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09.11.1984 - 

Hardware

Roundup '84

Der Wind weht eisiger für die "Plug Compatible Manufacturers" (PCM), die Steckerkompatiblen. Erstes Opfer des verschärften Wettbewerbs seit dem letzten Hardware-Roundup der COMPUTERWOCHE wurde Storage Technology (siehe auch Seite 1) - das Unternehmen hat Gläubigerschutz nach "Chapter eleven" des amerikanischen Konkursrechts beantragt.

Der Anbieter IBM-kompatibler Speicherperipherie wollte 1983 auch in das CPU-Geschäft einsteigen, um sich durch eine "geschickte Nischenpolitik" ein einträgliches Zusatzgeschäft zu sichern. Doch schon im Dezember, dem Zeitpunkt der Ankündigung, bezweifelten Kenner des PCM-Marktes aussichtsreiche Chancen für den Newcomer.

Immerhin hatten bereits Magnuson, ein Unternehmen von Amdahl-Sohn Carl, sowie Computer Machinery, das IBM-kompatible Cambex-Rechner vermarkten wollte, das Handtuch geworfen. Im Dezember 1983 hatte Storage Technology noch Oberwasser gewonnen, als die IBM-Entwickler das ohnehin kalte Josephson-Projekt auf Eis legen mußten. Es gab grundlegende Probleme mit dieser Technik, die auf dem Betrieb von Schaltkreisen in der Nähe des absoluten Nullpunkts (minus 273 Grad Celsius) basiert. Storage Technology glaubte damals, in Zusammenarbeit mit der Tochter Micro Technology bei der Entwicklung von Rechnern auf CMOS-Technik eine Vorturner-Position einnehmen zu können. Nun hofft man, nach der "Chapter-eleven-Quarantäne" wenigstens wieder auf die Beine zu kommen.

1984 begann für den IBM-Mitbewerber National Advanced Systems (NAS) mit einer guten Meldung: Das Unternehmen konnte europaweit seinen ersten Großrechner 9080 absetzen. In Paris bei Circe, dem Datenverarbeitungszentrum des Centre National de Recherche Scientifique, soll der Jumbo immerhin 100 Megaflops bei technisch-wissenschaftlichen Anwendungen bringen.

Auf die 4300-Ankündigungen vom September 1983 (4361, 4381) reagierte Ende Januar dieses Jahres als erster PCM die Ludwigshafener BASF mit XA-fähigen Modellen, um diesem "außerordentlich geschickten Schachzug der IBM" (so das BASF-Management) Paroli bieten zu können. Mit 3,2 bis 3,8 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde) und Kaufpreisen zwischen 1,4 und 1,7 Millionen Mark hofft die Mannschaft vom Rhein auf ein positives Echo bei der Anwenderschaft.

Mit einem "Performance Accelerator" für die Mainframes 5840 und 5850 versuchte Amdahl im Februar 1984 eine Durchsatzsteigerung zu erreichen, ohne neue Rechner installieren zu müssen. Dieser Accelerator wurde, Novum in der Hardwaregeschichte, dem Anwender zur Nutzung überlassen, im übrigen blieb der Hard-/Softwarezusatz aber Eigentum des Herstellers. Abgerechnet wird nach tatsächlich genutzter Zeit.

Im März dieses Jahres, nach ausgiebigen Spekulationen um Preissenkungen bei der 308X-Serie, offerierte IBM dem staunenden Publikum zwar keine reduzierten Preise, aber immerhin mehr Leistung bei der 3080-Familie. Die mit einem zusätzlichen X gekennzeichneten Modelle brachten allerdings nur ganze zehn Prozent mehr Leistung - und die Aufrüstmöglichkeit der im Feld stehenden "normalen" 308X-Rechner bietet IBM nicht an. Eine geänderte Prozessortechnik verstellt den Ausbauweg. Die Spekulationen wucherten: Kommt die Sierra-Serie, für den Herbst erwartet, etwa nicht?

Amdahl reagierte schnell auf die Herausforderung: Zwei Wochen nach der IBM-Ankündigung brachte das Unternehmen seinen (von Fujitsu gebauten} 5867-Dual- sowie 5868-Multiprozessor mit einem Leistungszuwachs von 25 bis 40 Prozent im Vergleich zum Single-Prozessor 5860. Vorzug gegenüber den IBM-X-Modellen: Die alten Amdahl-Maschinen lassen sich auf die neuen hochrüsten.

Vier Wochen später meldete sich auch NAS zu Wort und offerierte den Anwendern sechs neue Modelle der AS/8000-Serie als Antwort auf die 308X-X-Familie des Marktführers. Auch NAS warb mit der Ausbaufähigkeit bereits installierter Modelle zu den neuen Leistungsklassen. Zu Beginn der Hannover-Messe brachte die BASF schließlich ihr Modell 7/69 mit rund 2,8 Mips in der Leistungsklasse der 4381-2.

Ein Upgrade zu den 308X-X-Modellen ersparen konnten sich die 308X-Anwender mittels eines von der IBM angebotenen Paketes. Damit ließ sich die Leistung der installierten 308X-Rechner um rund sechs Prozent steigern. Fachleute werteten dies als Versuch von Big Blue, verärgerte Kunden bei der Stange zu halten und den Wert ihrer Installation zu schützen. Zudem kündigte IBM die Möglichkeit an, das Modell 3081-D direkt zur 3084-Q ausbauen zu können.

Daß die Trilogy Inc., gegründet von Ex-IBM-Entwickler Gene Amdahl, ihre Supercomputerentwicklung einstellen müsse, die Meldung enttäuschte im Juni 1984 viele Marktbeobachter, die sich von dem Amdahl-Engagement eine Wiederbelebung der Jumbo-Szene versprochen hatten. Amdahl konnte sein ehrgeiziges Ziel, Big Blue noch einmal zu zeigen, wo es wirklich langgeht, nicht verwirklichen. Die technischen Probleme erwiesen sich auf dem von Amdahl eingeschlagenen Weg als derzeit nicht lösbar.

Probleme mit XA, lange Zeit Reizwort in der PCM-Szene, drückten die Amdahl Corp. in der Mitte dieses Jahres. Verzögerungen bei der Auslieferung des neuen "Betriebssystems der Zukunft" (O-Ton IBM) ließ PCM-Kunden mürrisch werden. Inzwischen, versichern nicht nur Amdahl-Manager, sei XA "kein Thema mehr".

Leichte Preissenkungen bei der 308X-Familie um vier bis sieben Prozent nährten Anfang September Spekulationen, daß die "Sierra-Reihe" doch noch in diesem Jahr kommen werde.

Mit einem Konkurrenzmodell zu IBMs 4381-2 will NAS gegenüber dem Stuttgarter Mainframe-Riesen Boden gutmachen: Mitte September kündigte der PCM sein Modell 6660 an, das fünf Prozent billiger als das vergleichbare Modell von Big Blue ist.

Dann häuften sich die IBM-Announcements: Ende September ein neues 4361-Modell sowie /38-Erweiterungen. Insbesondere das neue 4300-Modell werten Brancheninsider als Angriff auf die Domäne von Supermini-Anbietern wie DEC, Data General und Prime: den technischwissenschaftlichen Markt. Denn weder von der Leistung her noch von den verwendeten Betriebssystemen paßt der neue IBM-"Mini" in das bislang überwiegend "kommerziell" geprägte 4300-Bild. Anders das parallel zur 4381-3 angekündigte 3083-CX-System: Mit 1,4 Millionen Mark ist der Anwender jetzt in der XA-Welt dabei.