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15.09.1988 - 

Fachhochschule Furtwangen befragt Absolventen nach ihren beruflichen Chancen:

Rosige Zeiten für Wirtschaftsinformatiker

FURTWANGEN (CW) - Einer vielversprechenden beruflichen Zukunft sehen diplomierte Wirtschaftsinformatiker entgegen, lautet das Fazit einer Umfrage bei Absolventen der Fachhochschule Furtwangen. Vor allem DV-Hersteller und Softwarehäuser nehmen die Jobeinsteiger auf.

Im Rahmen einer anonymen Umfrage wurden die Absolventen des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Furtwangen nach ihrer beruflichen Stellung, ihrer rückblickenden Kritik am Studium und über die Zukunftsperspektiven befragt. 66 Prozent der Wirtschaftsinformatiker aus den Jahrgängen 1975 bis 1987 erwarten einen stark zunehmenden Bedarf ihres Berufszweigs.

Von traditionellen Arbeitsbereichen wie Lohn und Gehalt wird sich nach Einschätzung der Befragten das Tätigkeitsfeld mehr und mehr auf informationstechnische Gebiete verlagern. In diesem Trend sieht Professor Rainer Bischoff, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik an der FH Furtwangen, eine wachsende Abgrenzung zum Betriebsinformatiker universitärer Prägung. Dieser sei, so Bischoff, meist Diplom-Kaufmann mit Wahlfach Informatik/Wirtschaftsinformatik und daher eher "DV-orientierter Betriebswirt".

Hauptsächlich tätig in der Systemanalyse

Die Chancen für Wirtschaftsinformatiker in DV-Unternehmen zeichnen sich bereits jetzt deutlich ab. So bevorzugen 58,8 Prozent der Furtwanger Absolventen einen Arbeitsplatz in der DV-Branche, weit zurück bleiben hingegen das verarbeitende Gewerbe mit 17,6 Prozent und der Handel (4,9 Prozent). Innerhalb des Wirtschaftszweiges EDV arbeiten 38,2 Prozent der Befragten bei Computerherstellern, 31,3 Prozent haben eine Tätigkeit in Softwarehäusern gefunden. Weit abgeschlagen rangieren dahinter die Stellen in Beratungsunternehmen (18,2 Prozent), Systemhäusern (9,2 Prozent) und Rechenzentren (3,1 Prozent).

Die Tätigkeitsfelder der meisten in Furtwangen ausgebildeten Wirtschaftsinformatiker erstrecken sich hauptsächlich auf Systemanalyse, Software-Entwicklung, Anwendungsprogrammierung sowie Beratung der Fachabteilungen. Aber auch in der DV-Organisation, Wartung, DV-Schulung und DV-Koordination sind die befragten Personen tätig. Schlußlichter bilden der RZ-Betrieb, der Datenschutz sowie Forschung und Lehre. Neben den traditionellen fachlichen Haupteinsatzgebieten stehen die "modernen" DV-Felder PPS/CIM, Informations-Management und Büro-/Telekommunikation im Vordergrund. Bezogen auf die Beschäftigungsfelder sind zwischen weiblichen (insgesamt 18 Prozent) und männlichen Absolventen merkbare Unterschiede festzustellen. Während die Wirtschaftsinformatikerinnen in den Bereichen Beratung der Fachabteilung, DV-Organisation und DV-Koordination leicht unterrepräsentiert sind, sind sie in der Wartung, Datenorganisation und Kundendienst leicht überrepräsentiert.

Führungspositionen nehmen 38 Prozent der Befragten ein. Innerhalb dieser Gruppe sind 40 Prozent Projektleiter und 23 Prozent Abteilungsleiter. Als Geschääftsführer fungieren 12 Prozent, 10 Prozent als Bereichsleiter. Zu den beiden letztgenannten Positionsbezeichnungen fügt Professor Bischoff in seiner Auswertung hinzu, daß sie je nach Unternehmensstruktur von mehr oder weniger wichtiger Bedeutung sein können. Alles in allem sei die Leistungsbilanz jedoch "recht gut".

An erster Stelle der Studienschwerpunkte der in Furtwangen ausgebildeten Wirtschaftsinformatiker stand das Fachgebiet Programmierung/Software-Engineering (30 Prozent), gefolgt von Betriebswirtschaftslehre (26 Prozent) und Kursen über kommerzielle Anwendungen. Die Studiengewichtung im Hinblick auf Führungs,techniken und soziale Aspekte lag bei 12 Prozent.

Eine erheblich große Zahl der Studienanfänger, insgesamt 35 Prozent, hatte bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung. Diese Tendenz ist, so der Furtwanger Dozent, auch bei Studenten mit allgemeiner Hochschulreife leicht steigend. Trotz der Attraktivität des Studiums und der vielversprechenden Berufschancen gilt nach Einschatzung von Bischoff offensichtlich für viele die Devise: eine Banklehre nach dem Abitur, erst dann zur Hochschule. Mit diesem zeitlichen Vorrang der Berufspraxis vor dem Studieren gewinne das Fachhochschulstudium eine völlig neue Bedeutung als "zweiter Bildungsweg".

Aus der Umfrage zieht Bischoff den Schluß, daß künftig eine stärkere Durchdringung von Informatik und Betriebswirtschaftslehre notwendigerweise erfolgen wird. Der Wirtschaftsinformatiker "neuer Inkarnation" ist Systemarchitekt moderner Informations- und Kommunikationssysteme. Diesem Berufsbild entspricht auch der neue Studienplan den die Fachhochschule Furtwangen für das kommende Wintersemester entworfen hat.

Bundesweit sind derzeit rund 3400 Studenten - davon 700 an drei Universitäten und 2700 an 14 Fachhochschulen - für den Studiengang Wirtschaftsinformatik eingetragen. In Anbetracht der großen Nachfrage ist dies, so Bischoff, allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.