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05.04.1991 - 

Erneut technische Probleme mit IBM-Speichersystemen

Rückholaktion für fehlerhafte Plattensysteme 9335 gestartet

FRAMINGHAM (IDG) - Big Blue scheint mit seinen Peripheriespeichern kein Glück zu haben: Nachdem man in der Vergangenheit bei Großsystemen sowohl mit den 3380- als auch 3390-Einheiten große technische Probleme zu bewältigen hatte, zeigen jetzt auch die für den Midrangebereich gedachten 9335-Plattenspeicher mechanische Unzulänglichkeiten auf.

Die IBM mußte deshalb bereits eine nicht genau bezeichnete Anzahl von Laufwerken aus dem Verkehr ziehen beziehungsweise austauschen.

9335-Einheiten werden als externe Plattenspeicher an AS/400-Systeme angeschlossen. Das im August 1990 vorgestellte Nachfolgemodell 9336 hingegen kann auch an die IBM-Workstationfamilie RS/6000 angedockt werden.

Die mechanischen Probleme traten bei in Havant, England, zwischen Juni 1988 und März 1989 produzierten 9335-Laufwerken immer dann auf, wenn sie intensiv genutzt wurden. In diesem Fall kam es zu Vibrationen der Antriebsspindel.

Direkt beeinflußt von diesen Problemen ist auch das Nachfolgemodell 9336: Das Laufwerk kann von dem englischen Produktionswerk nach Aussagen von Marktbeobachtern nicht in ausreichender Menge produziert werden.

William Reedy, bei Big Blue Direktor für Speichersysteme, wollte sich zu den Auslieferschwierigkeiten zwar nicht äußern. Er konzedierte allerdings: "Die Kundennachfrage ist sehr, viel höher, als wir ursprünglich erwartet haben."

Auch auf die Preise für die älteren Plattenmodelle 9335 und 9332 wirken sich die Unzulänglichkeiten der 9335-Platten und die Versorgungsengpässe für 9336-Laufwerke aus: IBM scheint die Vorläufermodelle durch Discount- und Prämien-Aktionen attraktiver machen zu wollen .

Der erstmals 1986 vorgestellte 9335-Plattenspeicher hatte sich für die IBM zu einem Bestseller entwickelt: Zahlen des Marktforschungs-Unternehmens IDC sprechen von mittlerweile 200 000 installierten Systemen.

Leroy McDaniel, Manager der Reynolds Metals Corp. in Richmond, Virginia, bestätigt die technologischen Unzulänglichkeiten bei den IBM-Platten: "Wir haben bei der 9335 häufig Probleme gehabt-, aber er nimmt es gelassen, "weil IBM weiß, daß hier ein Bug ist und sie alles versuchen, durch präventive Maßnahmen gar nicht erst Schäden aufkommen zu lassen".

Pro Jahr fällt eine von zehn 9335-Einheiten aus

Von 50 bei Reynolds installierten Laufwerken mußten fünf bereits ausgetauscht werden. Aber auch in anderen Reynolds-Niederlassungen trat die Vibrationsproblematik auf.

Noch schwerer dürfte eine Untersuchung bei Anwendern wiegen, in der von der Reliability Ratings Inc. aus Needham, Massachusetts, 926 Platteneinheiten des 9335-Typs getestet wurden. Das Ergebnis war ebenso niederschmetternd wie bei Anwender McDaniel: Jede zehnte 9335-Einheit fällt pro Jahr aus. Auch andere Informanten aus der Industrie bestätigten diese Fehlerrate.

Das Test-Institut konnte noch weitere Mängel für die IBM-Plattenspeicher dokumentieren: Das MBFT-Ergebnis (Mean Time between Failure, also die durchschnittlich verstreichende Zeit, bis ein Fehler in einem System auftritt) der 9335-Disks lag laut Aussagen von Creg Strakosch, Präsident der Reliability Ratings Inc., mit 84 939 Stunden erheblich unter dem Industriedurchschnitt für 51/4 Zoll-Laufwerke, den er mit 150 000 bis 200 000 Stunden angab.

Die Meta Group Inc., ein Marktforschungs-Unternehmen aus Westport, Connecticut nimmt die Probleme bei den Big-Blue-Datenspeichern sehr ernst: Die Analysten gehen sogar so weit, ihre Kunden vor dem Kauf von 9335-Laufwerken zu warnen und ihnen zu raten, keine weiteren dieser Speicher mehr zu installieren.

"Das eigentliche Problem der IBM ist, sie haben nicht genügend Head-Disk-Einheiten zum Austausch in die 9335-Laufwerke", meint Nili Young von der Meta Group. Die 9336-Nachfolge-Modelle andererseits könne die IBM nicht in ausreichender Zahl liefern.

Zumindest gegen den ersten Vorwurf verwehrte sich IBM-Manager Reedy: Der Meta-Group-Report sei nicht korrekt, da Big Blue sehr wohl ausreichende Stückzahlen an Ersatzeinheiten für havarierte 9335-Platten zur Verfügung stellen könne.