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12.08.1988 - 

Steuerungssysteme ersetzen zunehmend das Consol-Operating, aber:

RZ-Automatisierung fordert die ständige Einsatzbereitschaft *Wolfgang Köhnk ist Geschäftsführer bei der Elektronische Bausteine GmbH (EBG), Düsseldorf.

Hoher Personaleinsatz war das Merkmal des Rechenzentrums klassischer Prägung. Das Operating wurde von den Anforderungen der Benutzer überschwemmt. Viele Unternehmen stehen jetzt vor der Entscheidung, ihr Rechenzentrum zu automatisieren. Wolfgang Köhnk* beschreibt, wie die Betriebssicherheit in einem RZ mit Rund-um-die-Uhr-Betrieb gewährleistet werden kann.

In den letzten Jahren wurden in den Rechenzentren zunehmend Batch-orientierte durch Online-Programme ersetzt. Dabei litt die Performance, so daß die Zeit, während der tagsüber die Online-Programme liefen, von Batch-Verarbeitungen freigehalten werden mußten. Batch-Läufe, Datensicherungen, Reorganisationen, Druckausgaben etc. wurden in die Nacht verlegt. Damit war vorgegeben, daß in einem RZ mindestens zweischichtig gearbeitet werden mußte.

Doch aufgrund der ständig steigenden Anforderungen an die Datenverarbeitung reichte häufig auch der zweischichtige RZ-Betrieb nicht aus, um alle an ihn gestellten Aufgaben zu erfüllen. Die Einführung einer dritten Schicht war die unausweichliche Folge.

Um die Kapazitäten der teuren Installationen noch besser zu nutzen, wurden vielfach auch die Wochenenden zur RZ-Produktion herangezogen, so daß heute in vielen Rechenzentren dreischichtig an sieben Tagen in der Woche gearbeitet wird.

Dieser Schichtbetrieb und die mit ihm einhergehenden Personalkosten wurden schnell zu einem Kostenblock, der unaufhaltsam in einer Geschwindigkeit stieg, die den Verantwortlichen zunehmend Kopfzerbrechen verursachte. Es war aber nicht nur die Kostenfrage, sondern eine Vielzahl weiterer Gründe, die RZ-Leiter nach einer Möglichkeit zur Rationalisierung suchen ließen.

Trotz der in der Regel guten Bezahlung - wie man beim Lesen der einschlägigen Stellenanzeigen feststellen kann - besteht eine Nachfrage nach Mitarbeitern für das Operating, die vom Angebot nicht befriedigt wird. Dieses können viele DV-Leiter bestätigen.

Selbst wenn es einem Unternehmen gelingt, Operatoren in genügender Anzahl zu finden und auch zu halten, wird damit jedoch nicht verhindert, daß es aufgrund menschlicher Fehler dann und wann zu Fehlproduktionen kommt. Diese können das System über Stunden hinweg belasten und bringen dennoch kein nutzbares Resultat, da möglicherweise nur ein um einen Tag falsches Datum eingegeben worden war.

Das gleiche passiert immer wieder auch im Bereich des Druckens. Viele tausende Seiten von Druck-Output, die einen Drucker möglicherweise über Stunden hinweg belegt haben, müssen aufgrund von kleinen Eingabefehlern beim Start des Jobs vernichtet werden.

Es ist heute der Wunsch jeder Unternehmensleitung, sowohl die Nutzbarkeit wie auch die Verfügbarkeit der Datenverarbeitung als dem zentralen Informationssystem des Unternehmens zu erhöhen.

Um die Informationstechnik immer stärker in immer mehr Bereichen des Unternehmens zu nutzen, werden laufend neue Anwendungen eingeführt. Diese können sowohl auf dem Host wie auch auf verteilten Rechnern, die auf Daten des Hosts zugreifen oder ihm Daten zur Verfügung stellen, laufen.

Damit erhöhen sich die Anforderungen an das Operating ständig. Es wird heute mit gleichzeitigen Ereignissen von Hunderten von Benutzern geradezu überschwemmt. Für einen einzelnen Mitarbeiter ist es unmöglich, alle Meldungen, Antworten und Verknüpfungen zwischen Systemsoftware und Hardware zu überwachen.

Aber während System- und Anwendungsprogrammierer von Jahr zu Jahr spezialisierter werden, um den Überblick über ihr Fachgebiet zu behalten, wird vom Operator erwartet, daß er jede Situation meistern kann. Das Ergebnis ist unvermeidlich. Mit jeder neuen, schnelleren Hardwaregeneration verliert der Operator mehr an Überblick.

Aus dieser Entwicklung heraus stellt sich die Anforderung, das Rechenzentrum zu automatisieren. Zunächst bieten sich in einem Rechenzentrum hierfür die Tätigkeiten an, die nur auf Ereignisse reagieren.

Die Routinehandlungen sollen automatisiert werden

Es gilt, manuelle Tätigkeiten zu minimieren, um so - bei gleicher Nutzung der DV rund um die Uhr - das Operating von drei auf zwei und möglicherweise später auf eine Schicht zu reduzieren. Hierbei sind generell zwei Bereiche im Operating zu unterscheiden.

Im Hardware-Operating fallen im wesentlichen die Bedienung von Bändern zur Datensicherung und zur Bandverarbeitung sowie die Bedienung der Drucker an.

Die Datensicherung läßt sich durch die Verwendung von Kassetten-Anlagen mit automatischen Ladevorrichtungen vereinfachen. Um die Anzahl der bedienerlos zu erreichenden Kassetten zu erhöhen, werden in einigen Rechenzentren bereits Roboter eingesetzt.

Auch wenn keine Kassetten-Anlagen vorhanden sind, kann die nächtliche Datensicherung bedienerlos durchgeführt werden, indem von einer Platte auf eine andere gesichert wird. Die kopierten Daten können dann in der besetzten Zeit während des Tages von der Platte auf Bänder abgezogen werden.

Systemdrucker werden von der Bildfläche verschwinden

Die häufig noch anfallende Bandverarbeitung in überalterten Programmen läßt sich durch Umstellen der Jobs beziehungsweise der Programme eliminieren. Sie stammt meist noch aus Zeiten, in denen Speichermedien teuer und verglichen damit die Kosten für das Operating erheblich niedriger als heute waren.

Um das Operating von der Bedienung der Drucker zu entlasten, ist es sinnvoll den Druck-Output zu dezentralisieren. Hierfür bieten sich heute Laserdrucker an, die bereits mit Hostanschluß ab 10 000 Mark zu kaufen sind. Heutige Laserdrucker können weitestgehend neben dem Text auch das jeweilige Formular mitdrucken, so daß bei entsprechender Organisation kein Papierwechsel mehr notwendig ist. Unternehmen, die dieses Konzept konsequent verfolgt haben, arbeiten heute in ihren Rechenzentren bereits ganz ohne Systemdrucker.

Bei der Verlagerung des Druckens an den Ort, wo die Druckausgaben auch wirklich benötigt werden, ist darauf zu achten, daß Druckjobs angefordert werden müssen. Dabei zeigt sich häufig, daß Listen, die früher zentral zu festgelegten Terminen erzeugt und einer Abteilung zur Verfügung gestellt wurden, gar nicht mehr abgerufen werden.

Beim Consol-Operating gilt es die manuellen Eingriffe zu automatisieren, ohne durch einen starren Automatismus die Flexibilität von Operatoren einzubüßen. Die Automatisierung kann unter Verwendung geeigneter Systeme nur durch das Operating erfolgen. Nur bei diesen Mitarbeitern ist das Wissen über ständig wiederkehrende und erst recht über selten laufende Jobs, deren Abhängigkeiten und mögliche Fehlerbehebungen vorhanden.

Da sich die einzelnen Rechenzentren sehr stark durch die Organisationsform, die verwendete System- und Anwendungssoftware unterscheiden, fällt im Zuge der RZ-Automatisierung den Mitarbeitern des Operatings die zentrale Rolle zu. Sie haben die Gelegenheit, mit ihrem Wissen alle Reaktionen des RZ-Steuerungssystems vorzugeben und damit ihre Tätigkeit, die vornehmlich aus Reaktion bestand, zur Aktion zu machen. Dieses beinhaltet auch die Festlegung der Ereignisse und der dazugehörigen Rahmenbedingungen. Dabei sollte nicht automatisch reagiert, sondern abhängig vom Fehler die RZ-Steuerer informiert werden, um manuell einzugreifen.

PC-Technik steuert und überwacht Mainframe-Anlagen

Ein modernes System zur RZ-Steuerung muß in der Zeit, in der bedienerlos gefahren wird, in der Lage sein, abhängig vom aufgetretenen Ereignis und den jeweiligen Rahmenbedingungen, über Telefon den oder die zur Lösung in Frage kommenden Mitarbeiter anzurufen. Dieser kann sich von zuhause aus mit seinem tragbaren PC und Akustikkoppler oder Modem in den Host einwählen und den aufgetretenen Fehler beheben. Um auch bei einem Ausfall des Hosts die Informationen nach draußen geben zu können, muß das System zur RZ-Steuerung außerhalb des zu überwachenden Rechners laufen. Hierfür bieten sich heute aufgrund ihrer hohen Leistungsfähigkeit PCs an.

Aus dem Operator klassischer Prägung wird der RZ-Automatisierungsexperte. Er plant und organisiert Abläufe. Wenn diese festgelegt sind, werden sie auf das RZ-Steuerungssystem übertragen, das von da an das Überwachen und Beantworten von Konsolmeldungen übernimmt. Ein Rechner, dessen Wissens- und Erfahrungsbasis ständig erweitert wird, steuert den Host.

Wegfall der Schichtarbeit macht Heimarbeit möglich

Im Rechenzentrum der Zukunft gibt es kein Consol-Operating mehr. Ein oder mehrere PCs mit 80386-Prozessor, die unter dem Multitasking-Betriebssystem OS/2 laufen, steuern und überwachen die Großrechner. Sie sind über die universellste Schnittstelle, die es bei jedem Rechner für die Interaktion gibt, nämlich den Bildschirmanschluß (beispielsweise Koax) angeschlossen.

Das klassische Operating existiert nicht mehr. Die Experten für Planung, Ablaufsteuerung und Automatisierung sind damit beschäftigt, die Steuerungssysteme zu optimieren. Sie werten Performance- und Fehlerprotokolle aus und arbeiten daran, die Kapazitäten der Rechner möglichst 24 Stunden täglich gleichmäßig auszunutzen.

Diese Arbeit erfordert keinen Schichtdienst mehr. Sie kann im Rahmen bereits heute existierender Betriebsvereinbarungen auch von zuhause ausgeübt werden. Mögliche Formen dabei sind aktive Arbeit und Bereitschaftsdienst. Da heute Modems, die für die Bildschirmarbeit ausreichende Geschwindigkeiten zulassen, bereits zu recht günstigen Bedingungen zu mieten oder zu kaufen sind, können Spezialisten häufig ungestörter als im RZ von ihrer Wohnung aus arbeiten.

Für den Bereitschaftsdienst, der vergütet wird, müssen die Mitarbeiter nicht zuhause bleiben, sondern können sich - ausgerüstet mit einem Euro-Signalgeber - in einem festgelegten Radius um das RZ frei bewegen. Wenn der Mitarbeiter während der Bereitschaft zur Fehlerbehebung benötigt wird, wird sein Euro-Signalgeber vom RZ-Steuerungssystem angerufen.

Eine sinnvolle Automatisierung beginnt bei der Einführung eines Scheduling-Systems (beispielsweise HS 5000/APM). Dieses sorgt für den termingesteuerten, automatischen Start von Produktionsabläufen. Es erlaubt eine Kalenderproduktion beziehungsweise Vorausplanung auf Basis von Tag, Woche, Monat etc. Es erlaubt weiterhin die ereignisabhängige Produktion in bezug auf:

- Dateizustände (Closed Data Set, Creation etc.)

- Job/Step-Abhängigkeiten,

- Return-Code-Steuerung.

Integration neuer Systeme erfolgt in mehreren Schritten

Die zweite Komponente ist das RZ-Steuerungs- und Produktionsüberwachungssystem (zum Beispiel Cyclop). Da keine Programmiererfahrung notwendig ist, können die Mitarbeiter, die aus dem Consol-Operating kommen, die Abläufe erstellen und damit Schritt für Schritt ihr RZ automatisieren. Aufgrund der Multitaskingfähigkeit können am System während seiner Überwachungs- und Steuerungstätigkeit gleichzeitig neue Abläufe entwickelt und getestet werden.

Dank des gleichen Anschlusses wie bei jedem gewöhnlichen Bildschirm, kann das System ohne Hardwareveränderungen an jeden Host angeschlossen werden. Als externe Einheit benötigt es keine Prozedur zum Hochfahren des Rechners (IPL), um seine Funktionen zu übernehmen. Somit ist eine schrittweise Integration bis zur vollständigen Steuerung und Überwachung möglich.