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19.05.1995 - 

Industrie- und Echtzeitrechner/Festigkeit fuer rauhesten Einsatz ist nicht immer Conditio sine qua non

Robuste PCs verdraengen die kleineren VME-Bus-Systeme

In den Bueros haben PCs weitgehend die Rolle von Alleskoennern uebernommen, auch hinsichtlich der Einsatzbereiche alter Spezial- rechner und in industriellen Umgebungen, behaupten zumindest die PC-Hersteller. Stand und Perspektiven des Rechnereinsatzes in rauheren Umgebungen erlaeuterte Helmut Rzehak* in einem Gespraech mit CW-Redakteur Walter Mehl.

CW: Wie sehen Sie die Zukunftschancen der Industrierechner mit VME-Bus?

Rzehak: Aus meiner Sicht ist der VME-Bus, der in den letzten Jahren in den Industrierechnern dominiert hat, etwas auf dem Rueckzug.

CW: Wie kommt das?

Rzehak: Die PC-Hardware ueblicher Machart ist inzwischen so leistungsfaehig geworden, dass in vielen Bereichen, in denen traditionell VME-Rechner eingesetzt wurden, die preiswertere PC- Variante zu nutzen ist. Ausserdem gibt es heute PCs, die auch haerteren Umweltbedingungen standhalten, was aber vielerorts in der Industrie nicht mehr noetig ist. Es kommt hinzu, dass der VME-Bus urspruenglich von Motorola und den Motorola-Prozessoren gepraegt wurde. Heute sind viele andere CPU-Hersteller am Markt vertreten, und die Motorola-Chips der 68000-Baureihe werden wohl demnaechst nicht mehr produziert.

CW: Wenn der VME-Bus verschwindet, was kommt danach?

Rzehak: Es wird spekuliert, dass man den PCI-Bus, der sich in der PC-Welt etabliert hat, auch in VME-Rechnern nutzt. Das heisst, auf einer VME-Bus-Platine sitzt zusaetzlich ein PCI-Bus-Baustein. Natuerlich stellt sich damit langfristig die Frage, wozu man den VME-Bus noch braucht.

CW: Kommt das voellige Aus fuer die VME-Rechner?

Rzehak: In kleineren Systemen mit einer Platine oder dort, wo der Rechner nach aussen nicht mehr sichtbar ist, wird der VME-Bus auf absehbare Zeit noch eine erhebliche Rolle spielen.

CW: Was macht einen industrietauglichen PC aus?

Rzehak: Es gibt vermehrt PCs fuer die Montage in 19-Zoll-Gehaeusen, die aber funktionell mit den gaengigen PCs identisch sind. Sie haben die gleichen Schnittstellen, Prozessoren und Bus- Verbindungen. Andererseits werden in der Industrie in kritischen Bereichen speicherprogrammierbare Steuerungen dominieren. Der PC dient dort nur noch zur Anlagenueberwachung und ist damit auch nicht mehr extremen Umweltbedingungen ausgesetzt.

CW: Wie sieht es bei den Anwendungen aus? Fast immer verlangt die Industrie, dass die Rechner in Echtzeit reagieren und auch mit schwierigen Regelaufgaben zurechtkommen, die mit klassischen Mitteln nicht zu loesen sind.

Rzehak: Echtzeitanwendungen gibt es eigentlich in grosser Zahl. Fuer die Entwicklung stehen auch Case-Tools zur Verfuegung. Das hat sich inzwischen eingespielt. Was allerdings Programme auf Basis der Fuzzy-Logik betrifft: Die sind noch relativ neu und wenig verbreitet.

CW: Laufen an der Universitaet der Bundeswehr Projekte zu diesem Thema?

Rzehak: Es wird unter anderem der Einsatz zur Analyse von Fehlerfortpflanzung in Telefonvermittlungsanlagen untersucht. Dort treten nach einem Fehler viele Folgefehler auf, stellenweise so viele, dass die eigentliche Ursache fuer die Stoerung nicht mehr zu finden ist. Parallel dazu laufen Untersuchungen, ob zukuenftig Routing-Verfahren in Hochleistungsnetzen von Fuzzy-Logic-Systemen uebernommen werden koennen. Hier stehen wir noch ganz am Anfang - von einer konkreten Anwendung sind wir noch weit entfernt.