Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.03.1984 - 

Pentagon will Millionen in die Entwicklung neuer Al-Automaten stecken:

Roboter dominieren die Kriegsschauplätze der Zukunft

Mit mehr "Artificial Intelligence" (AI) will das amerikanische Verteidigungsministerium seine Computer- und Waffensysteme aufrüsten. Besonderen Wert legen die Militärberater dabei auf die Entwicklung neuartiger Roboter, die die eigenen Streitkräfte im Kriegsfall unterstützen sollen. Für die nächsten zehn Jahre plant das Pentagon deshalb ein Entwicklungsprogramm für die Bereiche Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik und Computer-Architektur. Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich in den nächsten fünf Jahren auf 600 Millionen Dollar, von denen ein erstes Teilpaket in Höhe von 50 Millionen für 1984 vom Kongreß bereits genehmigt wurden.

Das von DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) vorgeschlagene "Strategic Computing Programme" wurde von den Vertretern der Roboterindustrie sowie der

Universitäten begrüßt. Sie bemühten sich schon lange um mehr Unterstützung in diesen Bereichen, da die japanische "Konkurrenz" schon 1982 mit einem 500-Millionen-Dollar-Projekt Neuentwicklungen für Computer der fünften Generation startete.

Die Mitarbeiter von DARPA argumentieren in ihrem kürzlich veröffentlichten 80-Seiten Bericht, daß die sogenannten intelligenten Waffen und Informationssysteme für die

amerikanischen Streitkräfte überlebenswichtig seien. Als Grund nennen sie die immer weniger vorhersehbaren Gefahren in "militärischen Situationen". Bei den heutigen Computersystemen könne es dem Gegner durch ständige Änderung seiner Taktik gelingen, die amerikanischen Waffensysteme zu überrollen. Ein Beispiel für eine solche Situation sei

die Verteidigung gegen Nuklear-Raketen. Hier ist dem DARPA-Bericht zufolge eine so schnelle Entscheidung erforderlich, daß man sich "nahezu" hundertprozentig auf autonome Systeme verlassen muß.

Computergigant für das Militär

Das amerikanische Verteidigungsministerium, das die Elektronik bereits in computergesteuerten Missiles, in der Luftfahrt und bei C³I-Systemen (Command-Control-Communications Intelligence) einsetzt, ist vorrangig an der Entwicklung eines sogenannten Expertensystems interessiert. Diese Maschine soll "sehen" und die menschliche Sprache verstehen können. DARPA schätzt, daß dieser Computer eine Rechnerleistung von 10 bis 100 Milliarden Instruktionen pro Sekunde erbringen muß. Auf dem größten Von-Neumann-Computer sind derzeit vergleichsweise 30 bis 40 Mips möglich. Die Speicherkapazität der neuen Systeme würde zehn Gigabyte betragen.

Als Ergebnis dieser Entwicklungen sehen die Autoren des Berichts bei spielsweise unbemannte Fahrzeuge, die sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern bewegen und sich ihren Weg mit Hilfe von visuellen Sensoren suchen. Die mit intelligenten Mikroradargeräte ausgestatteten Fahrzeuge seien in der Lage, vor-, rück- und seitwärts zu sehen, Hindernissen auszuweichen, feindliche Ziele zu erkennen und Informationen an das Hauptquartier zu übermitteln. Es wäre ihnen überdies möglich, eine Skizze des von ihnen befahrenen Gebiets anzufertigen.

Automatische Co-Piloten behalten die Nerven

Auch die Entwicklung eines vollautomatischen Co-Piloten für Kampfflugzeuge gehört mit zu den Zielen, die das Verteidigungsministerium verfolgt. Laut DARPA-Bericht könne der menschliche Pilot seinen "Computer-Kollegen" so trainieren, daß dieser unter anderem fähig wäre, feindliche von verbündeten Streitkräften zu unterscheiden. Der "Co-Pilot", verstehe die gesprochenen Befehle des Piloten selbst dann, wenn dessen Stimme durch den Gefechtslärm verzerrt sein sollte.

Die dritte geplante Anwendung erinnert an den Spielfilm "War Games". So wie der "WOPR" -Computer in diesem Film soll ein Expertensystem die Kommandeure der amerikanischen Streitkräfte über bevorstehende Probleme während einer Schlacht informieren, Vorschläge zur Kriegsstrategie unterbreiten und die gewünschte Lösung auf dem Monitor darstellen. Der DARPA-Plan schlägt vor, das System auf dem amerikanischen Flugzeugträger "U. S. S. Carl Vinson" zu installieren, damit die Befehlshaber ein genaues Bild über die feindlichen Angriffe in der Luft und im Wasser erhalten. Nach Ansicht der Autoren müßte der Rechner in der Lage sein, die möglichen Absichten des Gegners zu- erkennen, die Vor- und Nachteile eigener Unternehmungen zu analysieren und eine Lösung zu finden.

Da es sich bei all diesen Projekten um langfristige Konzepte handelt, beauftragten die amerikanischen Streitkräfte das National Research Council, herauszufinden, welche Entwicklungen kurzfristig realisierbar seien. In ihrem Bericht "Applications of Robotics and Artificial Intelligence to Reduce Risk and Improve Effectiveness" der das US-Ministerium 150 000 Dollar kostete, schlug daraufhin das Komitee drei neue Typen von Robotern vor, die in zwei bis drei Jahren entwickelt werden könnten. Einen Roboter, der als elektronischer "Ladekanonier" tätig ist, einen Roboter, der als "Wachposten" fungiert und ein System, das schwierige Reparaturarbeiten an Fahrzeugen und Ausrüstung vornehmen kann.

Die automatischen Lade-Roboter sollen bei den derzeitigen Panzer-, Artillerie-, Infanterie- und Hubschrauber-Waffensystemen die Munition auswählen, bei Bedarf den Zünder einstellen und Geschosse von den Laderäumen zu den Geschützen transportieren. Bis 1990 will das Verteidigungsministerium sogar Roboter bauen, die Haubitzen mit Granaten von mehr als 100 Pfund laden.

Die halbautonomen oder autonomen Reparatur-Roboter sollten nach Ansicht der Mitarbeiter des National Research Council so programmiert sein, daß sie das Wartungspersonal unterstützen oder sogar eigenständig als "Mechaniker" tätig werden. In Verbindung mit Artificial-Intelligence wäre der Roboter außerdem fähig, Problemdiagnosen vorzunehmen.

Mitglieder des Ausschusses schätzen, daß sich die Kosten für diese Projekte auf rund 22 Millionen Dollar belaufen werden. Gegenüber der amerikanischen Fachzeitung "Science" antwortete Frank Verderame stellvertretender Direktor für die Forschungsprogramme der Armee auf die Frage, ob all diese Pläne bedeuten, daß zukünftige Kriege von Robotern geplant und geführt werden: "Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Krieg von Robotern geführt und vor allem gewonnen werden kann. Sie sollen den Menschen im Krieg unterstützen, nicht ersetzen."

Robotereinsatz im Krieg

Bei den bis jetzt geschilderten Entwicklungen handelt es sich um Projekte, die vom Verteidigungsministerium öffentlich diskutiert werden. Amerikanische Militärforscher machen sich darüber hinaus schon seit langem Gedanken, wie man denn die intelligenten Systeme nach deren Realisierung im Kriegsfall einsetzen kann. So veröffentlichte Keith A. Barlow, Colonel der Infanterie und Direktor des Instituts für Strategische Studien, schon 1982 einen Zukunftsbericht mit dem Titel: "Konzepte für den Einsatz von Robotern mit künstlicher Intelligenz durch das Heer im 21. Jahrhundert". Die Studie, so Barlow, gilt nicht als offizielle Stellungnahme des Verteidigungsministeriums, sondern als Vorschlagspapier für das Pentagon.

Der Autor des Berichts, Dennis V. Crumley, Mitarbeiter am US Army War College, weist darauf hin, wie oft Roboter bereits ihre Wirksamkeit und Anpassungsfähigkeit in Umgebungen wie unter Wasser, bei Raumflügen oder in der Atomindustrie unter Beweis gestellt haben. Ihr Einsatz sei vor allem bei Dunkelheit, Tarnnebel und vor allem auf chemisch verseuchtem Gebiet von unschätzbarem Wert.

Seiner Meinung nach ist die Zukunft der Robotik durch eine Reihe von Trends gekennzeichnet. Als erste Entwicklung sieht er die für ihn notwendige "Humanisierung" beziehungsweise "Vermenschlichung " der Geräte, das heißt, die Computer sollten ausgebildet und zu "geselligen Computersystemen" gemacht werden. Ein zweiter Trend bestünde darin, die Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu verbessern, um die Rechner leichter benutzbar und somit "verträglicher" zu gestalten.

Neue Klassen von Maschinen wie "Gehirnverstärker" und "Wissensbank-Systeme" zu schaffen, bildet für ihn den dritten Trend.

Die AI-Zukunft der Roboter bietet für Dennis V. Crumley unbegrenzte Möglichkeiten. Für ihn ist es beispielsweise lediglich eine Frage der Zeit, bis Sensoren und Regelsysteme entwickelt sind, die bei Robotern "das Verhalten hochqualifizierter Fachleute" erzeugen können.

Atomare mit chemischen Waffen kombinieren

In seinem Zukunftsbericht wird ein Szenario - einschließlich eines nuklear geführten Krieges - suggeriert, das sich auf die amerikanische Verteidigungsdoktrin Airland Battle 2000 bezieht. Die Autoren dieses Konzepts beschreiben ein Gefechtsfeld, das voll von raffinierten Waffen- und Kampfführungssystemen sein wird, deren Reichweite, Vernichtungswirkung und Einsatzmerkmale allen heute bekannten Systemen weit überlegen sein sollen. Der Luftraum über den Kampfgebieten würde darüber hinaus von Luft- und Raumfahrtsystem zur Überwachung, Aufklärung und Zielerfassung wimmeln. Obwohl im Text von "Airland Battle 2000" häufig auf Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Pakts verwiesen wird, könnte es - so das Konzept - auch zu Konflikten mit "Moskau-treuen" Ländern kommen.

Für Dennis Crumley ist eine solche potentielle Krisensituation sowie die Möglichkeit vieler Länder, ABC-Waffen zu entwickeln, der Grund, daß sich die amerikanischen Streitkräfte verstärkt darauf vorbereiten müssen, aufgelockert zu kämpfen und konventionelle, atomare, chemische und elektronische Waffen miteinander zu kombinieren.

Automaten als "Nahkämpfer"

Seine Vorschläge für den Einsatz von Robotern mit künstlicher Intelligenz bei kriegerischen Auseinandersetzungen orientieren sich wie das Konzept "Airland Battle 2000" an den funktionalen Gefechtsfeldbereichen. Im Nahkampf könnten Roboter-Wachposten eingesetzt werden. Diese Geräte, die vermutlich keine Ähnlichkeit mit Menschen aufweisen, wären lebenswichtige Frühwarnsysteme für Spähtrupps. Hierbei handle es sich um leichte, tragbare Geräte mit einer ausreichenden Anzahl von AI-Sensoren, die Änderungen in der Umgebung feststellen könnten. Für diese Maschinen wäre es auch möglich, in einem radioaktiv verseuchten Gebiet zu operieren.

Der Einsatz von Robotern beim Minenkampf hat laut Crumley bereits begonnen. In Fort Knox im US-Bundesstaat Kentucky laufen derzeit Experimente mit ersten Versionen von Roboter-Plattformen, die später einmal mit künstlicher Intelligenz ausgerüstet und halbautonom eingesetzt werden sollen. Damit wäre es möglich, feindliche Minensperren zu erkennen, zu markieren und zu überwinden.

Eine Selbstzerstörung oder Detonation der "intelligenten" Mine auf Befehl könnte außerdem Bestandteil des Systems sein.

Begeisterung kann nur der Mensch vermitteln

Einen weiteren Einsatzbereich für Roboter sieht der Militärexperte bei der Grundausbildung von Soldaten. Crumley vertritt allerdings die Ansicht, daß weiterhin "Menschen" im Ausbildungszentrum einer Aufgabe nachkommen dürfen: nämlich den Eingezogenen das Gefühl und die Begeisterung zu vermitteln, einer großartigen Gemeinschaftsorganisation anzugehören.

Robbies therapieren Soldaten

Im allgemeinen wird dem Bericht zufolge der größte Teil der Logistikunterstützung an Neuformierungspunkten erfolgen, an denen sämtliche Mensch-Maschinen-Systeme Nachschub erhalten. Diese Gebiete wären auch als Ruhe- und Erholungszentren geeignet, die vollständig für Roboterbetrieb ausgelegt sein könnten. Zur besseren Betreuung der Soldaten sollten sie mit Videokassetten, "therapeutischen Minieinrichtungen" und vielem mehr ausgerüstet sein.

Auch die Zubereitung und Verteilung von Lebensmitteln würden Roboter übernehmen. Die Soldaten hätten die Wahl zwischen verschiedenen fertigverpackten Mahlzeiten mit hohem Nährwert.

Die Evakuierung von Toten und Verwundeten könnte ebenfalls mit Roboter-Fahrzeugen erfolgen, die in etwa den Geräten entsprechen, mit denen Nahkampftruppen die Logistikunterstützung erhalten. Bei der Evakuierung von Toten wäre es möglich, zum Anlaufen bestimmter Einheiten programmierte Fahrzeuge nach Beladen durch bloße Betätigung eines Schalters zur nächsten Leichenhalle zu schicken. Zum Abtransport von Kranken und Verletzten könnten Allwetter-Schwebeplattformen eingesetzt werden. Nach Erhalt einer Evakuierungsanforderung würden diese Roboter-Plattformen entsprechend programmiert und zur anfordernden Einheit geschickt. Wenn sie dort die Verwundeten aufgenommen hatten, ließen sich die Roboter für ihre Rückkehr neu programmieren.

Automaten entscheiden über Leben und Tod

Auch in den medizinischen Behandlungszentren sieht Crumley gute Einsatzmöglichkeiten. Die Roboter könnten Lebensfunktionen der Patienten überwachen, die verschiedenen Verletzungen diagnostizieren und somit dem medizinischen Personal helfen, Prioritäten in der Behandlung der Verwundeten zu setzen.

Als letzten möglichen Anwendungsbereich sieht der amerikanische Militärforscher die strategische Warnung während und nach einem nuklearen Angriff. Crumley: "In diesen Zeiten, wenn die Menschen unter einer erheblichen emotionellen Belastung stehen, würde sich die Hilfe von vorprogrammierten Robotern als unschätzbar erweisen." So könnten sie beispielsweise im Kriegsfall den verfassungsmäßigen Nachfolger des amerikanischen Staatsoberhaupts im Auge behalten und ihn sofort einsetzen, sollte der Präsident umkommen. Dem neuen Mann würden die "automatischen Beschützer" schnellstmöglich aufzeigen, wie Amerika nach dem Nuklearangriff aussieht...