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15.01.1982 - 

Als Nixdorf Luft bekam, ging dem MDT-Renommierpartner der Atem aus:

Ruf-Odyssee: Nach sechs Ehen bei Hermes

ESCHBORN - Durch Mißmanagement, Hard- und Software-Fehlschläge sowie eine konfuse Produktstrategie geriet die einst renommierte Ruf Computer AG schon vor Jahren unaufhaltsam ins Rutschen. Mit der Hermes Precisa GmbH wurde letzt der glücklose MDT-Anbieter zur Hermes Precisa Ruf GmbH (HPR) verschmolzen. Nachdem sich innerhalb von 24 Monaten fünf Vorstände die Türklinke in die Hand gegeben hatten, soll nun Ex-CTM-Geschäftsführer Gerhard Jörg den ramponierten Ruf des Neu-Eschborner DV-Lieferanten aufpolieren. Doch Software-Schwächen und ein schwebendes Verfahren über ein abgekupfertes Lohn-Programm könnten dem neuen HPR-Boß den erhofften Blitzstart vermasseln.

Die Ruf AG segelte nach der Übernahme durch die Hermes Precisa International S. A. bereits eineinhalb Jahre unter Schweizer Flagge, als auf der SYSTEMS '81 der "Software-Schwindel" (so die Betroffenen) um ein von der Essener Basic-EDV GmbH erstelltes Lohn-Paket aufflog.

Dem Vernehmen nach habe sich ein Kollege des Basic-EDV-Geschäftsführers Lothar Kehler am Ruf-Stand aufgehalten, wo ihm ein Prospekt des damals noch in Karlsruhe ansässigen Computer-Anbieters in die Hände fiel. In der Werbeschrift war ein Programm aufgeführt, das ihm nur allzu bekannt vorgekommen sei. Der Kehler-Freund informierte daraufhin die Basic-EDV, die unverzüglich einen Sachverständigen einschaltete. Dieser habe dann in dem von Ruf angebotenen Produkt "eindeutig die Essener Entwicklung wiedererkannt". Kehler erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen den Karlsruher MDT-Anbieter.

Die so geschilderte Handlung sei aber nach Basic-EDV-Aussagen nur der zweite Teil einer "Räuberpistole" gewesen, die sich mit ähnlichen Vorzeichen bereits auf der Hannover-Messe abgespielt habe.

Zwei von den Essenern erstellte Standard-Pakete (das gleiche Lohn- und ein Standardprogramm) wurden seinerzeit von der Hamburger Orga-Basic GmbH unter Lizenz vertrieben. Auflage seitens Basic-EDV an die Hanseaten war, die ursprünglich für MAI-Anlagen konzipierte Software nur an Endbenutzer im norddeutschen Raum zu verkaufen.

Beide Pakete seien jedoch nach Angaben von Kehler "widerrechtlich" von den Hamburgern an Ruf weiterveräußert worden. Der Deal kam ans Licht, als Ruf am Hannover-Messestand seine beiden Neuerwerbungen dem Fachpublikum präsentierte. Kehler einigte sich mit seinem norddeutschen Partner: Ruf durfte die beiden Programme nicht mehr anbieten.

Dennoch habe, so jedenfalls die Meinung von Basic-EDV, ein freier Mitarbeiter von Orga-Basic das später auf der SYSTEMS wiederentdeckte Lohn-Paket "unter der Hand" erneut an Ruf verkauft. Die Essener beschuldigen die Ruf-Verantwortlichen, insbesondere den damaligen Vorstandsvorsitzenden Girard Kemper, den widerrechtlichen Handel toleriert zu haben. Clou des Ganzen: Bei dem Lohn-Paket, so habe der Sachverständige festgestellt, seien nicht nur die gleichen Programm und Unter-Routinen verwendet, sondern auch exakt die gleichen Fehler des Originals übernommen worden. Als das Geschäft mit dem Basic-EDV-Paket in München erneut ans Licht kam, habe Ruf nach Schätzungen der Essener bereits achtzig Programme verkauft.

Der neue Ruf-Geschäftsführer Gerhard Jörg dementiert indessen den Software-Deal: "Davon weiß ich nichts." Jörg gibt indessen zu, daß es derzeit "einige Unstimmigkeiten über die Urheberrechte eines Lohn-Paketes" gegeben habe. Dies sei "eine ganz normale Angelegenheit", die auch bei anderen Herstellern vorkäme. Harte Worte kommen dagegen von Basic-EDV-Boß Kehler: "Es fehlt hier mal ein richtiges Grundsatzurteil, damit in diesem Geschäft ein paar Schweinereien aufhören."

Hickhack auf dem Rücken der Benutzer

Ein derartiges Hickhack zwischen den DV-Anbietern würde freilich kaum Aufmerksamkeit erringen, würde es nicht auf dem Rücken der Anwender ausgetragen. Bei der Vorwerk GmbH & Co. KG in Wuppertal sollte das umstrittene Lohn-Paket auf einem Ruf-2000-Rechner als Insellösung in der Personalabteilung die Lohn- und Gehaltsabrechnungen für rund 250 Mitarbeiter abwickeln. Im Ruf-Prospekt war zu lesen, so ein Vorwerk-Manager, daß es sich bei dem Programm der Karlsruher um ein Standard-Paket handele, dessen hervorstechendes Merkmal die universelle Einsatzfähigkeit sei. "Bei

dieser Formulierung habe ich einige Bedenken", stichelt ein Vorwerk-Prokurist. Das Lohn-Paket laufe nach Monaten noch immer nicht so, wie es ihm vom Hersteller versprochen worden sei. Bisher habe den Vorwerk-Leuten noch niemand helfen können, denn auch der Ruf-Händler die Wuppertaler CC Computer GmbH, wolle in ein "schwebendes Verfahren" nicht eingreifen.

Dazu CC-Geschäftsführer Hans Fuhrmann: "Ich habe als Ruf-Händler jetzt einen Riesentrouble mit meinen Kunden". Die Ruf-Broschüre enthalte Versprechungen, die in keiner Weise eingehalten werden könnten. "Kein Wunder", ärgert sich Fuhrmann, "daß die Anwender uns nun verklagen wollen." Da er die Produkte jedoch "gutgläubig" von Ruf übernommen habe, fühle er sich völlig unschuldig.

Probleme hat auch die F. C. Klein GmbH in Idar-Oberstein. Der geschäftsführende Gesellschafter Michael Klein, der sich selbst als "Ruf-Geschädigten" bezeichnet, war noch DV-Neuling, als er sich für eine Ruf 2000 entschied. Bei einer Präsentation sei ihm zuerst ein Lohn-Programm aus der Schweiz vorgestellt worden, das erst noch auf deutsche Verhältnisse umgeschrieben werden sollte. Klein bestellte daraufhin die Hardware sowie das ihm vorgestellte Standard-Paket. Prompt habe Ruf zwar die Maschine geliefert, jedoch das Software-Konzept wieder verworfen. Ein Karlsruher Softwarehaus habe dann mit der Programmierung begonnen. Zugesagte Termine, so Klein, seien jedoch auch von den Softwerkern nicht eingehalten worden. Schließlich habe man ihm ein Lohn-Paket mit einem anderen Betriebssystemlevel angeboten, das sofort neue Probleme aufwarf. Klein: "Jedesmal, wenn wir vom Lohn-Programm in die Fibu wollten, mußten wir ein neues Betriebssystem laden." Schließlich platzte den Klein-Managern der Kragen. Sie ließen die Ruf-Maschine, samt Software, wieder abholen. Nachdem sie eigenen Angaben zufolge fast ein halbes Jahr in die Anwendung investiert hatten, installierten sie im April 1982 ein MAI-System.

"Ruf-Mord" vor zehn Jahren

Ruf-Anwender fragen sich nun, wie der Wildwuchs beim einst renommierten Karlsruher Computer-Anbieter entstehen konnte. Branchenkenner datieren die ersten Anzeichen für den "Ruf-Mord" an den Anfang der siebziger Jahre zurück. Damals galt die unter Regie von Senator Dieter Heilmann agierende Ruf AG noch als wichtigster Vertriebspartner der Nixdorf AG. Der mit Abstand größte Händler der Paderborner habe seinerzeit einen größeren Umsatz als der Nixdorf-eigene Vertrieb eingefahren, wollen Ruf-Beobachter wissen. Als jedoch der heutige stellvertretende Nixdorf-Vorstandsvorsitzende Klaus Luft die Verkaufsleitung an der Pader übernahm, soll ihm sofort der Ruf-Außenumsatz ein Dorn im Auge gewesen sein. Zum damaligen Zeitpunkt durfte die Ruf AG noch nahezu alle Nixdorf-Produkte vertreiben. Der ehrgeizige Neu-Paderborner habe dann die "Ruf-Hoheit" immer mehr eingeschränkt. Obwohl die Heilmann-Verantwortlichen den noch jungen Ex-Kienzle-Programmierer nicht ganz ernst nahmen, so ein ehemaliger Ruf-Manager, wuchs dessen Einfluß. Wenn in Paderborn neue Produkte angekündigt wurden, habe er diese zunächst den eigenen Vertriebsleuten gegeben und erst erheblich später den Händlern zur Verfügung gestellt. Die Einschränkung sei im Endeffekt so weit gegangen, daß Luft die Plattenanlage 8870 - mit der den Paderbornern erst der große Durchbruch im DV-Markt gelungen sei - seinem Karlsruher Händler gänzlich vorenthalten wollte. Damit habe Direktverkäufer Luft der Ruf-Mannschaft völlig die Luft genommen. Mit den noch im Heilmann-Vertrieb verbliebenen Magnetkontencomputern sei das Karlsruher Verkaufsteam nicht mehr wettbewerbsfähig gewesen.

Flop mit DFE-Systemen

Nach diesem Schachzug der westfälischen DV-Aufsteiger folgte die Kündigung der noch bestehenden Verträge "in beiderseitigem Einvernehmen". Auf der Suche nach einem neuen Partner einigte sich Heilmann mit der DFE Elektronische Datensysteme & Co. GmbH (Bensheim bei Darmstadt) über den Vertrieb von DFE-Anlagen. Hatte man zuvor Software und Support von Nixdorf erhalten, galt es jetzt, alles selbst zu machen. Vor allem an der Software-Erstellung sollte das neue Vorhaben scheitern. Hinzu kam, daß weder die Ruf-Crew noch der neue Partner in der Lage waren, die DFE-Maschine marktgerecht als Multi-User-Anlage auszubauen. Bernd Maucher, der damals als Verkaufsdirektor den Ruf-Vertrieb leitete, machte nach eigenen Angaben "einige Dutzend Vorschläge", um das bereits angeschlagene Unternehmen wieder auf die Beine zu bekommen.

Ruf-Boß Heilmann hatte andere Vorstellungen von einem Fortbestehen seiner Gesellschaft. Er habe eine "Große Fusion" mit Hohner und Nixdorf angestrebt, erinnert sich Maucher. Zwischen Heilmann und seinem Verkaufschef kam es zum Krach. Maucher und mit ihm vier Hauptabteilungsleiter verließen das Ruf-Schiff. In Karlsruhe gründeten die Abtrünnigen eine eigene Gesellschaft. Nachdem sich der Verkauf der DFE-Anlagen als Flop herausgestellt hatte, arrangierte sich das Ruf-Team mit dem israelischen Computerbauer Elbit. Zwischenzeitlich wurden auch Pläne mit der Münchner Didas GmbH geschmiedet - und bald wieder verworfen. Didas hatte sich nach Ruf-Zusagen bereits ein größeres Lager angeschafft und mußte schließlich die entstandenen Verluste einklagen.

Produktkarre in den Graben gesetzt

Ruf hatte inzwischen den Elbit-Vertrieb aufgenommen. Doch auch die Ehe mit den Israelis währte nicht lange. Wieder einmal lag es an der Software, die nicht rechtzeitig bereitgestellt werden konnte. Die bereits gelieferten Elbit-Maschinen, erzählt ein Ex-Elbit-Manager, mußten von der tief in die roten Zahlen geratenen Ruf AG mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers gesichert werden.

Durch den Elbit-Knatsch vollends verunsichert, sprangen nun die Händler des Karlsruher Unternehmens in Scharen ab. Von einem renommierten Partner wie der Frankfurter Control Data GmbH (CDC) versprachen sich daraufhin die Ruf-Manager Aufwind. Doch habe zu diesem Zeitpunkt, konstatiert Maucher, die "Produktkarre bereits zu tief im Graben gelegen".

CDC-Maschinen zu teuer

Ende 1978 holte Heilmann den Ex-Verkaufsdirektor als Berater zurück, um die angeschlagene AG wieder auf Vordermann zu bringen. Als der Senator im März 1979 aus dem Vorstand ausschied, übernahm Maucher die Ruf-Führung. Aber auch der Neu-Vorstand bekam die Schwierigkeiten mit der Software nicht in den Griff. Ein verantwortlicher CDC-Mann meint hierzu, die Ruf-Crew habe völlig unterschätzt, was es koste, Anwendungsprogramme zu erstellen. Größtes Ruf-Problem: Die CDC-Maschinen waren auf technisch-wissenschaftliche Anwendungen ausgelegt. Benötigt wurden jedoch Standard-Pakete für den kommerziellen MDT-Markt. Mittlerweile hatten aber die Ruf-Mannen fleißig Hardware verkauft - aber kamen nun mit der Software-Lieferung immer mehr in Verzug.

Erst jetzt versuchten Maucher & Co., fertige Standard-Pakete zu kaufen. Doch es war bereits zu spät. Die Karlsruher hatten nämlich übersehen, daß die CDC-Maschinen (Cyber 18) für den MDT-Markt allein vom Preis her nicht konkurrenzfähig waren. CDC-Mitarbeiter sind indessen noch heute überzeugt, dem Ruf-Team geholfen zu haben, "wo es nur ging". Die Frankfurter, weiß ein Branchenkenner, seien froh gewesen, einen Händler gefunden zu haben, der ihr Produkt in den kommerziellen Markt einführte.

Basic-orientiert mit Pertec

Nach der gescheiterten CDC-Zusammenarbeit fand Maucher einen neuen Lieferanten im amerikanischen Computer-Bauer Pertec. Die Pertec-Maschine, später unter der Produktbezeichnung Ruf 2000 angeboten, war Basic-orientiert. Trotzdem sei die Software-Erstellung nur recht schleppend vorangegangen, so Ruf-Händler Günther Schwammborn aus Montabaur.

Als unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung mit Pertec die schweizerische Hermes Precisa International S. A. Interesse an dem Karlsruher Unternehmen bekundete, war der Lack abgeblättert. Das Maucher-Team konnte aus eigener finanzieller Substanz nicht mehr arbeiten. "Zwar wurden noch Umsätze gemacht", erklärt der neue HPR-Boß Jörg, "aber von der Ertragsseite her sei man nicht mehr in der Lage gewesen, die erforderlichen Software-Investitionen zu finanzieren." Anfang 1980 kam es zur Übernahme durch Hermes.

Maucher, der nach Aussagen von Ruf-Kennern sein Bestes gegeben hatte, galt bei den Hermes-Managern als verantwortlich für den Niedergang des Unternehmens. Sie warfen ihm insbesonders vor, er sei zu wenig entscheidungsfreudig beim Softwarekauf gewesen. Es kam erneut zum Krach: Maucher, der das eingeschlagene Konzept beibehalten wollte, biß bei den Schweizern auf Granit.

Hermes bestand darauf, die eigenen Produkte in Deutschland zu vertreiben und auch das eidgenössische Marketing-Konzept auf den hiesigen Markt zu übertragen. Als der Heilmann-Zögling das Unternehmen mit einer "fürstlichen Abfindung" (Maucher) verließ, habe kaum jemand gewußt, welche Sanierungsplane ursprünglich in der Schublade gelegen hätten.

Ruf-Händler meutern

In den Vorstandssessel hievten die Hermes-Bosse mit Girard Kemper einen Mann, der zuvor das Hermes-Werk in Brasilien geleitet hatte und der, so Ex-Ruf-Mitarbeiter, weder Ahnung von der MDT noch vom deutschen Markt gehabt hätte. Als zweiten Mann profilierten die Schweizer Karl Kunze, vorher als Ruf-Zweigstellenleiter in München tätig. Nach Meinung von Kunze-Vertrauten habe die Position in der Isar-Metropole nicht ausgereicht, das Unternehmen in seinen Fundamenten kennenzulernen. Er sei zwar ein guter Verkäufer gewesen, aber kein Manager.

Die Bemühungen der Kemper-Crew, das Hermes-Konzept durchzudrücken, stießen bei den inzwischen von Maucher zurückgewonnenen Ruf-Händlern nur auf geringe Resonanz. Vergnatzt liefen sie erneut zur Konkurrenz über. Auch ein Großteil der Zweigstellenleiter, die den hinzugekommenen Hermes-Leuten unterstellt werden sollten, warfen das Handtuch. In ihrem Fahrwasser verließen zahlreiche Verkäufer das sinkende Schiff.

Manager-Karussell gerät ins Schlingern

Aber auch die Verbindung Kunze Kemper hielt nicht länger als ein halbes Jahr. Der Ex-Zweigstellenleiter, der nach Meinung seiner Kollegen nicht mit dem Instrumentarium eines größeren Unternehmens zurechtkam, trennte sich im Dezember 1980 von seinem Karlsruher Brötchengeber. Zu diesem Zeitpunkt habe Hermes schon "Unsummen" für fehlinterpretierte und nicht erfüllte Verträge zahlen müssen. Hinzu kamen verlorene Prozesse und Vergleiche mit ehemaligen Ruf-Partnern.

André Steiner, erfolgreicher Hermes-Manager im Mutterhaus Yverdon, übernahm nach dem mißglückten Start den Vorstandsvorsitz der neuen Deutschland-Tochter. Doch bereits nach drei Monaten wechselte er zum Kugelschreiber-Fabrikanten Parker in die USA. Daraufhin rückte mit dem Zweiten bei Hermes International, Werner Wilhelm, ein Mann nach, der unter ehemaligen Ruf-Mitarbeitern als Drahtzieher des gesamten Ruf-Deals gilt. Er habe die Übernahme geleitet und das Karlsruher Personal-Karussell zum vorletzten Mal ins Schlingern gebracht. Wilhelm sollte nur den Kick-off ausführen. Neuer Mann im Ruf-Vorstand wurde Franz Förster, der als Siemens-Berater das Kunststück fertiggebracht hatte, dem Münchner Elektronik-Konzern den Vertrieb von Hermes-Schreibmaschinen anzudienen. Der Vorstandssitz, so Branchen-Beobachter, sei für Förster die Tip-Provision für das Geschäft mit den Tippgeräten gewesen. Dem Berater wurde der Hamburger Ruf-Geschäftsstellenleiter Heinz Klatt an die Hand gegeben, bei Mauchers Abgang von diesem schon etwa ein Jahr zuvor als Nachfolger ins Gespräch gebracht. Diese Konstellation hielt bis zum Eintritt von Gerhard Jörg.

Lorbeeren für neuen HPR-Boß

Die Bemühungen von Hermes und Ruf, mit der gemeinsamen GmbH wieder Computer-Lorbeeren zu erringen, stößt bei den verbliebenen Ruf-Partnern auf Skepsis. Das jetzt in Eschborn ansässige Unternehmen stehe vor einem Scherbenhaufen. Von den einst dreißig Ruf-Händlern seien lediglich dreizehn übriggeblieben. Und diese hätten derzeit massive Probleme, ihre Zusagen bei den Anwendern zu erfüllen.

Den neuen HPR-Boß Jörg schreckt das nicht. Als der einstige Nixdorf-Vertriebschef für Industrie und Handel 1975 bei CTM einstieg, habe er eigenen Angaben zufolge vor ähnlichen Bedingungen gestanden. Mit einem neuen datenbankorientierte Mehrplatzsystem, das demnächst dem deutschen Markt vorgestellt werden soll, will er den früher guten Ruf-Ruf wiederherstellen. Jörg optimistisch: "An meiner neuen Aufgabe reizt mich, unternehmerisch etwas nicht Funktionierendes wieder funktionsfähig zu machen."