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17.02.1978

RZ-Planung:Aller guten Dinge sind (mindestens) drei

KÖLN - Planung ist auch im Rechenzentrum zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit geworden. Trotz der den Datenverarbeitern oft nachgesagten, scheinbar angeborenen Neigung zur Improvisation, gibt es in größeren Rechenzentren bereits organisatorische Stellen, deren Hauptaufgabe "Ablaufplanung", "Konfigurationsplanung" oder ähnlich heißt. Teilweise soll es sogar schon soweit sein, daß zur Planung der Abläufe im Rechenzentrum der Rechner selbst eingesetzt wird. So vollzieht sich im Rechenzentrum, analog zur Entwicklung des Software-Engineering, die Entwicklung zum Produktionsbetrieb, somit zum geplanten, schauend geordneten Betrieb.

Es kann hier nicht auf alle Objektbereiche eingegangen werden, deren Planung im Rechenzentrum sinnvoll oder notwendig ist. Zu drei Planungskomponenten sind jedoch einige Bemerkungen angebracht, zum einen, weil diese Komponenten besonders problematisch sind, zum anderen, weil ihre Bedeutung teilweise nicht hoch genug eingeschätzt wird, nämlich:

- Ablaufplanung,

- Planung der Informationsbereitstellung,

- Zielplanung.

Die Ablaufplanung im Rechenzentrum wirft einige Probleme auf, für die sich bei näherer Untersuchung ernsthaftere Gründen finden lassen als der Individualismus der RZ-Besatzung und deren Abneigung gegen jede Art von Planung.

Das häufigste Mißverständnis der Ablaufplanung im Rechenzentrum besteht darin, daß hier die Methoden und Instrumente der klassischen Produktionsplanung (Terminplanung, Kapazitätsplanung) unbesehen auf den Rechenzentrums-Betrieb zu übertragen versucht werden.

Diesem Versuch liegt die Annahme zugrunde, daß das Rechenzentrum als Produktionsstätte von Informationen ein Produktionsbetrieb wie jeder andere ist.

Dies ist jedoch nur bedingt richtig, denn das Rechenzentrum enthält mit dem Betriebssystem des Rechners Komponenten, die ein ausgeprägtes ...enleben besitzen, das mit den Zielen der Rechenzentrumsplanung und insbesondere der Ablaufplanung nicht unbedingt im Einklang stehen muß. Vor allem aber lassen sich diese Komponenten nicht beliebig im Sinne der extern induzierten Planung steuern, da sie eigenen Planungsgesetzen unterliegen.

Somit existieren im Rechenzentrum unter Umständen zwei grundsätzlich

verschiedene Ablauf-Planungssysteme, die von verschiedenen Informationen ausgehen und sich dadurch unter Umständen gegenseitig behindern.

Das Ablaufsteuerung-System kennt das Auftragsprofil eines Tages oder eines größeren Zeitraumes. Das Betriebssystem dagegen kennt nur die Aufträge, die sich gerade in seinen Warteschlangen befinden, jedoch die aktuelle Situation der Betriebsmittel

Vergabe bis ins Detail.

So entsteht ein Konflikt zwischen planungsorientierter Steuerung durch das Ablaufplanungssystem unter ereignisorientierter, situationsabhängiger Steuerung durch das Betriebssystem.

Dieser Konflikt sollte bereits in der Konzeption jedes RZ-Planungssystems berücksichtigt werden, damit die Optimierung der Betriebsmittelvergabe durch das Betriebssystem nicht beeinträchtigt und vom RZ-Planungssystem nicht sinnlose Planung betrieben wird.

Als sinnlose Planung ist in diesem Zusammenhang jede Planung zu betrachten, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht realisiert werden kann, da eine Einflußnahme auf die geplanten Vorgänge nicht in ausreichendem Maße möglich ist.

Wird für die Ablaufplanung im Rechenzentrum eher manchmal etwas zu viel des Guten getan, so gilt für die Planung der Informationsbereitstellung oft das Gegenteil.

Die Anforderungen an diese Systeme sind zwar nicht deterministisch zu beschreiben wie die Routinearbeiten des Batch-Betriebes, sie könnten jedoch oft genauer geplant werden, als man zunächst annimmt. Viele zufällige Anfragen an eine Datenbank aus einem großen Benutzerkreis oder viele zufällige Aktionen der Programmierer am Terminal ergeben schließlich einen durchaus wohldefinierten Auftragsstrom im Sinne der Warteschlangen-Theorie. Hier könnte sich der RZ-Planer die Methoden, Modelle und Instrumente des Operations-Research zunutze machen. Etwas mehr Planung und Steuerung der Informationsbereitstellung würde die Schar der frustrierten Terminal-Benutzer sicherlich erfreuen.

Unter dem Eindruck der Probleme, die das Rechenzentrum mit der Ablaufplanung des RZ-Betriebs und der Planung der Informationsbereitstellung hat, wird die dritte hier genannte Planungskomponente, nämlich die Zielplanung des Rechenzentrums, nicht selten sehr vernachlässigt. Dabei ist es eine Binsenweisheit, daß mit falschen Zielen oft die falschen Probleme gelöst werden. Gerade jedoch durch Versuche, Teilsysteme des RZ besser zu organisieren also auch durch die Planung des RZ-Betriebs, entstehen ständig neue Teilziele, die sich verselbständigen können, ohne daß die Konsistenz dieser Teilziele in den ursprünglichen Zielen des Rechenzentrums gewährleistet ist.

Zielplanung heißt deshalb vor allem, die Gesamtheit der Ziele, die den Dienstleistungsumfang des Rechenzentrums insgesamt charakterisieren, nicht aus den Augen zu verlieren.

Robert Senger ist Diplom-Informatiker in Köln.