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23.03.2001 - 

E-Procurement & B-to-B/350 Key Player in einer Non-Profit-Organisation (NPO)

Rosetta Net: Standard mit globalen Aussichten

Rosetta Net ist eine internationale und unabhängige Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, einen weltweiten E-Commerce-Standard für die IT-, Halbleiter- und E-Komponenten-Industrie zu etablieren. Zu der Initiative zählen über 350 Key Players mit einem konsolidierten Umsatz von über einer Billion Dollar. Von Oliver Bauer*

Angenommen, Sie kaufen sich einen PC und sind der Ansicht, dass Sie selbstverständlich das Produkt einer technologisch fortgeschrittenen Industrie in der Hand halten. Irrtum, betrachtet man die zugehörige Supply Chain. Erfahrungsgemäß ist nämlich davon auszugehen, dass der Hersteller seine Lagerbestände nur mit annähernder Wahrscheinlichkeit schätzen konnte. Ebenso ist nicht aus der Luft gegriffen, dass der Großhändler dem Händler keinen technischen Support liefern konnte, weil er bei den Tausenden von verschiedenen Geräten, die er vertreibt, den Überblick verloren hat. Die Verwirrung beruht auf einer eigentlich simplen Ursache: Es gibt keine weltweit übergreifende Definition der Produktnummer oder gar einheitliche Produktinformationen entlang der gesamten Supply Chain.

Das ist nicht nur ärgerlich, es bedeutet pure Geldverschwendung. Die Gewinnspannen der Computerindustrie sind traditionell gering. Nach einer Studie der University of Southern California gehen ihr außerdem zwei bis vier Prozent des Umsatzes durch schlecht organisierte Supply Chains verloren. Bei dem oben angesprochenen Umsatzvolumen des Konsortiums von über einer Billion Dollar ist das kein Taschengeld. Dabei steht die Entwicklung der B-to-B-Kommunikation erst am Anfang. Rosetta Net will nun durch internationale Standardisierung diesem Missstand ein Ende bereiten. Das B-to-B-Normierungsgremium hat im Prinzip zwei Aufgaben: zum einen den Standard zu entwickeln und zum anderen ihn durchzusetzen. Letzteres stellt jeden Standard auf eine harte Probe. Das Gremium besteht aber nicht nur aus den teilweise auch im Wettbewerb stehenden Key Playern in den angesprochenen Industrien, sondern auch aus Vertretern wichtiger Handelsverbände. Deshalb verspricht man sich, den Standard leichter durchsetzen zu können. Das heißt, dass auch die Wettbewerber zusammenarbeiten müssen, um die selbstgewählte Aufgabe zu bewältigen. Allerdings haben einige Firmen bereits in proprietäre Standards investiert. Das waren zuerst meist die Gegner des neuen Standards. In der Regel sind diese später beigetreten, wie zum Beispiel Dell Computer.

Business-Sprache auf Basis von XMLWeisungsgebend bei Rosetta Net sind die Boards aus den Bereichen Halbleiter, IT und elektronische Komponenten. Sie stimmen über Richtlinien ab und verpflichten sich gleichzeitig, diese - zusammen mit ihren Handelspartnern - umzusetzen. Außerdem stellen sie Know-how und Mitarbeiter. Sie definieren in erster Linie die Projekte und deren Priorität.

Wichtige Mitglieder sind Cisco Systems, 3Com, IBM, Dell Computer, Siemens AG, Intel, Compaq, SAP, Microsoft, Tech Data und Hewlett-Packard. Aber auch Deutsche Financial Services, UPS sowie Fedex, Commerce One und Ariba finden sich bei Rosetta Net wieder.

Die Sprache Rosetta Nets ist eine offene, auf XML (Extensible Markup Language) basierende und nicht proprietäre Sprache, die es ermöglicht einen Dialog zwischen Partnern der Supply Chain zu führen. Dieser Dialog zwischen zwei Business-Servern wird Partner Interface Process (PIP) genannt und ist ein Gegenstück zum menschlichen Dialog. Das Konsortium definiert für jeden Business-Prozess ein PIP, an den sich die Partner zu halten haben. Wörterbücher spezifizieren diesen Dialog und definieren die Eigenschaften eines Produkts. Das Rosetta Net Implementation Framework (RNIF) gibt Richtlinien vor, wie die PIPs zu implementieren sind.

Das Gremium ersetzt also veraltete und uneinheitliche Kommunikationsmuster wie proprietäre Systeme, EDI, Fax, Telefon etc. durch eine definierte und auf das Internet abgebildete Business-Sprache.

Darüber hinaus gibt es einheitliche Produkt- und Partnercodes, wie beispielsweise D-U-N-S, neunstellige Ziffern, die es erlauben, den Handelspartner weltweit zu identifizieren.

Mit der Einführung von PIPs werden proprietäre Kunden- und Verkäufernummern durch GTIN-Ziffern ersetzt. Diese erlauben es, den Warenstrom in der Supply Chain transparent zu machen.

UN/SPSC-Nummern sind hierarchisch angeordnet und erlauben eine konsistente Produktklassifizierung, die durch ein Wörterbuch beschrieben wird.

Folgende Bereiche der Business-Kommunikation werden abgedeckt:

- Partner und Produkte

- Produkteinführung

- Auftrags-Management

- Bestands-Management

- Marketing-Management

- Service und Support

Zu jedem dieser Bereiche existieren detaillierte PIPs; sie involvieren zwei Partner aus der Supply Chain, sind also keine firmeninternen Prozesse. Beim Erstellen eines PIPs werden folgende vier Schritte durchlaufen:

- Analyse der Ist-Prozesse:

Durch die Analyse der Supply Chain werden die Bestandteile eines Business-Prozesses identifiziert und quantifiziert, so dass ein organisationsunabhängiges Abbild einer Schnittstelle in der Supply Chain der Partner entsteht. Als Partner können hierbei Hersteller, Distributoren, Händler, Finanzinstitute und Geschäftskunden auftreten.

- Modellierung der Soll-Prozesse:

Ausgehend von der Ist-Analyse wird eine PIP-Target-Liste geschaffen, die eine optimale Ausrichtung der Supply Chain darstellt, wie der Business-Dialog der Partner aussehen soll. Die abgeschätzten Kosten- und Zeitersparnisse zeigen die Vorteile der Implementierung.

- Entwicklung der Partner-Interface-Prozesse (PIPs):

PIPs entstehen durch die Soll-Modellierung. In den Spezifikationen wird detailliert - verbal und grafisch - dargelegt, wie die elektronischen Geschäftsprozesse abgewickelt werden müssen.

- Entwicklung der PIP-Protokolle:

Diese Protokolle spezifizieren das Zusammenspiel einzelner Rosetta-Net-Applikationen gemäß der Implementierungsrichtlinien, die in den Dictionaries definiert sind.

Jedes PIP-Protokoll enthält eine Darstellung der Implementierungsrichtlinien, richtlinienkonforme XML-Dokumente sowie UML-Klassen und Sequenzdiagramme; UML (Unified Modelling Language) ist eine grafische Beschreibungssprache in der OO Programmierung (Object-Oriented).

Nicht wertschöpfende ProzesseIn Zukunft werden die PIPs selbst elektronisch implementiert. Das ermöglicht eine wesentlich raschere Konfiguration von Supply-Chain-Modellen. Partnerfirmen können die ausgetauschten Informationen und deren Sequenz mit Mustervorlagen, so genannten Document Type Definitions (DTDs) abgleichen und anhand derer eigene Rosetta-Net-Applikationen entwickeln. Dadurch ist die Einhaltung des Standards entlang der gesamten Supply Chain gesichert. Darüber hinaus können E-Business-Dokumente in beliebigen Sprachen mit anderen Firmen ausgetauscht werden.

Fazit: Rosetta Net automatisiert ständig vorkommende, nicht wertschöpfende Geschäftsprozesse, die meist noch von Menschen ausgeführt werden. PIPs ermöglichen es, dass Supply-Chain-Partner auf elektronischem Weg ohne Extranets oder EDI-Systeme kommunizieren können.

Firmen, die den Standard implementierten, berichten von reduzierten Kosten und erhöhter Produktivität. Außerdem sei nahezu jede wichtige Information über ihre Business-Prozesse in Echtzeit verfügbar. Zusätzlich können die Firmen flexible und dynamische Handelspartnerschaften eingehen, woraus sich wiederum neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Für die Endkunden bedeutet dies eine Vereinheitlichung und Beschleunigung der Einkaufsprozesse. Hier einige Beispiele:

- Motorola kündigte ein Global Interactive Blue Chip Program an, welches den amerikanischen und kanadischen Distributoren Internet-Zugriff in Echtzeit zu Motorolas Marketing-Informationen via Rosetta-Net-Standards gibt.

- Der Standard macht es möglich, dass bei United Technologies allein durch Scannen von Barcodes deutlich wird, wenn der Lagerbestand unter einen bestimmten Level fällt. Ist dies der Fall, platziert das Host-System automatisch einen Auftrag bei Arrows Electronics und die Lieferung zu United Technologies erfolgt noch am selben Tag.

- Hewlett-Packard benutzt Rosetta-Net-Standards an beiden Enden seiner Supply Chain, um den Eingang eines Auftrags zu bestätigen, den Status eines Auftrags abzufragen und Lieferungen anzukündigen.

Natürlich muss das Ziel eines Standards dessen weite Verbreitung sein, wenn er langfristig überleben will. Folglich wird daran gedacht, den Standard auf die Automobil- und Telekommunikations-Industrie auszuweiten. So wie führende Firmen in den letzten Jahren innerbetriebliche Prozesse optimiert haben, werden diese jetzt und in den kommenden Jahren ein besonderes Augenmerk darauf richten, ihre Supply Chain optimal auszurichten. Das funktioniert nur, wenn alle Partner der Supply Chain kooperieren. Rosetta Net ist durch die Ausdehnung auf den asiatischen Raum auf dem besten Weg, für die zunehmende Business-Kommunikation eine global akzeptierte und effiziente Sprache bereitzustellen.

*Oliver Bauer ist freier Journalist in München

Welche Firmen sind dabei?

IT-Industrie (zum Beispiel) (28 insgesamt, hier auszugsweise):

3Com www.3com.com

Compaq www.compaq.com

Dell www.dell.com

Federal Express www.fedex.com

Hewlett-Packard www.hp.com

Ingram Mirco www.ingrammirco.com

Netscape www.netscape.com

Office Depot www.officedepot.com

SAP www.sap.com

Siemens www.siemens.de

Tech Data www.techdata.com

UPS www.ups.com

Welche NPOs sind dabei?

Non-Profit-Organisationen (33 insgesamt, hier auszugsweise):

Association of Franchised of Electronic Components (AFDEC) www.afdec.org.uk

CommerceNet www.commencenet.org

CommerceNet Japan www.commercenet.or.jp/english/index.html

Customer Support Consortium www.customersupport.org

Electronic Components, Assemblies, Equipment and Supply Association www.ec-central.org

Electronics Industry Data Exchange Association (EIDX) www.eidx.org

Edifice www.edifice.org

Information Technology Association of America (ITAA) www.itaa.org

National Institute of Standards and Technology www.nist.gov

Open Buying on the Internet www.openbuy.org

Abb: Rosetta Net

Rosetta Net (www.rosettanet.org) definiert E-Business-Prozesse ähnlich wie Buchstaben, Wörter, Grammatik etc. die menschliche Sprache festlegen. Doch im Unterschied dazu müssen Geschäftsprozesse um vieles schneller, kostengünstiger, fehlerfrei und austauschbar sein. Quelle: Rosetta Net