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03.06.1994

Rolle des Mikros aendert sich (Teil 2 und Schluss) Schwergewichte der Szene machen Ernst mit PC-Markt

MUENCHEN (jm) - Der PC-Markt geraet zur Chefsache: Die Cloner und Boxenschieber geben nicht mehr allein den Ton an. Mit IBM, SNI, Olivetti, DEC und ICL draengen sich zunehmend wieder die Grossen der DV-Szene in den Vordergrund. Nachdem sie jahrelang die PC- Technologie fuer tragfaehige, unternehmensweite DV-Konzepte nicht ernst nahmen, entdecken sie diese Rechnergattung als strategisches Objekt neu.

Der PC gewinnt seine Bedeutung dabei vermehrt auch aus der Zusammenfuehrung unterschiedlicher Informationsmedien und -dienste. Folgerichtig wird sich in Zukunft die Aufgabenstellung der PCs wandeln: Von der besseren Schreibmaschine mausert er sich zum Infoterminal.

Als solches findet der Mikro zukuenftig nicht allein im professionellen Buero- und Geschaeftsleben seinen Einsatz. Darueber hinaus wird der PC in privaten Haushalten TV- und Videosignale steuern, Reise- oder Bankbuchungen taetigen, die Rollaeden bedienen, waehrend die Wohnungsbewohner ausgeflogen sind - im weitesten Sinn Daten- also Informationsstroeme lenken.

Der Boom bei PC-Systemen wird deshalb auch nicht abebben. Anlass genug fuer Anbieter von Gross- und Midrange-Systemen, sich intensiv dieses Themas anzunehmen. Ihre mehr oder weniger proprietaeren Host-Systeme verlieren ihre Attraktivitaet und damit schwinden die Gewinne. Ergo muessen sie sich aus anderen Fleischtoepfen bedienen.

Dies gilt besonders fuer IBM. Mit PCs macht Big Blue zwar noch keine Gewinne, mittlerweile aber genauso viel Umsatz wie mit Gross- und Midrangesystemen zusammen. Kein Wunder, dass die einst verpoenten Rechner jetzt in Armonk hoch im Kurs stehen. Mit einer Reihe von PC-Neuvorstellungen unterstreicht IBM denn auch einmal mehr die Bedeutung seiner PC-Division.

IBMs Problem ist allerdings, dass das Unternehmen mittlerweile nicht mehr eindeutig genug vermitteln kann, wo die Differenzierungslinien zwischen den unterschiedlichen Rechnerfamilien verlaufen. Mit den gerade vorgestellten Rechnern der Serverreihe "77i" schafft sich IBM etwa eine hausinterne Konkurrenz zu den PS/2-Servern der Modell-Linien "85", "95" und "95 Array".

Auch die neuen "Performance"-Valuepoint-Rechner weisen aehnliche Leistungsmerkmale auf wie die 77i-Systeme. Sie arbeiten mit den neuesten Intel-486-Prozessoren, sind Pentium-aufruestfaehig und bieten bis zu 728 MB an Festplattenspeicher. Durch das Local-Bus- System mit der Bezeichnung "Selectabus" kann der Anwender ueber unterschiedliche Steckkarten zwischen den Optionen Vesa- oder PCI- Bus-Subsystem waehlen.

Allerdings nutzt IBM in den PS/2-Server-Maschinen die Mikrokanal- Architektur, die gegenueber dem in den Performance-Modellen benutzten AT-Bus erheblich leistungsfaehiger ist.

Vorerst nur im US-Markt plazierte Big Blue darueber hinaus drei neue PS/1-Modelle, die - wie die 77i/76i-Server - ebenfalls fuer den Soho-Markt (Small Office, home Office) gedacht sind. In Deutschland verkaufen sich die PS/1-Rechner allerdings eher schleppend, wie IBM-Sprecherin fuer PC-Systeme Regina Schlender bestaetigt.

Etwas anders liegt der Fall bei Hewlett-Packard (HP). Das Unternehmen hat zwar das Image eines lupenreinen Unix-Anbieters, damit scheint HP fuer eine gewisse Offenheit seiner Computersysteme zu stehen. Bei PCs aber, die quasi als basisdemokratische Rechner par excellence gelten, konnten die Kalifornier bislang nicht so recht reuessieren.

In Deutschland etwa betraegt HPs Marktanteil - gemessen an der Stueckzahl verkaufter PCs - nach der neuesten Dataquest-Analyse fuer das erste Quartal 1994 weniger als zwei Prozent. Bei insgesamt 602680 in der Bundesrepublik in diesem Zeitraum abgesetzten PCs entspricht dies maximal 12000 Rechnern - zu wenig fuer die weltweite Nummer 2 der Computerunternehmen.

Interne Quellen machen vor allem Vertriebsprobleme fuer das enttaeuschende Abschneiden der PC-Division von HP in Deutschland verantwortlich.

Harald Rettich, bei HP Leiter Produktmarketing fuer PCs, bleibt trotzdem optimistisch. Die Verkaufszahlen haetten sich in den vergangenen zwei Jahren jeweils verdoppelt. Ausserdem habe man den Verkauf der PCs 1991 neu geordnet.

Wie DEC liess HP vom Direktvertrieb ab. Neben Fachhaendlern stuetzt sich das Unternehmen seit etwa anderthalb Jahren auch auf die Dienstleistungen der sieben Distributoren C 2000, Magirus, Macrotron, Ingram Micro, Merisel, CHS und Actebis. Den Massen- also Retailmarkt geht man "mangels geeigneter PC-Produkte fuer diesen Vertriebsbereich" - so Rettich - noch nicht an.

HP baut sein PC-Angebot nun mit den "Netserver-LC"-Systemen weiter aus. Bislang schon existiert die "Vectra"-Linie mit den drei Familien "Valueline 2", "M 2" und "N 2". Fuer grafikorientierte Anwender bietet HP zudem die Vectra-Rechner "XM2", "XP" und "XU" an.

Mit den Netserver-Modellen will auch HP auf dem Soho-Markt Fuss fassen. Die drei EISA-Modelle arbeiten mit den staerksten 486-CPUs beziehungsweise einem mit 66 Megahertz getakteten Pentium- Prozessor. Alle verfuegen ueber den PCI-Lokal-Bus sowie SCSI-2- Massenspeicher. Optional erhaeltlich ist ein externes EISA-Disk- Array-System mit Fast-SCSI-2-Controller.

Ein Umstand spricht uebrigens fuer HP: Als Anbieter von Serversystemen aus der HP3000- beziehungsweise HP9000-Welt hat sich das Unternehmen an Anwender gewoehnt, die Wert auf Systemverwaltungs- und Administrationssoftware legen. Konsequenterweise legt HP denn auch seinen PC-Servern entsprechende Software wie "Netserver Assistant", Version 2.0 fuer die Netzueberwachung des PC-Hosts bei. Die ab Juni 1994 erhaeltlichen Netserver kosten zwischen 6500 und 15000 Mark.