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03.11.1989

RZ-Automatisierung des BS2000-DV-BetriebsOrganisation und Abwicklung wie in der industriellen Fertigung

Bei der Planung und Steuerung von Verfahrensabläufen und bei der Optimierung der Ressourcennutzung treten im DV-Betrieb ähnliche Probleme auf wie im modernen Fertigungsbetrieb. In beiden Bereichen sind gleiche oder ähnliche Zielvorgaben zu erreichen.

Als wichtigste Optimierungsziele sind hier zu nennen: Die Automatisierung der Ablaufe und der Steuerungsmaßnahmen, Strategien zur wirtschaftlichen Nutzung der Betriebsmittel und eine einfache, leicht erlern- und bedienbare Oberfläche für die notwendigen Überwachungs- und Steuerungsmaßnahmen durch den Menschen. Es liegt nahe, im Fertigungsbereich bewährte Methoden anzuwenden. Die Siemens-Verfahren der BS2000- Rechenzentrumsautomation lehnen sich an der artige Konzepte an.

Leitrechnerkonzept für Mehrrechnerbetrieb

Der Leitrechner ist die zentrale Überwachungs- und Steuerungsinstanz in einer BS2000 Mehrrechner-Konfiguration. Seine Aufgabe besteht in der Sammlung der in den verschiedenen Rechnern anfallenden Daten, die den Ablauf der Verfahren, die Auslastung der Betriebsmittel und eventuelle Störungen betreffen. Im Leitrechner werden die Informationen ausgewertet und die notwendigen Maßnahmen in Form von Aufträgen oder Kommandos an die überwachten, dezentralen S2000 Rechner übermittelt und dort ausgeführt. Neben der Funktion als Leitrechner hat der zentrale Rechner auch normale Verarbeitungsaufgaben.

Ähnlich wie bei einer Fertigungsanlage gibt es auch am BS2000 Leitrechner einen Leitstand für die Bedienung der gesamten Mehrrechner-Konfiguration. Die Einzelrechner benötigen also keine eigene Operatorkonsole. Das Operating für alle Rechner, die im Verbund mit dem Leitrechner stehen, wird von sogenannten Funktions-Bedienplätzen betrieben.

Ein solcher Platz ist einem bestimmten Anwendungsgebiet zugeordnet, zum Beispiel der Druckerbedienung der Netzadministration oder dem Band-Platte-Operating. Die Aufgabe der Kopplung der Verarbeitungsrechner mit dem Leitrechner und die Datensammlung und -verteilung übernimmt das BS2000-Softwareprodukt "Omnis".

Neben der funktionsorientierten Bedienung ist für eine Vereinfachung des Operatings eine Reduktion des Meldungsaufkommens an der Konsole auf das unbedingt Notwendige erforderlich. Hierfür sind im BS2000 Filterfunktionen vorhanden, die Meldungen unterdrücken, die vom Operateur ignoriert werden. Für Revisionszwecke werden alle unterdrückten Meldungen protokolliert.

Ein wesentliches Ziel der RZ-Automation ist die wirtschaftliche Nutzung der Peripherie. Erreicht wird dieses im Rahmen des BS2000-Leitrechnerkonzepts über die Einführung von Gerätepools. Es werden dabei Gruppen von Geräten zu Gerätepools zusammengefaßt, die von einer zentralen Instanz im Leitrechner verwaltet werden. Der Leitrechner sammelt die Geräteanforderungen aller

Partnerrechner und vergibt die temporären Nutzungsrechte für Geräte aus dem Pool an die Partnerrechner. Die Vergabe geschieht nach Gesichtspunkten der optimierten Gerätenutzung.

Es gibt derzeit im BS2000 Automationstools für die Nutzung der Drucker und der Bandgeräte. Die Druckerbedienung wird vom Printer Pool Manager PPM in Zusammenarbeit mit dem "Spool"-System durch geführt. Der Printer Pool Manager sammelt die Daten zu Druckaufträgen aller beteiligten Rechner und wertet sie zentral aus. Er faßt dabei Druckaufträge zu sogenannten Druckgruppen zusammen. Druckgruppen sind Druckaufträge mit gemeinsamen Attributen, zum Beispiel gleicher Druckertyp und gleiches Formular. Diese Druckgruppen sind die Verwaltungseinheiten des Printer Pool Managers. Alle Druckaufträge einer Druckgruppe können auf einem Drucker gedruckt werden, ohne daß eine Umrüstung erforderlich ist.

Der Printer Pool Manager überwacht die bei jedem Rechner anstehenden Druckaufträge Abhängig von der Anzahl der wartenden Druckaufträge oder gesteuert von bestimmten Zeitvorgaben werden die Drucker den Rechnern zugeschaltet, die dann für eine gewisse Zeit ihre Druckaufträge ausführen.

Pool Manager für Druckerstraßen

Mit dem Printer Pool Manager IPM lassen sich Druckerstraßen einrichten, die durch organisatorische Zusammenfassung des Druckbetriebs den Ablauf der Druckvorgänge und die Handhabung der Druckergebnisse verbessern. Mittels Glasfaser-Übertragung lassen sich solche Druckerstraßen auch abgesetzt vom sonstigen RZ-Betrieb installieren.

Für den Zugriff auf Bandgeräte übernimmt der Tape Pool Manager die Koordinierung und Kontrolle. Er dient damit der besseren Auslastung der Bandgeräte und gewährleistet einen sicheren Betrieb von Bandgeräten in Mehranlagen-Konfigurationen, wo von verschiedenen Anlagen auf ein Bandgerät zugegriffen werden kann. Mögliche Probleme bei der Vergabe der Nutzungsrechte für solche Bandgeräte durch den Operator werden damit vermieden.

In den Bereichen Planung und Abwicklung der DV-Produktion gibt es wichtige Anforderungen für die Automation. Die Komplexität dieser Aufgaben erfordert eine klare Strukturierung der Aufträge und große Transparenz bei der Abarbeitung. Bei der Ablaufplanung muß es möglich sein, die Abhängigkeiten der Aufträge und der einzelnen Jobs und Jobsteps voneinander festzulegen. Die Jobs müssen automatisch zu festgelegten Zeitpunkten oder beim Eintreffen bestimmter Ereignisse gestartet werden. Der Ablauf muß überwacht werden können.

Die im BS2000 vorhandenen Produkte zur Automation der Auftragsverwaltung und Abwicklung ermöglichen eine einfache Beschreibung der Aufträge und ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten und die Festlegung der Starttermine der Aufträge. Dies wird erreicht über die Definition sogenannter Jobnetze und mittels programmierter Kalenderfunktionen.

Das Auftragsverwaltungssystem arbeitet mit der Verwaltung der Datenträger zusammen. Damit können die Aktionen der Arbeitsvorbereitung bezüglich der Datenträger automatisiert werden.

Mit den im BS2000 verfügbaren Mitteln lassen sich Anlagen ohne lokale Bedienung betreiben. Voraussetzung ist eine Konfiguration, die im Normalbetrieb keine manuellen Eingriffe erfordert, insbesondere ohne Bandgeräte und ohne lokal betriebene Drucker auskommt. Das Hochfahren der Anlagen kann durch Ferneinschaltung oder zeitgesteuert geschehen. Die notwendigen Steuermaßnahmen werden, soweit möglich, lokal von den Automationstools veranlaßt, die Überwachung der Anlage erfolgt von einem entfernten Leitstand durch einen Operator.

In einem Rechenzentrum mit mehreren Anlagen soll beim Ausfall eines Rechners ein anderer Rechner dessen Aufgaben übernehmen. Die Unterbrechungszeiten für die Anwender sollen dabei möglichst kurz sein. Für kommerzielle Anwendungen, zum Beispiel Fertigungssteuerungen oder Online-Terminal-Anwendungen, liegen die tolerierbaren Unterbrechungszeiten bei einigen wenigen Minuten.

Verfügbarkeit über Standby-Rechner-Konzept

Systemverfügbarkeiten dieser Größenordnung werden über ein Standby-Rechner-Konzept erreicht, bei dem sich zwei Rechner gegenseitig auf Funktionsfähigkeit durch eine Lebendkontrolle überwachen. Beim Ausfall eines Rechners werden dessen zeitkritische Anwendungen auf dem lebenden Rechner neu gestartet. Die notwendigen Betriebsmittel werden vom ausgefallenen Rechner weg- und dem Standby-Rechner zugeschaltet. Das gilt insbesondere für Platten mit den Daten der Anwendungen und für die Terminalperipherie, die mit dem neuen Rechner konnektiert wird.

Für die Aufgaben eines Leitstandes sind die modernen grafischen Bedienoberflächen besonders geeignet. Bildliche Darstellungen, zum Beispiel von Anlagenkonfigurationen, sind besonders übersichtlich und ermöglichen schnelle Informationen über den aktuellen Zustand der Rechner, der Geräte und deren Verbindungen. Aktionen auf bestimmte Objekte werden aus Menüs durch Anklicken mit der Maus ausgewählt. Text muß kaum mehr eingetippt werden,

die herkömmlichen Kommandos gibt es nicht mehr. Eingabefehler sind damit praktisch aus geschlossen. Das aufwendige Erlernen einer Kommandosprache entfällt. In Form von übersichtlichen Diagrammen werden Statusinformationen ausgegeben.

Mit dem Softwareprodukt IGS, der sogenannten Interaktiven Grafischen Systembedienung, wird ein grafischer Arbeitsplatz für die BS200 SPOOL-Bedienung angeboten. IGS ist auf einem SINIX-Rechner als Bedienvorrechner des BS2000 realisiert. Insbesondere für den Betrieb der vorher erwähnten Druckerstraßen ist die IGS-Bedienoberfläche besonders geeignet.

Die vorgestellten Methoden und Programme zur Automation des Rechenzentrums leisten mit dem heute erreichten Stand einen wesentlichen

Beitrag zum wirtschaftlichen BS2000-DV-Betrieb. Trotzdem bleibt ein erheblicher Bedarf an weiteren Maßnahmen zur DV-Automation. Das Ziel ist ein integriertes System für den DV-Betrieb.

Die Zusammenarbeit der wesentlichen Funktionskomplexe des DV-Betriebs, Auftragsdisposition und -durchführung, Produkt-Integration und Controlling soll erreicht werden mittels einer zentralen umfassenden

DV-Informationsbasis.

Entsprechende Konzepte sind, gemeinsam mit dem Siemens Informationstechnik-Anwenderverein e. V. (SAVE), erarbeitet worden. Mit der Umsetzung der Konzepte in konkrete Produkte wurde begonnen.

Eberhard Exner ist Mitarbeiter des Siemens-Unternehmensbereichs Kommunikations- und Datentechnik.