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27.09.1991 - 

IDC PC-Kongreß 1991: Vobis neuer Marktführer in der MS-DOS-Klasse

Ruinöser Boom bei Billig-PCs Marktanbieter unter Druck

KÖLN (gs) - Der PC-Markt boomt: plus 29,2 Prozent im letzten Jahr, 15 Prozent im laufenden. Von den etablierten Herstellern allerdings hat kaum einer etwas davon. Im Gegenteil. Die Musik spielt nur am unteren Ende des Marktes. Für die meist teuer kalkulierenden Markenanbieter sind erodierende Marktanteile und existenzbedrohende Gewinneinbrüche die Folge.

Die Zahlen, die von der deutschen Niederlassung der International Data Corp. (IDC) Ende September in Köln präsentiert wurden, signalisieren unruhige Zeiten auf dem PC-Markt. Erstmals war 1990 der "semiprofessionelle" Bereich (Heim und Hobby) mit einem Anteil von 45 Prozent (1989: 34 Prozent) größer als der geschäftlich-professionelle, der nur auf 42 (52) Prozent kam.

Der Boom ist das Ergebnis eines gnadenlosen Preiskampfes, der Anbieter und Händler zunehmend in Bedrängnis bringt. Mit einem Plus von 22,3 Prozent stiegen die Einnahmen im vergangenen Jahr längst nicht in dem Maß wie die Stückzahlen. Gerhard Jörg, Geschäftsführer der deutschen Apple-Tochter: "Die Margen betragen zum Teil nur noch 10 bis 15 Prozent. "

Die Folge ist eine tiefgreifende Veränderung des Marktes. Manfred Frey, Geschäftsführer der IDC Deutschland: "Wir sind in einem Massenmarkt gelandet. Wir sind nicht mehr in einem Investitionsgütermarkt, wie viele von uns noch denken." IDC-Direktor Tom Tiefenbrunner ergänzt: "PCs werden nicht mehr an die RZ-Leiter verkauft, sondern an die Budgetverantwortlichen in den Fachabteilungen. Das hat Auswirkungen auf die Vertriebswege."

Symbolträchtiger Ausdruck des Umbruchs: IBM wurde als Marktführer in der MS-DOS-Klasse entthront. Neuer PC-Primus ist die Ladenkette Vobis mit ihren preisgünstigen PC-Clones "Highscreen". 350 Anbieter tummeln sich derzeit auf dem PC-Markt, die meisten davon wie Vobis "Boxenschieber", die MS-DOS-PCs aus fernöstlichen Standardbauteilen zusammenschrauben. Die IDC-Analysten erwarten, daß viele angesichts des weiter steigenden Konkurrenzdrucks schon bald in die Knie gehen werden, spätestens dann, wenn der momentane Boom abflaut.

Das dynamischste Marktsegment ist laut IDC gegenwärtig das der "mobilen Systeme" - Portables, Laptops, Notebook-PC - mit einem Wachstum von 61 Prozent im vergangenen Jahr. An die zwei Drittel davon entfielen auf Laptops. Noch stellen die Tragbaren bei einem Marktanteil von zusammen 7,7 Prozent (Wert: 12,5 Prozent) keine Gefahr für die Schreibtisch- und Tower-Geräte dar. Das könnte sich jedoch bald ändern. Tiefenbrunner erwartet bei den mobilen eine ganz ähnliche Entwicklung wie bei den "großen" PCs - Marktfragmentierung, Preiskrieg, steigende Nachfrage. Vor allem Notebook-PCs dürften gewaltig zulegen.

Bei den Prozessoren dominieren mit 64 Prozent Marktanteil nach wie vor die Intel-CPUs unangefochten. Der Absatz von Rechnern auf Motorola-Basis (Macintosh, Atari ST, Amiga) stieg gegenüber 1989 um 30 Prozent, vor allem als Folge der Apple-Preisoffensive - angesichts der ebenso starken Marktentwicklung bei den DOS-PCs reichte das indes gerade zur Bestandssicherung: Der Anteil der Motorola-Systeme stieg um einen halben Prozentpunkt auf 21 Prozent.

15 Prozent des Marktes entfallen noch immer auf 8-Bit-Rechner, vor allem auf Commodores C64, der aufgrund der starken Nachfrage aus den neuen Bundesländern derzeit einen - voraussichtlich kurzen - zweiten Frühling erlebt.

Der Standard-Homecomputer des Jahres 1990 war ein "aufgebohrter" AT: 30 Prozent aller PCs basierten auf Intels 80286. Die Nachfolge des alten AT-Prozessors dürfte schon bald der 80386SX antreten, dessen Marktanteil im vergangenen Jahr von drei auf 18 Prozent hochschnellte.

"Alles noch immer viel zu teuer ... "

An diesen Marktverhältnissen wird sich nach Einschätzung der IDC vorerst wenig ändern. Bei weiter anhaltendem Preisverfall sieht sie Wachstumschancen nur noch für die Billiganbieter. Die Etablierten hingegen werden Marktanteile verlieren: Deren Hauptkunden, soweit sie nicht zur Billigkonkurrenz abwandern, halten sich mit Neuanschaffungen merklich zurück. Geplagt von Rezessionsängsten und verunsichert von einer zunehmenden Prozessorenvielfalt sowie einer heillosen Konfusion bei der Systemsoftware (DOS Windows, OS/2, Windows NT, ungezählte Unix-Varianten), schieben sie Investitionen erst einmal auf. Der rapide Preisverfall läßt sie eher ein paar Monate mehr als weniger warten.

Tiefenbrunner warnt: "Für Hersteller mit einem ungünstigen Preis-Leistungs-Verhältnis könnten daraus deutliche Absatzprobleme resultieren." Entscheidend werde sein, ob ein Hersteller überzeugende Zusatzleistungen - Services, Beratung, Gratis-SW - anbieten und deren Nutzen dem Kunden nahebringen kann.

Einen allerdings bekümmern diese Aussichten absolut nicht. Für Winfried Hoffmann, Geschäftsführer und Mitgründer der Aquarius Systems International GmbH, ist "alles noch immer viel zu teuer" - verglichen etwa mit einer Waschmaschine, die technisch immerhin aufwendiger sei als ein heutiger Standard-PC. Die hohen Preise hätten bisher nur die fetten Ausgaben der Hersteller finanziert. Die großen Entwicklungsteams, mit denen sie shre Preise gewöhnlich rechtfertigten, existierten überhaupt nicht: "Wir sind doch alle nur noch 'Cloner', die ihre Boxen nach dem selben Schema zusammenschrauben."