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16.04.1982 - 

Was beim Schulungsmaterial zu beachten wäre:

Robotereinsatz oft ungenügend dokumentiert

DETROIT/ILL, (cw) - Für unfallträchtige, unzumutbare Arbeiten im Industriemilieu sind Roboter sicherer und kostengünstiger als Arbeiter, stellte Robert D, Wilson, Präsident der Beta Associates, auf der Robots VI Show Ende Februar in Detroit fest. Er wies darauf hin, daß sich täglich schwere Betriebsunfälle beim Umgang mit Maschinen und Ausrüstungen ereignen. Aber es seien auch schon Menschen durch Roboter ums Leben gekommen.

Die Liste der in Industriebetrieben drohenden Gefahren und Risiken ist lang und umfaßt neben mechanischen Einwirkungen Chemikalien, Betriebslärm, Staub und ironisierend Strahlung. Von den mehr als tausend chemischen Substanzen, mit denen Industriearbeiter in Berührung kommen können, sind laut Wilson nur 400 von der OSHA (Occupational Safety and Health Administration) erfaßt.

Um die Kosteneffizienz von Industrierobotern zu beweisen, erläuterte Wilson ein hypothetisches Szenario, in dem ein Roboter einen Menschen beim Putzen von Stahlgußteiden ersetzen sollte. Nach einer gründlichen Analyse aller relevanten Faktoren ergab sich zum Ende des ersten Jahres ein Kostenunterschied von 45000 Dollar zugunsten des Arbeiters. Innerhalb von fünf bis sieben Jahren tritt aber eine Umkehrung der Kosteneffizienz zugunsten des Roboters ein.

Gut und gern eine Million

Was sich nach Wilson nicht quantifizieren läßt, ist der Nutzen einer Versetzung des Arbeiters von dem gefahrenträchtigen Arbeitsplatz in einen anderen Job. Ein Gabelstaplerfahrer, der bei der Arbeit verunglückt und nach längerem Krankenhausaufenthalt stirbt, kann seinen Arbeitgeber beziehungsweise die Berufsgenossenschaft gut und gern eine Million Dollar kosten, und eine Berufskrankheit wie die Silikose kann leicht alle kurzfristigen Einsparungen gegenüber dem Robotereinsatz zunichte machen.

John M. Howard, Leiter der "Humantechnik" und ihrer Anwendungen bei der General Physics Corporation, betonte in seinem Vortrag die Bedeutung von "human factors engineering".

Ein wichtiger Aspekt ist die Wartungsfreundlichkeit. Die Roboterwartung soll sowohl vom Standpunkt des Lieferanten als auch des Anwenders besonders gut dokumentiert sein. Außerdem sollten die Betriebs- und Wartungstechniker eine sehr gründliche Ausbildung bekommen, da sie meistens keine Erfahrung mit der Elektronik und Antriebstechnik hätten, wie sie für Industrieroboter typisch sind. Bei der Implementierung gibt es meistens keine betriebstechnischen Probleme, wohl aber sind es die menschlichen, die Schwierigkeiten machen.

Ständige Kommunikation

Andere Grundsätze, die bei der Implementierung von Robotersystemen beachtet werden sollten, sind nach Howard:

* Die Gesichtspunkte der "Humantechnik" sollten bereits in einer sehr frühen Phase der Systemplanung berücksichtigt werden.

* Die Implementierung von Industrierobotern muß in Teamarbeit geschehen und verlangt ständige Kommunikation zwischen allen beteiligten Stellen.

* Die akzeptable Implementierung kann zu einer signifikanten Produktivitätssteigerung führen.

Timothy Heile, Marketingkommunikationsleiter bei der Cincinnati Milacron Marketing Co., verwies auf die vier Hauptkräfte, die hinter den gesellschaftlichen Auswirkungen der Industrieroboter stehen: Industrie, Gewerkschaften, Lehre und Forschung sowie die Regierung.

Die Industrie kann nachteilige Auswirkungen der Roboter und anderer Automatisierungsmaßnahmen abmildern, indem sie empfindliche Bereiche lokalisiert, bevor diese einbezogen werden. Heile empfahl auch die Bildung von Beratungsstellen für betroffene Mitarbeiter. Entscheidend kommt es auf eine gute Zusammenarbeit des Betriebsrats mit dem Management an. Wenn die Unternehmensleitungen sich bisher weitgehend über ihre Automatisierungsvorhaben ausgeschwiegen hatten, war das oft auf die Wettbewerbssituation zurückzuführen.

Langfristige Strategie

Die Roboterhersteller müssen mehr als bisher auf Dokumentation und Ausbildung achten. In vielen Fällen wird dem zu installierenden Roboter - wenn Oberhaupt - nur völlig ungenügendes Schulungsmaterial mitgegeben, und man überläßt es dem Anwender, unter großen Schwierigkeiten ein Schulungsprogramm zu erarbeiten.

Heile betonte, es sei Sache der Regierung, Lehre und Forschung, Gewerkschaften und Industrie an einen Tisch zu bringen, damit es endlich zu einer langfristigen Strategie über den Robotereinsatz kommt.

*Bruce Hoard gehört zur COMPUTERWORLD-Staff.

Aus COMPUTERWORLD vom 8. März, übersetzt von Hans J. Hoelzgen, Böblingen.

_AU:Bruce Hoard