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17.06.1994

Rueckkehr nach Deutschland mit eigener Niederlassung UB Networks: Mit neuem Profil weitere Erfolgskapitel schreiben

BERLIN (gh) - Aus alt mach neu: Ungermann-Bass, eine der im vergleichsweise jungen Networking-Business traditionsreichsten Companies, will kuenftig mit neuem Namen und neuer Corporate Strategy versuchen, an alte Erfolge anzuknuepfen. Zentrales Motto der jetzt vorgestellten Firmenphilosophie von "UB Networks" ist, wie President und CEO Roel Pieper auf der Berliner Networld+Interop ankuendigte, Offenheit gegenueber Kunden und Mitbewerbern.

So viel Ehre hatten sich die Veranstalter der Berliner Networld+Interop wohl in ihren kuehnsten Traeumen nicht ausgemalt. Immerhin hatte der seit einem dreiviertel Jahr amtierende UB-CEO Pieper fast die komplette erste Garnitur seines Management-Stabes in das Flugzeug gepackt, um auf der Deutschland- beziehungsweise Europa-Premiere des Ziff-Davis-Messe-Events seine runderneuerte Company weltweit zu praesentieren.

Bereits vor zwei Wochen hatte Pieper in einem Gespraech mit der COMPUTERWOCHE die Grundzuege der neuen UB-Strategie erlaeutert und dabei fuer das Berliner Messespektakel eine wichtige Ankuendigung versprochen (vgl. CW Nr. 22 vom 3. Juni 1994, Seite 27: "Wir haben uns vielleicht zu sehr auf SNI verlassen.")

Bei diesem Unterfangen blieb der neue UB-CEO auch nichts schuldig. "Wir hatten lange Zeit die Mentalitaet einer satten und traegen 700- Millionen-Dollar-Company; was wir aber dringender denn je benoetigen, ist die Aufbruchsstimmung einer kleinen kalifornischen Softwareschmiede", umriss Pieper den schonunglosen Befund seiner Selbstdiagnose, wobei seine Mannschaft schon seit Monaten auch mit der Therapie beschaeftigt ist. Herausgekommen ist nun neben einer entscheidenden Verringerung der Mitarbeiterzahl und einem weitgehend kompletten Management-Austausch auch eine neue Corporate Identity.

"Mit dem neuen Namen UB Networks bezeugen wir Respekt vor der Vergangenheit und zeigen gleichzeitig eine Vision fuer die Zukunft auf", nahm Pieper endgueltig Abschied von den alten Zeiten unter Firmengruender Ralph Ungermann. Nach einem von kraeftigen Verlusten gepraegten Geschaeftsjahr 1993 schreibt die Tandem-Tochter nun jedenfalls wieder, worauf das neue Management nicht ohne Stolz hinwies, kraeftig schwarze Zahlen. So wurde im zweiten Quartal 1994 mit 96,8 Millionen Dollar der in der Firmengeschichte bis dato beste Quartalsumsatz generiert, mit einem Gewinn (vor Steuern) von 2,4 Millionen Dollar.

"Wir haben das Vertrauen des Marktes zurueckgewonnen", nannte Pieper als hauptsaechlichen Grund fuer die Rueckkehr zum Erfolg - und die Tatsache, "dass der Name UB wieder fuer Loesungskompetenz steht". Entscheidend fuer den CEO war dabei die Neustrukturierung des Unternehmens in die drei selbstaendigen Divisions Produkte, Services und Anwendungen sowie die vor kurzem unter Dach und Fach gebrachten Kooperationen mit dem Chiphersteller Fujitsu und dem ATM-Spezialisten Newbridge.

Ideologisches Ruestzeug der neuen UB-Unternehmenspolitik ist, wie der Frontman der Tandem-Tochter betonte, vollkommene Offenheit dem Markt gegenueber - formuliert in einer sogenannten "Access- Anywhere"-Strategie.

"Die Networking-Branche ist momentan noch so proprietaer wie die Computerindustrie in den siebziger Jahren", gab Pieper in einer Art kritischer Nabelschau zum besten.

Kuenftig muesse man daher den Begriff der Interoperabilitaet ernst nehmen und in konkrete Loesungen umsetzen. Dabei schloss der UB-CEO auch Kooperationen oder Technologie-Abkommen mit direkten Mitbewerbern wie Synoptics nicht aus. Umgemuenzt auf eigene Vorgaben bedeutet dies, wie Pieper skizzierte, zunaechst drei zentrale Stossrichtungen: Erstens die Konzentration auf die Entwicklung intelligenter Netzloesungen und -produkte, zweitens die Vermeidung strategischer Partnerschaften, die UBs Kernkompetenzen nicht ergaenzen, sondern mit diesen konkurrieren, sowie drittens den Aufbau und Unterhalt eines globalen Support-Online-Dienstes inklusive entsprechender Infrastruktur.

Ein kuenftiges Core-Business sehen die Kalifornier vor allem auch im Bereich ATM, allerdings weniger auf der WAN-Backbone-Ebene als bei den sogenannten "Power-Usern" im LAN. "Ohne Uebertragungstechniken wie ATM werden Multimedia-Applikationen wie Imaging- oder anspruchsvolle Dokumenten-Verarbeitung im LAN nicht moeglich sein", umriss Pieper die eigene, auf den Inhouse-Bereich fokussierte ATM-Strategie. Bereits auf der Networld+Interop- Premiere vor vier Wochen in Las Vegas hatte UB seinen neuen "Access/ ATM-Geoswitch 155" vorgestellt, der als preisguenstige Ein- beziehungsweise Umstiegsloesung traditionellen LAN-Anwendern ATM-Bandbreiten schmackhaft machen soll (ausfuehrlicher Bericht in einer der naechsten Ausgaben).

Verstaerkt Appetit haben die Kalifornier offensichtlich auch wieder auf den deutschen und osteuropaeischen Markt bekommen. So ist geplant, die Praesenz in der Bundesrepublik durch Wiedereroeffnung einer eigenen Niederlassung mit Geschaeftsstellen in Frankfurt und Muenchen zu verstaerken. Beide Dependancen sollen noch im Herbst 1994 ihren Betrieb aufnehmen und auch den Sprung in einige Laender Osteuropas vorbereiten helfen.

Zugleich will UB Networks das eigene Distributionsnetz erweitern und zusaetzliche Reseller autorisieren. Siemens-Nixdorf werde, wie Pieper mit Hinweis auf aufgekommene Irritationen bei den Muenchnern ergaenzte, auch in der geaenderten Vertriebsstrategie "eine Schluesselrolle spielen".