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05.08.1988

SAA: Im Prinzip ja, aber Alternativen sind gefragt

Im März 1987 hat die IBM ihre System Anwendungs-Architektur (SM) vorgestellt. Die verschiedenen Systemkonzepte vom PC über die /3X-Modelle bis hin zu den /370-Rechnern sollen im Rahmen dieser Architektur integriert werden. Die Bemühungen des Marktführers um Standardisierung werden von den Anwendern begrüßt. Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung der SM-ldee ist ihnen häufig jedoch so weit gesteckt, daß sie nach Alternativen suchen.

Nach dem Willen von Europa-Chef Michael Armstrong will Branchenführer IBM die von ihm in mehreren Systemrichtungen vorangetriebene "Explosion der Technologie in Unternehmen endlich wieder in den Griff bekommen". Inkompatible Betriebssysteme und Rechnerarchitekturen machen es den Anwendern im Augenblick noch ziemlich schwer, Programme von einem System auf ein anderes zu portieren. Das, was die IBM ihren Kunden bisher als Vorteil verkaufte - nämlich die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Produkten auswählen zu können - , erweist sich für viele Kunden mit immer komplexeren DV- Anwendungen langfristig als Nachteil. "Uns wird das VSE- Betriebssystem mit Sicherheit zu eng werden, "beschreibt Friedrich Krüger, Systemprogrammierer bei der Benecke-AG in Hannover, die DV- Situation in seinem Unternehmen. "Dann müssen wir auf MVS umsteigen."

Die Idee, einen Standard zu schaffen, kommt nicht nur bei dem Anwender aus Hannover gut an. In vollem Unfang wird SAA jedoch erst in den neunziger Jahren zu haben sein, sagte IBM Vice-President Earl Wheeler. Ungeduld und Skepsis prägen somit die Haltung vieler Kunden, wenn die Umsetzung der SAA-Idee in die Praxis diskutiert wird.

Die Anwendungen bei der Benecke AG, einem Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie, laufen derzeit auf den Systemen 4381 und 4361 unter VM in der VSE/CICS Welt. Von SAA verspricht sich Krüger Produkte, die es ihm ermöglichen, später problemlos auf andere Rechnerarchitekturen umzusteigen. Optionen für einen problemlosen Wechsel auf ein MVS-System erhofft sich Krüger von Entwicklungen mit dem Cross-System-Product (CSP) der IBM, das bei der Benecke AG seit kurzem im Einsatz ist. Der Vorteil dieses Produktes sei laut IBM, daß Anwendungen später auf einem MVS-System nicht neu generiert werden müssen.

"Nur ist es bestimmt noch ein steiniger Weg dorthin", formuliert Krüger seine Vorbehalte gegenüber dem neuen IBM-Produkt. Zum Einsatz von CSP kam es, weil die DV-Verantwortlichen nach einer Lösung suchten, um den ständigen Anwendungsstau im Unternehmen zu beseitigen. Nachdem beschlossen wurde, eine Sprache der vierten Generation einzusetzen, fiel die Entscheidung zugunsten von CSP, "weil diese Anwendungsumgebung VSAM/DL 1 unterstützt und heute schon SQL-fähig ist", erläutert Krüger. Somit werde auch ein Wachstumspfad in Hinblick auf relationale Datenbanken angeboten.

Krüger kritisiert jedoch, daß es der IBM noch nicht gelungen ist, "CSP so in die CICS-Umgebung mit zu integrieren, daß es nicht eigenständig, sondern CICS-konform läuft." Die SAA-Idee ist für ihn erst dann verwirklicht, wenn die IBM alle Produkte aufeinander abgestimmt hat. Von der Politik der IBM, mit der AS/400 eine weitere Maschine im Midrange-Bereich auf den Markt zu bringen, ist der Anwender einer 4361 und 4381 stark verunsichert, "weil die Leistung des Nachfolgerechners der /36 und /38 im oberen Bereich bis an die Leistung der 43XX-Familie heranreicht.

Einen Vorteil der AS/400 gegenüber den Rechnern der /370- Familie sieht Krüger im integrierten Datenbanksystem des neuen Rechners. "Wir sind heute leider nicht mehr in der Situation, daß wir unsere DV neu aufbauen können, sondern haben bereits jahrzehntelang in Anwendungen investiert, die nur auf einem Rechner der /370-Familie laufen", erläutert der Systemprogrammierer. Im Rahmen von SAA fordert Krüger jedoch vom Hersteller mit Datenbanksystemen ähnliche Möglichkeiten für die 370-Familie zu schaffen, wie sie für die AS/ 400 bereits entwickelt wurden.

Kritik übt Krüger auch an der Informationspolitik der IBM. "Der Anwender weiß zu wenig über SAA, um langfristig, also über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren, seine Anschaffung planen zu können."

Die bereits vorhandenen Informationen über SAA nutzt Maximilian Wieland, DV-Chef der Bayerischen Beamtenversicherung, schon jetzt. Er lehnt sich "so eng wie möglich an das SAA-Konzept an", weil er sich vom Einhalten dieses Standards auf lange Sicht erhebliche Kosteneinsparungen verspricht. Auch für Wieland ist das wichtigste Argument für SAA das Versprechen der IBM, langfristig Investitionen zu schützen, indem Anwendungen problemlos auf andere Systeme portiert werden können. SAA als Philosophie, "die schon längst überfällig war", kann die Methoden dafür bereitstellen, meint der Anwender eines Systems 3081 unter MVS/XA. Wieland rechnet sogar damit, daß die für SAA vorgegebenen Standards langfristig auch von anderen Herstellern übernommen werden und' allgemeine Gültigkeit erhalten, wie beispielsweise die System Network Architecture (SNA).

SAA sei auch notwendig und wichtig, um die Benutzeroberfläche für die unterschiedlichen Rechnertypen gleich zu gestalten, greift DV-Chef Wieland die IBM-Argumentation für SAA auf. Die von der IBM vorgeschlagene gleiche Belegung der Funktionstasten würde es dem Anwender zum Beispiel ersparen, ständig umlernen zu müssen.

An die mit SAA gesetzten Standards will sich auch die DV- Leitung der Aluminium-Walzwerke Singen GmbH halten: "Die Vereinheitlichung der Benutzeroberfläche ist für uns sehr wichtig, weil in vielen Büros sowohl PCs als auch Farbbildschirme für CICS stehen, und die Benutzer oft mit beiden arbeiten müssen", erläutert Fritz Feiler, DV- Chef des Unternehmens. Er bedauert jedoch, daß die IBM sich für die PS/2-Tasten als SAA-Standard entschieden hat, "weil die AT-Tastatur wesentlich komfortabler ist". Der Anwender von zwei gekoppelten IBM- 3083-Rechnern kritisiert außerdem, daß viele IBM-Produkte - wie zum Beispiel Profs - die SAA-Normen nicht erfüllen. Dennoch betrachtet er SAA prinzipiell als eine gute Sache, die "nur zu lange dauert, bis sie realisiert ist".

Unter Zeitdruck stehen auch die DV-Strategen bei der BASF in Ludwigshafen. "Es nützt uns gar nichts, wenn die IBM In fünf bis zehn Jahren SAA-fähige Programme anbieten kann", erläutert Heinrich Janitzki, der im Bereich Logistik arbeitet. Einige Tochtergesellschaften des Unternehmens, die mit /36-Systemen ausgestattet sind, werden in nächster Zukunft auf die AS/400 umsteigen. "Wir brauchen jetzt Lösungen. Das Problem ist, daß für die neuen Rechner der Serie AS/400 noch nicht genügend Software am Markt zu haben ist", erklärt Janitzki. Um aber die Möglichkeiten der neuen Systeme nutzen zu können, müßten die bereits vorhandenen sequentiellen Dateien auf das Datenbanksystem konvertiert werden.

Priorität haben bei der dezentral organisierten DV des Chemiekonzerns erst einmal die Wünsche der Tochtergesellschaften. Dort müßten die Anwender schließlich mit den Rechnern zurechtkommen, erläutert Janitzki. Weil die IBM derzeit keine Lösungen für die mittleren Systeme anbieten kann, sucht man im Hause BASF nach Auswegen. Neben der Möglichkeit, eigene Entwicklungen zu forcieren, erwägt die DV-Leitung des Chemiekonzerns einen Partner zu beteiligen. Grundsätzlich sei man bei BASF dem SAA-Konzept gegenüber aber nicht abgeneigt.

Die Zielsetzung von SAA, Standards zu schaffen, befürwortet auch Heinz Weiler, zuständig für den Bereich Projektmarketing beim Softwarehersteller Softlab. Kompatibilität innerhalb der unterschiedlichen IBM-Welten sei sicherlich ein großer Fortschritt. "Dem Kunden muß jedoch klar sein, daß die mit SAA angestrebten Standards nur in der IBM-Welt gültig sind", warnt der DV-Entwickler.

Im Gegensatz zu DV-Leiter Wieland von der Bayerischen Beamtenversicherung meint Weiler, daß "sich nur über herstellerunabhängige Standards in der DV-Welt eine freie Marktwirtschaft entwickeln kann". Lediglich der Wettbewerb der Hersteller untereinander um technisch ausgereifte und preisgünstige Produkte könne dem Anwender die Chance bieten, seine DV stets auf einen für ihn optimalen Stand zu bringen. Den Bedarf an herstellerunabhängigen Systemen begründet Weiler mit der wachsenden Zahl von Unix-Installationen .

"Unix läßt sich wenigstens schulen, SAA hingegen nicht", formuliert Dieter Mann, Leiter der Sysco-Niederlassung in München, das Problem, dem Anwender nahezubringen was SAA eigentlich ist. Den Vorteil von Unix sieht er darin, daß der Anwender seine Software- Investitionen auch langfristig nutzen kann. Als Nachteil von Unix führt er jedoch das Fehlen der Prioritätenstellerung an, die für die Großrechner unbedingt nötig sei. Außerdem gehe Unix sehr verschwenderisch mit der Hardware um.

SAA als Konzept für die IBM-Welt befürwortet Mann, weil der Kunde einerseits die Leistungen der Groß-DV nutzen und andererseits auf verschiedenen Rechnern Anwendungen entwickeln kann. Für die Expansion eines Unternehmens sei eine Software, die sowohl auf dem PC als auch auf der Groß-DV laufe, die wirtschaftlichste Lösung. Und das sei derzeit mit Unix noch nicht zu erreichen. Andererseits ist nach Meinung des DV-Fachmannes "die Umsetzung von SAA noch nicht soweit gediehen, als daß der Kunde wirklich schon einen praktischen Nutzen davon hätte".