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16.02.1996 - 

Viag Interkom soll ausschliesslich Geschaeftskunden bedienen

RWE, Viag und BT schmieden Dreier-Allianz gegen Telekom

Der Vorstandsvorsitzende der Muenchner Viag AG, Georg Obermeier, machte bei der eilig anberaumten gemeinsamen Pressekonferenz der drei Unternehmen seinem Ruf, ein Freund offener und klarer Worte zu sein, wieder einmal alle Ehre: Nach den sich jetzt abzeichnenden regulatorischen Rahmenbedingungen muesse man, so der Viag-Chef, von der Tatsache ausgehen, dass "die Telekom auch nach dem 1. Januar 1998 noch auf laengere Zeit eine uebermaechtige Position im deutschen Markt einnehmen wird". Im Umkehrschluss bedeute dies, dass den neuen Anbietern zunaechst ein "deutlich kleineres Stueck des Kuchens" zur Verfuegung stehen wird, begruendete Obermeier den vor kurzem noch undenkbaren Schulterschluss mit dem Essener RWE-Konzern.

Obwohl der Deal fuer Insider laengst nicht mehr ueberraschend war, ist er in seiner Tragweite fuer den deutschen Telecom-Markt noch gar nicht absehbar. Die beiden Stromgiganten hatten bekanntlich bis vor einigen Monaten in Sachen Telecom-Business voellig getrennte Strategien verfolgt. Erste Annaeherungen beziehungsweise konkrete Gespraeche gab es erst nach dem Ausstieg der Essener aus dem gemeinsam mit Mannesmann und Deutscher Bank gegruendeten Netzbetreiber CNI, bei dem sich nun allem Anschein nach der US-Branchenprimus AT&T gross einkaufen wird.

Nach Ansicht der meisten Experten steht jedenfalls fest, dass die Gruppe Viag/BT im Verbund mit RWE deutlich an Schlagkraft hinzugewonnen hat. In konkreten Zahlen ausgedrueckt bedeutet dies unter anderem: rund 8000 Kilometer an Glasfaser mit einer bundesweiten Flaechendeckung von knapp 70 Prozent, 1700 Kilometer an Richtfunkstrecken, vier Milliarden Mark, die bis zum Jahr 2000 investiert werden sollen sowie - als derzeit aeusserst populaerer Nebeneffekt - die Schaffung 5000 neuer Arbeitsplaetze.

Um dies zu realisieren, haben sich RWE, Viag und BT in einem sogenannten Letter of Intent auf die Gruendung eines Konsortiums verstaendigt. In der neuen Dreier-Allianz, deren Details erst im Fruehjahr vertraglich geregelt werden sollen, wird jedem der Partner ein spezieller Verantwortungsbereich uebertragen. So ist vorgesehen, dass RWE im Rahmen einer neuen, schon gegruendeten Gesellschaft namens "RWE Telekommunikation" das Massengeschaeft mit Telefondiensten fuer das Kleingewerbe und die privaten Haushalte bedient. Das vor rund einem Jahr von Viag und BT etablierte Joint-venture "Viag Interkom" wird sich im Gegenzug auf den Vertrieb von Corporate Network-Services und Datendiensten (Frame Relay und X.25) fuer Firmenkunden beschraenken. Beide Vermarktungsgesellschaften sollen durch gegenseitige Beteiligungen sowie einen entsprechenden BT-Anteil miteinander verflochten werden.

Als technische Basis der beiden Vertriebstoechter fungiert kuenftig eine Vermittlungsgesellschaft, die fuer das Operating der Netze verantwortlich zeichnet, sowie eine Infrastruktur-Gesellschaft, in die das gesamte Leitungsvolumen von RWE, Viag sowie diversen, durch Partnerschaften assoziierte regionale Energieversorger, koordiniert und spaeter auch Dritten angeboten werden soll. Sowohl die Vermittlungs- als auch die Infrastrukturgesellschaft wird gemeinsam von allen drei Partnern getragen. Gleiches gilt fuer eine noch einzurichtende Holding, die als oberstes Fuehrungsgremium fuer das strategische Management der Allianz zustaendig sein wird. BT soll darueber hinaus, wie es in Bonn hiess, nach Moeglichkeit auf allen Ebenen die "technischen Standards vorgeben".

Heftig spekuliert wird indes nach wie vor ueber die offene Beteiligung an der Bahn-Telecom-Tochter DB-Kom. Sowohl Viag als auch Thyssen Telecom haetten momentan in dem noch laufenden Ausschreibungsverfahren die besten Karten, wollen Insider seit laengerem wissen. Man sei grundsaetzlich "offen fuer weitere Partner", erklaerten hierzu unisono der Viag-Chef und sein Pendant auf RWE-Seite, Dietmar Kuhnt. Dass man am Netz und insbesondere an den Wegerechten der Eisenbahner mehr denn je interessiert ist, wollte Obermeier denn auch gar nicht leugnen: "Wir koennten uns hier eine Menge an Synergieffekten vorstellen."