopfzeilen seiner Mails abzurufen, spart womöglich kaum etwas, wenn sein Mobilfunker in 100-KB-Blöcken abrechnet. Teuer werden im Ausland bei diesen Abrechnungsmodalitäten auch Push-Mail-Dienste, die regelmäßig kleine Datenpakete austauschen, um den Service am Leben zu erhalten. Hier sollte der User den Dienst entweder komplett abschalten oder die Synchronisation auf wenige Male am Tag begrenzen.

Vorsicht bei E-Mail-Push-Diensten

Ein teures Vergnügen im Ausland sind auch E-Mail-Push-Dienste, die wie wir in "Preisgünstige Push-Mail-Lösungen" beschrieben haben, die elektronische Post beispielsweise in MMS umwandeln. Ist hierzulande etwa beim O2 Communication Center die Weiterleitung der E-Mails als MMS mit der monatlichen Pauschalgebühr von 5 Euro abgegolten, so wird der User im Ausland zusätzlich zur Kasse gebeten: Pro 10 KB hat er bei O2 einen Roaming-Preis von neun Cent zu entrichten. Bei einer maximalen Nachrichtengröße von 300 KB kostet so der Empfang nur einer MMS im Ausland 2,70 Euro. Wer also nicht dringend auf den MMS-Empfang angewiesen ist, spart viel Geld, wenn er das MMS-Roaming im Handy deaktiviert.

Wer im Ausland nicht auf die mobilen Datendienste verzichten kann, für den sind eventuell die speziellen Auslandstarife von T-Mobile oder Vodafone interessant. T-Mobile bietet seinen Kunden mit "Web‚Äòn walk Roaming" für monatlich 59,50 Euro eine Auslands-Datenoption mit 50 MB Übertragungsvolumen. Für jedes weitere MB zahlt der Nutzer 2,38 Euro. Das Angebot hat aber zwei Haken: So rechnet T-Mobile mit 50-KB-Blöcken und verpflichtet den User auf eine Mindestvertragslaufzeit von drei Monaten. Ebenfalls für drei Monate bindet sich der Benutzer, wenn er sich bei Vodafone für einen der beiden Auslandstarife "Volume International" oder "Time International" entscheidet.

Abrechnungstakt und Inklusivminuten

Im Volume-Tarif erhält er für 47,60 Euro pro Monat ein Datenvolumen von 20 MB, wobei der Netzbetreiber mit unvorteilhaften 100-KB-Blöcken kalkuliert. Jedes weitere MB schlägt mit 2,38 Euro zu Buche. Im Time-Tarif kann der User für die gleiche Monatsgebühr vier Stunden lang Daten übertragen. Allerdings beträgt der Abrechnungstakt für die Inklusiv-Minuten zehn Minuten. Ist das Zeitguthaben aufgebraucht, so schlagen sich jeweils zehn weitere Minuten mit 2,38 Euro auf der Rechnung nieder. Für seine Datenkunden, die einen der deutschen Tarife "Webconnect" oder "Vodafone-Time" gebucht haben, offeriert der Konzern besondere Auslandtarife: Sie bezahlen in Europa pro MB 3,45 Euro beziehungsweise 3,45 Euro für zehn Minuten Online-Zeit. Das ist zwar noch immer kein Schnäppchen, aber immerhin billiger als die Standardkonditionen vieler Mobilfunker im Ausland.

Rund um die Uhr surfen nach dem Parkuhrprinzip

längere Zeit im Ausland online gehen will, aber längerfristige Verträge scheut, ist eventuell "Vodafone Websessions" interessant. Damit hat der Benutzer die Möglichkeit, im Ausland für 14,95 Euro 24 Stunden lang mobil Daten zu übertragen. Die Abrechnung erfolgt dabei nach dem Parkuhrprinzip. Nach dem ersten Einloggen läuft die Uhr 24 Stunden, in denen sich der Benutzer beliebig oft ein- und ausloggen kann. Leider offeriert das Unternehmen im Ausland nicht die Zwei-Stunden- und 15-Minuten-Pakete. Um die Websessions nutzen zu können, benötigen Vodafone-Kunden neben der Datenkarte oder einem datenfähigen Handy noch die Software "Connector" oder "Dashboard". Fremdkunden müssen sich zudem vorher noch eine Websession-SIM-Karte besorgen.

Die Bedeutung der APNs bei der Abrechung

Wichtig bei der Nutzung obigen Angebots ist, dass der Access Point Name (APN) auf event.vodafone.de eingestellt ist, andernfalls wird die Internet-Verbindung nicht zum 24-Stunden-Tarif abgerechnet. Grundsätzlich sollte der Datenreisende sehr genau das Kleingedruckte zu den Datenoptionen im Ausland lesen. Hier finden sich nämlich oft Einschränkungen, zum Beispiel dass ein Optionstarif nur dann gilt, wenn die Verbindung über einen bestimmten APN aufgebaut wird. Besonders beim Browsen mit dem Handy ist hier Vorsicht angesagt: Viele Handys nutzen nämlich beim Browsen die WAP-APNs der Mobilfunker, und für diese gelten die Auslandsoptionen häufig nicht. Deshalb sollte der Benutzer diese Einstellungen manuell überprüfen.

Vielreisenden dürften jedoch selbst die Auslandsoptionen der deutschen Mobilfunker auf Dauer noch zu teuer sein. Wer sich häufig in einem Reiseland aufhält, sollte deshalb überlegen, ob auf Dauer nicht ein Datenvertrag eines dortigen Anbieters günstiger ist. Eventuell rechnet sich vor Ort auch ein Prepaid-Angebot im Vergleich zu den Roaming-Preisen der deutschen Mobilfunkbetreiber. So berichten im Internet Nutzer beispielsweise von Prepaid-Angeboten in Spanien. Dort gebe es ein GB Datenvolumen für rund 40 Euro. Und in Italien erhält der Nutzer einer WIND-Prepaid-Karte für 20 Euro die Datenoption "Mega no Limit" mit einem Inklusivvolumen von 2,7 GB, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Dienstleister vermarkten ausländische Prepaid-Karten

Wer keine Zeit hat, selbst vor Ort nach entsprechenden Angeboten zu suchen, der findet im Internet Hilfe: Dienstleister wie Saveonroaming oder Globilo offerieren ausländische Prepaid-Karten auch in Deutschland und übernehmen teilweise auch die Freischaltung oder liefern entsprechende deutschsprachige Anleitungen. Damit der Anwender in der Folge nicht ständig die SIM-Karten wechseln muss, sind Dual-SIM-Adapter erhältlich, die aber zum Handy passen müssen.Zudem sind auf dem Markt auch Adapter erhältlich, bei denen vor der Benutzung die SIM-Karte ausgeschnitten werden muss ein Prozedere, dass sicher nicht bei jedem Anwender auf Gegenliebe stößt. Im Herbst will zudem der Anbieter Bellpepper Mobile ein UMTS-Handy auf den Markt bringen, das von Haus aus bereits zwei SIM-Karten unterstützt.

Neben der Suche nach günstigen Auslandstarifen und Roaming-Optionen hat der Benutzer noch eine andere Möglichkeit, die Kosten für die Datenübertragung im Ausland zu senken. Wer beim Surfen unterwegs auf hochauflösende Bilder oder bewegte Animationen verzichten kann´, reduziert das übertragene Datenvolumen drastisch. Entsprechende Tools offerieren viele Netzbetreiber auf ihren Web-Seiten. So bietet etwa Vodafone einen "HighPerformance Client", der auch in der "Dashboard-Software" für Datenkarten integriert ist. Das Pendant bei O2 heißt beispielsweise "Connection Manager".

Niedrige Bildqualität reduziert das Datenvolumen

Bei den Tools stellt der Nutzer über einen Schiebregler ein, in welcher Qualität er beispielsweise Bilder empfangen will. Wählt er eine niedrigere Qualitätsstufe, so reduziert er damit das übertragene Datenvolumen. Häufig warten die Werkzeuge noch mit einer Option auf, um den HTML-, Javscript- und CSS-Code optimiert also mit reduziertem Datenaufkommen - zu übertragen. Allerdings sind die letzteren Optimierungsmaßnahmen mit Vorsicht zu genießen, da sie bei der Darstellung der einen oder anderen Web-Seite durchaus zu Fehlern führen können.

Alternativen zur Software der Mobilfunkanbieter sind spezialisierte Serviceanbieter wie WebToGo. Ihre Software soll dem Anwender nicht nur die Einstellung von Parametern wie APN abnehmen, sondern gleichzeitig durch das Routing des Datenverkehrs über eigene Optimierungs-Server das Datenvolumen drastisch senken.

Zu guter Letzt sollte der Auslandreisende noch eine ganz andere Option zur Datenübertragung in Betracht ziehen: Hält er sich viel an hochfrequentierten Punkten wie Messen, Flughäfen, Bahnhöfen oder Hotels auf, dann sind die WLAN-Hotspots durchaus eine Alternative. Selbst wenn sie nicht kostenlos sind, so sind die Gebühren im Vergleich zu den Roaming-Tarifen der Mobilfunker meist günstiger. Eine Liste mit über 16 000 europäischen Hotspots ist beispielsweise auf der Seite Hotspot-Locations zu finden.

Für große, europaweit agierende Unternehmen gibt es noch eine Option zur Reduzierung der mobilen Datenkosten, die in keiner offiziell veröffentlichten Preisliste zu finden ist. Ein Brancheninsider erzählte im Gespräch mit der CW, dass die Mobilfunkanbieter wenn Gesprächsaufkommen und Datenvolumen stimmen - durchaus bereit seien, bei Topkunden komplett auf die Roaming-Gebühren zu verzichten. Unter dem Strich, so sein Tipp, rechne es sich dabei eventuell, wenn nicht in jedem Land separat Verträge abgeschlossen werden, sondern beispielsweise die Zentrale für alle Mitarbeiter in Europa entsprechende Konditionen aushandelt. Oft erreiche nämlich das Gesamtunternehmen im Gegensatz zu den einzelnen Landesgesellschaften durchaus die kritische Masse für entsprechend günstige Vertragskonditionen.