Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Schon 1989 war der Umsatz der Augsburger zurückgegangen


08.03.1991 - 

Rückgang im OEM-Geschäft läßt NCR-Umsatz erneut schrumpfen

MÜNCHEN (bk) - Von der anvisierten Umsatzmilliarde hat sich die NCR GmbH, Augsburg, im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter entfernt. Wie schon im Vorjahr ging auch 1990 der Umsatz zurück, wofür vor allem ein abnehmendes OEM-Geschäft verantwortlich gemacht wird. Dennoch ist die NCR-Führung mit dem Geschäftsjahr zufrieden: Immerhin konnte die Ertragslage leicht verbessert werden.

Im zweiten Jahr hintereinander mußte die NCR GmbH einen Umsatzrückgang hinnehmen. Obwohl Geschäftsführer Rainer Liebich für 1990 ein moderates Wachstum sowohl für den Umsatz als auch für den Gewinn anvisiert hatte, konnte er nur im letzteren Bereich das Klassenziel erreichen. Während die Augsburger den Jahresüberschuß um zwei Prozent von 24,5 auf 25 Millionen Mark steigern konnten, sanken die Einnahmen um 1,8 Prozent von 909,3 auf 893 Millionen Mark ab. Dabei fiel der Inlandsabsatz um 7,5 Prozent auf 545,9 Millionen Mark, während das Exportgeschäft um 8,7 Prozent auf 347 Millionen Mark zulegte. Schon 1989 hatte NCR einen Umsatzrückgang von 2,6 Prozent ausweisen müssen.

Der Wegfall von Nixdorf schmerzt

Daß die Einnahmen 1990 nicht den Erwartungen entsprachen, führt Liebich in erster Linie auf das geschrumpfte OEM-Geschäft zurück. Der Wegfall des Großkunden Nixdorf durch die Fusion mit Siemens-DI hat die Augsburger doch schmerzlicher getroffen, als man noch im Vorjahr glauben machen wollte. So gestand Liebich denn auch ein, daß man ohne den Rückgang im OEM-Geschäft einen Umsatzanstieg von drei Prozent hätte verbuchen können.

Nun setzt die Geschäftsleitung der deutschen NCR-Tochter alle Hoffnungen auf die neue Rechnerstrategie, mit der sich der Computerhersteller aus Dayton im Rahmen seines Konzeptes "Open Cooperative Computing" im September vergangenen Jahres mit Haut und Haaren den offenen Systemen verschrieben hat. Das "Sieben-Stufen-Konzept" soll dem Kunden einmal eine durchgängige Rechnerpalette vom 386SX-Laptop bis hin zum Parallelrechner mit einer Kapazität von 200 000 MIPS bieten. Bislang freigegeben wurden die Produkte der Leistungsstufen 3, 4 und 5 - dabei handelt es sich um Arbeitsplatz-Rechner, Deskside-Server und Multiprozessor-Systeme. In den kommenden Monaten sollen die Level 1 und 2 (Portable und Arbeitsplatz-Rechner) sowie 6 (Parallelrechner mit einer Leistung von 4000 MIPS) hinzukommen. Mit den neuen Produkten will Liebich im laufenden Geschäftsjahr bereits 20 bis 30 Prozent des Umsatzes machen, der - geht es nach dem NCR-Geschäftsführer 1991 eine zweistellige Wachstumsrate aufweisen wird. Gegen Ende des Jahres will NCR dann in den Markt der Notebooks und Notepads einsteigen.

Der Eintritt in die Großrechnerwelt mit Produkten der Leistungsstufe 6 hat zur Folge, daß in Frankfurt eine European Large Systems Division etabliert wird. Von dort aus soll die europaweite Vertriebskoordination dieser Rechner - die Produktfreigabe ist für Mai/Juni 1991 geplant - erfolgen. Vorstehen wird der Division Manfred Köhler als Assistent Vice-President. Er hatte bislang in der Augsburger Hauptverwaltung die Position des Direktor Produkt Marketing inne.

Als neuesten Stand des in den USA in aller Härte geführten Take-over-Kampfes zwischen der NCR Corp. und dem New Yorker Telefonriesen AT&T gab Liebich bekannt, daß die Muttergesellschaft als weitere Abwehrmaßnahme die Zahl der Mitglieder des Board of Directors von 16 auf 20 erhöht habe. Zudem werde zur Zeit an der US-Börse ein "friendly merger" gehandelt, was eine von NCR gewollte Übernahme durch AT&T zu einem höheren Preis bedeuten würde. Bislang allerdings hält AT&T an seiner Offerte, 90 Dollar pro Aktie zu zahlen, fest, obwohl durch den Anstieg des NCR-Aktienwertes dieses Angebot längst nicht mehr angemessen erscheint.

Bei den hiesigen Kunden vermochte Liebich angesichts des Übernahmekampfes nach eigenem Bekunden noch keine Unsicherheit festzustellen. So sei es beispielsweise bislang zu keinerlei Verzögerung im Bestellverhalten gekommen. Liebich erklärte, die meisten Kunden stünden auf dem Standpunkt, AT&T könne NCR eine größere finanzielle Sicherheit geben. Daher seien die Reaktionen eher positiv. Er selbst sehe die gesamte Angelegenheit relativ gelassen. Zwar könne man nie genau sagen, was nach einem solchen Deal geschehe - schließlich seien schon viele Fusionen gescheitert - , doch sei für ihn die Wahrscheinlichkeit groß, daß NCRs unternehmerische Freiheit bestehen bleibe. AT&T habe bislang im DV-Geschäft keine große Rolle gespielt, so daß er keine negativen Auswirkungen auf das operationale Geschehen erwarte. Auf die deutsche Tochter sehe er erst recht keine Probleme zukommen, da der New Yorker Telefonriese im internationalen Computergeschäft nicht vertreten sei.

Daß sich AT&T nach gelungener Übernahme nicht an die vorab gemachten Versprechungen halte, kann sich Liebich nicht vorstellen. Lakonischer Kommentar des GmbH-Chefs: "Ich kaufe mir keinen Mercedes, um ihn hinterher gegen die Wand zu fahren."