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29.07.1983 - 

An Back-up-Leistungen muß gedacht werden:

RZ durch Konzeptionsfehler lahmgelegt

Manchmal erwischt es auch ein scheinbar perfekt organisiertes Rechenzentrum: Nach dem Motto "Kleine Ursache, große Wirkung" mußten die Verantwortlichen eines vor kurzem neu erbauten, auf Sicherheit ausgelegten Großrechenzentrums eine herbe Enttäuschung erleben.

Vor wenigen Jahren mit erheblichem Aufwand erbaut und abgesichert, herrschten kürzlich in besagtem RZ geradezu katastrophale Zustände, als die Stromzufuhr versagte. Der Maschinenraum war nach dem "Bunkerprinzip" gebaut - also ohne Fenster nach außen. Zugangskontrollen waren durch verschiedene Schleusen ebenfalls perfekt organisiert, das Datenarchiv geradezu beispielhaft abgeriegelt.

Als bei einem Stromausfall die unterbrechungsfreie Stromversorgung versagte, saßen alle Mitarbeiter in der Falle: Die Schleusensteuerung der Türen sowie das Zugangskontrollsystem wurden mit Arbeitsstrom statt mit Ruhestrom betrieben. Als der Arbeitsstrom ausfiel, öffnete sich keine Tür mehr. Zwar hielten Batterien die Notbeleuchtung für einige Zeit in Gang, aber dann saß man im Dunkeln. In diesem mußte man buchstäblich auch tappen, um den Schaden zu beheben: Die unterbrechungsfreie Stromversorgung umfaßte auch einen Dieselmotor, aber der war nicht angesprungen, als der Strom ausblieb. Zum Glück waren Taschenlampen zur Hand, um den Motor mit Hilfe einiger kräftiger Männer von Hand in Gang zu setzen. Wie sich später herausstellte, war dieser Motor über 20 Monate nicht gewartet worden.

Kostet eine halbe Million

Der Vorfall zeigt, wie gefährlich es ist, eine Sicherheitskonzeption nicht unter Einbeziehung der verschiedenen technischen Aspekte zu entwikkeln und durchzusetzen (denn hier wurden massive technische Fehler begangen), und an die laufenden Wartungen und Erprobungen des im Ernstfall dringend benötigten Back-up nicht zu denken. Mag sein, daß die Probleme der täglichen Routine dazu verführen, einmal eingeführte Sicherheitseinrichtungen nicht immer einmal wieder auf ihre Verläßlichkeit zu prüfen (eben weil bisher nichts passiert ist), aber dann kann man die Sicherheitsinvestitionen auch gleich einsparen. Und bekanntlich kostet die Sicherheitskonzeption eines Großrechenzentrums - ohne Software - erfahrungsgemäß zwischen einer halben und einer Million Mark bei durchschnittlichen baulichen Maßnahmen.

Urs Gämperli, freier EDV-Fachjournalist, Zürich

_AU:Urs Gämperli