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08.12.2008

Rückblick - Bonus-Material

Die Milliarden-Deals des Jahres

2008 haben sich die einschlägig bekannten Einkäufer unter den IT-Anbietern in Sachen Zukäufe merklich zurückgehalten. Der wachsende Wettbewerbsdruck und das schwierige wirtschaftliche Umfeld haben offenbar die Finanzverwalter dazu bewogen, die Türen ihrer Tresore geschlossen zu halten - vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Dennoch gab es auch im zurückliegenden Jahr wieder einige Milliardengeschäfte. Das waren die größten Deals:

  • Mit der Übernahme von EDS landete Hewlett-Packard den Deal des Jahres. 13,9 Milliarden Dollar ließ sich der Konzern die Übernahme des Servicespezialisten kosten. Mit dem Zukauf rückte HP nach IBM zum zweitgrößten IT-Service-Provider auf und lockerte den Druck, der auf dem angespannten Produktgeschäft gelastet hatte. Die Verantwortlichen hoffen, in der EDS-Klientel neue Kunden für das HP-Portfolio zu finden.

  • Nach einem monatelangen Katz-und-Maus-Spiel kam Oracle Anfang 2008 doch noch zum Zug und brachte die Übernahme von Bea Systems unter Dach und Fach. Ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass Oracle-Chef Lawrence Ellison tiefer in seine Tasche griff: 8,5 Milliarden Dollar überzeugten offenbar die Teilhaber des Middleware-Spezialisten. Eine Offerte über 6,7 Milliarden Dollar hatten sie wenige Monate zuvor noch als zu gering zurückgewiesen.

  • Der US-Netzbetreiber Verizon Wireless hat sich im Juni den Konkurrenten Alltel geschnappt und damit an die Spitze des heimischen Mobilfunkmarktes katapultiert. Neben dem Kaufpreis von 5,9 Milliarden US-Dollar muss der Käufer für Verbindlichkeiten in Höhe von 22,2 Milliarden Dollar aufkommen.

  • Die Deutsche Telekom stieg im Sommer für 2,5 Milliarden Euro bei dem griechischen Telekom-Anbieter Helenic Telecom ein. Trotz Widerständen gegen den ausländischen Investor kündigte der deutsche Telko-Riese an, von der griechischen Regierung weitere Anteile übernehmen zu wollen.

  • Freenet hat Anfang Juli die 1,6 Milliarden Euro teure Übernahme des Konkurrenten Debitel abgeschlossen. Damit stieg der Provider mit 19 Millionen Kunden zum drittgrößten Mobilfunkanbieter in Deutschland hinter T-Mobile und Vodafone auf.

  • Jahrelang hat Google den übermächtigen Konkurrenten Microsoft in Sachen Suchtechnik vorgeführt. Im Januar platzte dem weltgrößten Softwarehersteller dann der Kragen. Der Konzern kündigte für 1,2 Milliarden Dollar die Übernahme des norwegischen Suchmaschinen-Spezialisten Fast Search & Transfer an.

  • Sun Microsystems schnappte sich Anfang 2008 für rund eine Milliarde Dollar die quelloffene Datenbank "MySQL". Der angeschlagene Server-Hersteller wollte damit seinen Open-Source-Stack komplettieren und seine Softwaregeschäfte in Schwung bringen, da das Hardwaregeschäft schon seit Jahren eigentlich mehr schlecht als recht vor sich hindümpelt. Geholfen hat es wenig: Sun rutschte im Laufe des Jahres immer tiefer in die roten Zahlen.

Deals - geplatzt, abgeblasen und vertagt

Wie nervös die Marktteilnehmer im weltweiten IT-Geschäft in den zurückliegenden Monaten agierten, zeigt eine ganze Reihe von geplatzten Deals beziehungsweise Geschäften, die seit Monaten in der Schwebe hängen:

  • Es hätte der Deal des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts werden können. Doch Yahoo hat zu hoch gepokert: Anfang 2008 lehnten die Verantwortlichen des Internet-Pioniers ein Gebot von Microsoft in Höhe von sage und schreibe 44,6 Milliarden Dollar als zu gering ab. In der Folge geriet die Company mehr und mehr ins Schlingern. Die großspurigen Ankündigungen, man könne die Herausforderungen im härter werdenden Online-Business aus eigener Kraft stemmen, verpufften. Der Strohhalm eines Rettungs-Deals mit Google zerbrach und schließlich musste Konzerngründer Jerry Yang seine Koffer packen. Zu diesem Zeitpunkt lauerte Microsoft nur noch: Von einer Übernahme ist längst nicht mehr die Rede. Der Softwareriese will nur noch die Filetstückchen.

  • Samsung wollte im September seine Stellung im wichtigen Flash-Speichergeschäft ausbauen und Sandisk für 5,8 Milliarden Dollar übernehmen. Doch der Konkurrent zierte sich und lehnte das Gebot als unzureichend ab. Einen Monat später gaben die Koreaner auf. Sandisk sei die gebotene Summe nicht mehr wert, hieß es.

  • Im Juli hatte Brocade angekündigt, den Konkurrenten Foundry Networks für knapp drei Milliarden Dollar schlucken zu wollen. Allerdings haben die Anteilseigner von Foundry offenbar Bedenken und den Deal bis dato nicht abgesegnet. Außerdem wird inzwischen offen daran gezweifelt, dass Brocade die notwendigen Kredite für die Übernahme zusammenbekommt.

  • Im Sommer wollte France Telecom mit der Übernahme des skandinavischen Netzanbieters TeliaSonora einen großen Coup landen. Doch der auf 26,8 Milliarden Euro taxierte Deal scheiterte. Man habe sich nicht über den Preis einigen können, hieß es.

  • Monatelang wurde über einen Verkauf von Qimonda an den US-Konkurrenten Micron spekuliert. Angeblich habe es bereits hochrangige Gespräche gegeben. Doch angesichts des drohenden schlechten Weihnachtsgeschäfts sei der Deal auf Eis gelegt worden.

  • An der Finanzierung gescheitert ist die Übernahme von i2 durch JDA Software. Im August war man noch davon ausgegangen, 450 Millionen Dollar von der Credit Suisse Group und Wachovia zu erhalten. Anfang November hieß es dann, man brauche mehr Zeit, doch schlussendlich brach der ganze Finanzierungsplan in sich zusammen. Die i2-Aktionäre hatten der Übernahme zuvor bereits zugestimmt.

  • Der Plan des chinesischen Unternehmens Huawei, den US-Anbieter 3Com für 2,2 Milliarden Dollar zu schlucken, löste sich im März in heiße Luft auf. US-Behörden hatten Sicherheitsbedenken angemeldet.

  • Cadence Design Systems musste im August seine Pläne begraben, Mentor Graphics für 1,5 Milliarden Dollar zu schlucken. Man habe die Geldgeber nicht von den Synergien überzeugen können, lautete die Begründung.

  • Fünfmal hat Spielehersteller Electronic Arts sein rund zwei Milliarden Dollar schweres feindliches Übernahmeangebot an den Konkurrenten Take Two verlängert - ohne Erfolg. Im Herbst wurde der Deal abgeblasen. Die Fusion sei vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft nicht mehr zu schaffen, hieß es.

Scheiden tut weh?

Im abgelaufenen Jahr haben sich eine Reihe altgedienter IT-Recken aus dem Geschäft verabschiedet beziehungsweise ihren Rückzug angekündigt:

Mit Bill Gates hat eine Gallionsfigur der IT-Branche ihren Rücktritt angekündigt. Kaum ein anderer hat die weltweite IT-Szene über Jahrzehnte so beeinflusst aber auch gespalten wie der Microsoft-Gründer. Der Multimilliardär und aktuell zweitreichste Mensch dieses Planeten hatte am 27. Juni seinen letzten Arbeitstag in Redmond. Gates will sich künftig gemeinsam mit seiner Frau Melinda vor allem um seine Stiftungen kümmern.

Wachablösung bei SAP: Leo Apotheker wurde im April neben Henning Kagermann zum Co-Chef von SAP ernannt. Kagermann, der seit 2003 als alleiniger Vorstandssprecher die Geschicke des größten deutschen Softwarekonzerns geleitet hatte, wird SAP Ende Mai 2009 verlassen.

Im Juni trat Arun Sarin nach fünf Jahren Amtszeit als CEO von Vodafone ab. Der Manager verließ seinen Arbeitgeber zu einem Zeitpunkt, als es dem Telko-Riesen gut ging, und beherzigte damit eine alte Sportler- und Manager-Weisheit: Am besten aufhören, wenn es am schönsten ist.

Nach langen Querelen hat Wolfgang Ziebart, Vorstandschef von Infineon, die Konsequenzen gezogen und zum 1. Juni seinen Posten geräumt. Es gebe unterschiedliche Positionen über die weitere Ausrichtung des Unternehmens, hieß es. Ziebart leitete Infineon seit 2004. Sein Vertrag sollte ursprünglich bis 2009 laufen.

Angesichts schlechter Quartalsergebnisse rollten bei Alcatel Lucent Köpfe: Patricia Russo und Serge Tchuruk, die 2006 die Fusion der Netzausrüster eingefädelt hatten, mussten ihre Chefsessel räumen.

Nach dem Verkauf des Siemensanteils von FSC an Fujitsu ist FSC-Chef Bernd Bischoff zurückgetreten - aus persönlichen Gründen, wie es hieß. Angeblich vertrug er sich nicht mit Siemens-Chef Peter Löscher.

Nach dem Ärger rund um die geplatzte Übernahme von Yahoo durch Microsoft und die danach folgende wirtschaftliche Talfahrt hat Yahoo-Gründer und -lenker Jerry Yang die Konsequenzen gezogen und im November seinen Posten als CEO geräumt.

John Thompson, seit zehn Jahren CEO von Symantec, hat überraschend seinen Abschied angekündigt. Ihm werden Ambitionen auf einen Regierungsposten unter dem designierten US-Präsidenten Barak Obama nachgesagt.

Rainer Janßen, IT-Chef der Münchener Rück, hat den Titel "CIO des Jahres 2008" in der Kategorie Großunternehmen gewonnen. An dem Wettbewerb, den die Computerwoche und CIO bereits zum sechsten Mal veranstaltet hatten, haben sich über 600 CIOs und IT-Leiter beteiligt.

In der Kategorie Mittelstand beim CIO des Jahres 2008 setzte sich Bodo Deutschmann von Kögel Fahrzeugwerke durch. Ein innovatives System für die Fahrzeugortung sicherte dem IT-Leiter den Preis.

Das IT-Orakel des Jahres

Nicolas Carr hat einmal mehr die IT-Branche in Aufruhr versetzt. In seinem jüngsten Werk "The Big Switch: Rewiring the World, from Edison to Google", das Anfang 2008 vorgestellt wurde, kündigte er das baldige Ableben der internen IT-Abteilungen an. In Zukunft könne die firmeninterne IT von wenigen Personen gesteuert werden. Die IT-Versorgung würden Dienstleister mit großen Rechenzentren übernehmen, die viel wirtschaftlicher arbeiten könnten. Damit werde die IT-Abteilung überflüssig, lautet Carrs Fazit. IT-Fachleute seien ohnehin nur noch Commodity, genau wie Rechner-, Speicher- und Netzsysteme.

Die Flops des Jahres

  • Gleich zu Beginn des Jahres platzte im Pott die Bombe: Nokia gab bekannt, sein Werk in Bochum dicht zu machen und 2300 Beschäftigte sowie bis zu 1000 Leiharbeiter auf die Straße zu setzen. Die Fertigung sollte nach Rumänien, Ungarn und Finnlang verlagert werden. Der Volkszorn kochte hoch und Politiker warfen medienwirksam ihre Nokia-Handys in den Müll. Gestritten wurde über den Sozialplan und die Frage, ob die Finnen zu Unrecht Subventionen kassiert hatten. Geholfen hat das alles nichts. Das Werk wurde geschlossen, die Mitarbeiter bekamen eine Abfindung und Nokia die Quittung: Die Marktanteile des Handyherstellers in Deutschland gingen überdurchschnittlich zurück.

  • Nach 39 Jahren kam 2008 das Ende für die Systems. Die Messe München zog einen Schlussstrich unter die dienstälteste IT-Messe Deutschlands. Zur Jahrtausendwende angetreten, der CeBIT das Fürchten zu lehren, ging es seitdem kontinuierlich mit Aussteller- und Besucherzahlen bergab. Im kommenden Jahr die reine B-to-B-Veranstaltung "Discuss & Discover" die Lücke schließen. Und wieder sind die Ziele hoch gesteckt. In fünf Jahren wollen die Veranstalter 50 000 Besucher anlocken und sich langfristig in ganz Europa einen Namen machen.

  • SAP Enterprise Support: SAP hat es im vergangenen Jahr geschafft, seine Kunden gewaltig vor den Kopf zu stoßen. Nachdem zunächst im Frühjahr die Support-Gebühren für die Neukunden von 17 auf 22 Prozent angehoben wurden, kamen im Sommer die Bestandskunden an die Reihe. Doch viele SAP-Kunden wollen sich die stufenweise Erhöhung der Wartungskosten nicht gefallen lassen und gingen auf die Barrikaden. Sie kündigten an, die neuen Verträge nicht zu unterschreiben und es auf eine Konfrontation mit dem Softwareriesen ankommen zu lassen. Anfang Dezember nahm SAP in Deutschland und Österreich die Kündigung der alten Wartungsverträge zurück.

  • Traditionsanbieter Maxdata musste Ende Juni Insolvenz anmelden. Der renommierte deutsche Hardwarehersteller hatte seit Jahren rote Zahlen geschrieben. Das Unternehmen habe seit langem unter dem hohen Wettbewerbsdruck und dem massiven Preisverfall in der IT-Branche gelitten, begründeten die Verantwortlichen den Gang zum Konkursrichter.

Schwarzes Jahr für die Deutsche Telekom

2008 war kein gutes Jahr für die Deutsche Telekom. Der Konzern stolperte von einer Panne in die nächste:

  • Im Januar schrillten die Alarmglocken bei der Gewerkschaft ver.di. Die Telekom-Verantwortlichen hatten angekündigt, über 9000 verbeamtete Mitarbeiter an den Bund beziehungsweise die Länder abschieben zu wollen. Mit dem Wechsel in den Staatsdienst sollte der eigene Personaletat entlastet werden. Die Telekom will rund fünf Milliarden Euro sparen und der Steuerzahler zahlt die Zeche.

  • Im Mai kam heraus, dass die Deutsche Telekom mehr als ein Jahr lang eigene Manager, Aufsichtsräte und Journalisten bespitzelt hat, um undichte Stellen im Unternehmen aufzuspüren. Dazu seien Verbindungsdaten unter anderem von DGB-Chef Michael Sommer und ver.di-Chef Frank Bsirske ausgewertet worden. Mehr als 60 Personen seien von der Spitzelaffäre betroffen, ermittelte die Staatsanwaltschaft.

  • Im September kündigte der Konzern an, Callcenter in 39 Städten dicht zu machen. Davon sei die Hälfte der 18 000 Beschäftigten in diesem Geschäftsbereich betroffen. Der Umbau sei unsozial und unsinnig, kritisierten die Gewerkschaften - der Transformationsprozess notwendig, konterte die Unternehmensführung. Nach wochenlangen Streitereien einigte man sich auf einen Sozialplan und die Schließung von 30 Standorten.

  • Der Oktober war der schwärzeste Monat des Jahres für die Deutsche Telekom: Zuerst kam heraus, dass in den Callcentern und T-Punkten bis zu 25 000 Menschen Zugriff auf Kundeninformationen gehabt haben. Dann musste der Konzern zugeben, dass bereits im Jahr 2006 Datendiebe bei der Telekom-Tochter T-Mobile Informationen zu 17 Millionen Kunden gestohlen hatten - darunter auch sensible Daten wie Geheimnummern und Privatadressen von Politikern und Wirtschaftsbossen. Telekom-Chef Rene Obermann musste sich öffentlich für das Datenklau-Debakel entschuldigen. Mittlerweile liegt die Angelegenheit bei der Staatsanwaltschaft. Zuletzt waren die Daten von rund 30 Millionen Handy-Kunden samt Bankverbindung mit relativ einfachem Aufwand einsehbar.

  • In Folge der Datenpannen quittierte im November Deutschland-Chef Philipp Humm seinen Dienst als Sprecher der Geschäftsführung.

Verlierer des Jahres - der Datenschutz

  • Schreck in der Vorweihnachtszeit: Datenhehler haben Informationen zu Bankverbindungen von rund 21 Millionen Bundesbürgern feilgeboten. Im schlimmsten Fall könnte Geld von Girokonten abgebucht werden, ohne dass der Inhaber jemals eine Einzugsermächtigung erteilt hat. Innenminister Wolfgang Schäuble kündigte an, den Kampf gegen die Datendiebe aufzunehmen und Verstöße gegen schärfer zu ahnden. Die Opposition warf der Regierung indes vor, die notwendigen Maßnahmen versäumt zu haben. Der Winterschlaf könnte die Bundesbürger teuer zu stehen kommen, warnen sie. Dabei werden die Konten doch sowieso schon für Weihnachtsgeschenke geplündert.

  • Im Juni stellte sich heraus, dass Meldedaten von rund 500 000 Bürgern aus 15 deutschen Kommunen über Monate hinweg frei im Internet zugänglich waren. Ursache der Datenpanne: Die Verantwortlichen hatten das Standardpasswort für die Verwaltungssoftware nicht geändert.

  • Die Verbraucherschützer trauten ihren Augen nicht. Im August landete ein Datenträger mit Namen, Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Bankinformationen von 17 000 Bundesbürgern auf dem Tisch der Verbraucherschutzzentrale Schleswig-Holstein. Mit den Daten wurde offen rege gehandelt. Das Ganze sei nur die Spitze eines Eisbergs, heiß es.

  • Bundes-Trojaner: Während Innenminister Wolfgang Schäuble unter den Kollegen in den Ländern durchaus offene Ohren für seinen Bundestrojaner und die Online-Durchsuchung gefunden hat, setzte das Bundesverfassungsgericht Schnüffel-Schäuble und der Sammelleidenschaft der Behörden deutliche Grenzen. Rechner dürfen nur unter strengen Auflagen ausgespäht werden und auch für die Vorratsdatenspeicherung (VDS) gelten strenge Regeln. Zwar scheiterte das umstrittene BKA-Gesetz im Bundesrat im ersten Anlauf. Doch trotz aller Vorbehalte deutet sich ein Kompromiss an. Die Regierung will das Vorhaben noch vor Weihnachten durch alle Instanzen peitschen, damit die neuen Regeln im Januar 2009 in Kraft treten können.

  • Die US-amerikanische Heimatschutzbehörde arbeitet an immer ausgefeilteren Techniken, Flughöfe, Bahnstationen und Grenzübergänge zu kontrollieren. Überwachungssysteme sollen künftig auffällige Verhaltensweisen von Reisenden automatisch erkennen und die Polizei alarmieren. Experten gehen jedoch davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis diese Technik einsatzbereit sein wird. Bleibt nur zu hoffen, dass man selbst nicht das Opfer einer Beta-Version wird und in Guantanamo landet, nur wegen eines unbedachten Griffs in die Innentasche seiner Jacke.

  • In Europa sorgten Diskussionen um so genannte Nackt-Scanner für Empörung. Die EU-Kommission hatte Ende Oktober die neue Überwachungstechnik zugelassen, die Personen im wahrsten Sinne des Wortes bis auf die Haut durchleuchtet. Auch deutsche Behörden planen bereits erste Feldversuche mit den Ganzkörper-Scannern. Angeblich lasse sich damit die Sicherheit beispielsweise an Flughäfen verbessern. Gegner sprechen von einer stattlich verordneten, unfreiwilligen Peep-Show.

Noch mehr Verlierer

Das Jahr 2008 machte tausende zu Verlierern - nämlich diejenigen, deren Jobs von den IT-Anbietern gestrichen wurden - und das waren nicht wenige: In der Krise schielen die Verantwortlichen meist nur auf die Kosten:

  • Nur wenige Monate nach der Übernahme von EDS durch Hewlett-Packard griff der IT-Konzern zum Rotstift. Knapp 25 000 der insgesamt etwa 320 000 Beschäftigten müssen sich einen neuen Job suchen. HP will mit dem Stellenkahlschlag 1,8 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen.

  • T-Systems räumte unter den Mitarbeitern kräftig auf: Das bis 2010 angesetzte Abbauprogramm fordert bis zu 12 000 Jobs. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

  • Dem Restrukturierungsprogramm bei Siemens werden bis 2010 fast 17 000 Jobs zum Opfer fallen, verkündete CEO Peter Löscher. In Deutschland stehen dabei über 5000 Stellen auf der Streichliste. Einsparpotenzial: 1,2 Milliarden Euro.

  • Der neue Infineon-Chef Peter Bauer kehrte mit eisernem Besen: Um die Kosten jährlich um 200 Millionen Euro zu drücken, müssen 3000 der insgesamt 43 000 Mitarbeiter gehen.

  • Die defizitäre Infineon-Tochter Qimonda strich im Oktober ihre Personalliste zusammen. Die Verantwortlichen strichen 3000 der insgesamt 14 000 Stellen. Das soll die jährlichen Kosten um 450 Millionen Euro drücken.

  • Von den 17 500 Mitarbeitern der Siemens-Sparte Enterprise Communications mussten 3800 ihren Hut nehmen, davon rund 2000 in Deutschland. Außerdem planten die Münchner, sich von weiteren 3000 Beschäftigten durch Verkäufe und Partnerschaften zu trennen.

  • Im November kündigte British Telecom (BT) an, seine Personaldecke um 10 000 Stellen auszudünnen. Die meisten Jobs würden bei Agenturen und Sub-Unternehmen wegfallen, hieß es.

  • Auch der einstige PC-Primus Dell muss sparen - jährlich rund drei Milliarden Dollar. Dafür müssen 8800 Mitarbeiter gehen. Die Fertigung im heimischen Austin, Texas, wird komplett dicht gemacht.

  • Der angeschlagene Halbleiterkonzern AMD streicht massiv Stellen, um seine Kosten zu drücken. Ende April hieß es, rund zehn Prozent der weltweit 16 000 Stellen würden gestrichen. Im November legte der Hersteller in folge katastrophaler Quartalsergebnisse nach und strich weitere 500 Stellen.

  • Sun Microsystems wurde zuletzt ebenfalls arg von der Finanzkrise gebeutelt. Nach Milliardenverlusten verkündete der Server-Hersteller, zwischen 5000 und 6000 Beschäftigte vor die Tür zu setzen. Erhofftes Resultat: Einsparungen von 700 bis 800 Millionen Dollar pro Jahr.

  • Der schwedische Telekomausrüster Ericsson strich schon Anfang des Jahres 4000 seiner 74 000 Stellen. Man müsse sich auf eine Stagnation der Branche einstellen, hieß es.

  • Auch die Tochter SonyEricsson zollte der schlechten Finanzlage Tribut: 2000 der insgesamt 12 000 Arbeitsplätze fielen dem Rotstift zum Opfer.

  • Motorola verkündete im April, 2600 Stellen abzubauen. Damit erhöhte sich der Stellenkahlschlag seit Anfang 2007 auf insgesamt rund 10 000 weggefallene Jobs.

  • Auch die Internet-Companies stehen unter Druck: Ebay und Yahoo verkündeten im Oktober, jeweils zehn Prozent ihrer Beschäftigten vor die Tür zu setzen.

Prozesse des Jahres

  • Microsoft bekam im Frühjahr von der EU-Kommission ein Rekord-Bußgeld in Höhe von fast 900 Millionen Euro aufgebrummt. Der Konzern habe gegen Auflagen aus dem Kartellurteil 2004 verstoßen, lautete der Vorwurf. Da half es auch nichts, dass Konzernchef Steve Ballmer kurz zuvor Initiativen für mehr Interoperabilität angekündigt hatte. In Brüssel traut man Microsoft offenbar nicht über den Weg. Um die Strafe abzuwenden, haben die Microsoft-Vernatwortlichen das EU-Gericht Erster Instanz angerufen.

  • Oracle lässt den Erzrivalen SAP nicht vom Haken. Der US-Konzern hat die Klage gegen den deutschen Rivalen ausgeweitet und bezichtigte die SAP-Führung von den Verstößen ihrer US-Tochter TomorrowNow gewusst zu haben. Während SAP versucht, die Sache mit einem Vergleich aus der Welt zu schaffen, schlachtet Oracle das Verfahren öffentlichkeitswirksam aus.

  • Die US-amerikanische Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat im Juni ein Verfahren gegen Intel eröffnet. Der Vorwurf: Der Halbleiterriese soll PC-Händler mit unzulässigen Knebelverträgen an die eigenen Prozessoren gebunden haben. Über diese angeblichen Praktiken hatte sich Konkurrent AMD beschwert. Auch die EU-Kommission hat Intel auf die Anklagebank gesetzt. Die Anklage: Der Konzern habe versucht, den Konkurrenten AMD mit illegalen Praktiken vom Markt fern zu halten. Intel wies die Vorwürfe zurück.

  • Das Oberlandesgericht München hat Usedsoft im Sommer den Handel mit gebrauchten Online-Lizenzen von Oracle untersagt. Damit endete vorerst ein jahrelanger Rechtsstreit. Während die Softwarehersteller das Urteil schon als vernichtenden Schlag gegen den florierenden Handel mit Second-Hand-Lizenzen feiern, wollen sich die Händler sich allerdings nicht geschlagen geben. Usedsoft kündigte an, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen.

Ehen und Scheidungen

  • T-Systems trat im März mit Cognizant vor den Traualtar. Der US-amerikanische Offshore-Spezialist sei der Traumpartner, sagte Telekom-Chef Rene Obermann. Das ganze sei ein Joint-Venture ohne gesellschaftsrechtliche Verflechtungen, hieß es. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, die wilde Ehe zu einem späteren Zeitpunkt zu legitimieren.

  • Nachdem bereits monatelang darüber spekuliert worden war, verkaufte Siemens im Herbst seinem 50-Prozent-Anteil an Fujitsu-Siemens Computers (FSC) für rund 450 Millionen Euro an den japanischen Partner Fujitsu. Die Siemens-Spitze war mit der wirtschaftlichen Performance seiner PC-Tochter schon lange unzufrieden. Was die Zukunft den etwa 6000 FSC-Beschäftigen in Deutschland bringen wird, steht bis dato noch in den Sternen. Klar ist bislang nur, dass 700 Stellen gestrichen werden.