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19.06.1987 - 

Dienstleistungen via EDV eröffnen Beschäftigungschancen:

Rohstoff Information produziert neue Berufe

KÖLN (lo) - Dienstleistungen haben in den vergangenen zehn Jahren gegenüber traditionellen industriellen Tätigkeiten zugelegt. Ihr neuer "Rohstoff" heißt Information. In diesem Umfeld entstehen weitere Arbeitsplätze, können Experten aus Wirtschaft und Arbeitsmarktforschung beobachten. Ist auch Höherqualifikation für die Beschäftigten unerläßlich, so sind doch mit ihr indes Karrieresprünge keineswegs vorprogrammiert.

Die Dienstleistungsgesellschaft greift um sich, die Arbeit befindet sich im Wandel, stellt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln fest (Abbildung 1). Immer weniger Arbeitnehmer sind in der Bundesrepublik nämlich mit der Herstellung von Waren befaßt. Sammeln, Verarbeiten und Verteilen von Information löst die herkömmliche Industriegesellschaft in immer größeren Teilen ab, meint auch Leo A. Nefiodow von der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in Sankt Augustin. Die "handgreifliche" Tätigkeit bestimmt nach Zahlen der Kölner Wirtschaftsforscher den Arbeitsalltag von nur noch einem Viertel der Männer. Vor zehn Jahren waren über ein Drittel in diesem Sektor beschäftigt. Auch bei Frauen ging der Anteil von über 20 Prozent auf fünfzehn Prozentpunkte zurück. Gleichzeitig erhalten Verwaltungs- und Wartungsarbeiten eine zunehmende Bedeutung. So gehen heute über 27 Prozent (1976: 23,1 Prozent) der erwerbstätigen Frauen einer Bürobeschäftigung nach, 118 Prozent der Männer (1976: 5,3 Prozent) warten Maschinen. Auch das Bundesforschungsministerium zählt im Rahmen der Dokumentation "Arbeitsmarktwirkungen moderner Technologien" seit 1975 eine steigende Beschäftigungsrate im Dienstleistungssektor.

Im Dienstleistungssektor hat die Beschäftigung seit 1975 ständig zugenommen. 1986 lag die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Bereich um knapp 1,5 Millionen über derjenigen des Jahres 1975. Allein 1986 wurden mit 205 000 fast doppelt soviel neue Arbeitsplätze wie im verarbeitenden Gewerbe (+ 124 000) geschaffen. Damit arbeitet heute über die Hälfte (54 Prozent) aller Erwerbstätigen der Bundesrepublik Deutschland im Dienstleistungssektor. 1975 waren es sechs Prozent weniger.

Diese Beschäftigungsgewinne gehen, so das BMFT, mit einem gleichzeitig verstärkten Einsatz moderner Büromaschinen und EDV-Anlagen einher. Zwischen 1980 und 1984 wurde das reale Anlagevermögen in Büromaschinen und EDV-Anlagen innerhalb der Dienstleistungsbranchen um durchschnittlich 70 Prozent erhöht. Besondere Steigerungsraten wiesen dabei die Branchen Versicherungen (+ 165 Prozent), Kreditinstitute (+ 118 Prozent) und die Bereiche Bildung und Wissenschaft (+ 114 Prozent) sowie das Gesundheitswesen (+ 109 Prozent) auf. Gerade in diesen Branchen sind in der Vergleichsperiode 1980 bis 1985 zum Teil erhebliche Beschäftigungsgewinne zu verzeichnen gewesen, bilanziert das BMFT. Die Zahl der Arbeitsplätze wuchs bei den Versicherungen um 2000 (+ 1 Prozent), in den Kreditinstituten um 42 000 (+ 7,9 Prozent), in Bildung und Wissenschaft um 19 000 (+ 7,9 Prozent) und im Gesundheitswesen um 65 000 (+ 13 Prozent).

Beschäftigungsgrad vom Innovationsgrad abhängig

Damit lasse sich für den Dienstleistungssektor die gleiche Schlußfolgerung ziehen, wie sie sich für das verarbeitende Gewerbe schon früher ergeben hätte, nämlich:

- Dienstleistungsbranchen mit überdurchschnittlichen Investitionen in moderne Büro- und Verwaltungstechniken haben zwischen 1980 und 1985 ihre Beschäftigung mit 8,6 Prozent (+ 128 000) relativ am stärksten ausgeweitet;

- Branchen mit durchschnittlich vermehrtem Einsatz neuer Techniken haben während dieser Zeit die Zahl ihrer Arbeitsplätze deutlich um 5,9 Prozent (+ 358 000) erhöht;

- Branchen, die unterdurchschnittlich innovativ waren, mußten dagegen ihr Beschäftigungsvolumen um 1,4 Prozent (- 79 000) reduzieren.

Diese Daten belegen für das BMFT, daß auch für den Dienstleistungsbereich die These "Technikeinsatz = Jobkiller" nicht zutrifft. Die Beschäftigungsgewinne seien in den Bereichen am größten, in denen verstärkt neue Technik eingesetzt werde.

Informations- und Kommunikationstechniken bestimmen besonders seit den 80er Jahren zunehmend den Strukturwandel in der Wirtschaft und mit ihm die häufig nachgefragten Berufe und Tätigkeiten, stellt GMD-Experte Nefiodow fest und schlußfolgert: Je mehr dabei die Informationstätigkeiten zunehmen, um so mehr vergrößere sich wiederum der Bedarf an Informationstechnik. Ihr Einsatz erhöhe daraufhin die Produktivität der Informationsberufe. So könnten neue Informationstätigkeiten entstehen sowie bereits bestehende sich schneller verbreiten. Dies geschieht, so beobachtet auch Werner Dostal von dem Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, in besonders großer Zahl bei Arbeitsplätzen im Informationssektor (Abbildung 2). Durch den Technikeinsatz werden die Arbeitsplatzgewinne nicht, wie oft befürchtet, in Bereiche minderwertiger Qualität abgedrängt, schreibt das Bundesforschungsministerium. Im Gegenteil erhöhten sich in der Tendenz die Anforderungen an das Qualifikationsniveau der betroffenen Arbeitsplätze. Im Versicherungsgewerbe etwa nahmen qualifizierte Tätigkeiten um zehn Prozent zu.

Allerdings blieb bislang die prognostizierte Expansion der Führungsaufgaben aus, lautet ein Resümee des Kölner Instituts. Denn nach wie vor seien nur wenig mehr als sieben Prozent der männlichen und zwei Prozent der weiblichen Erwerbstätigen mit Leistungsfunktionen betraut.