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11.12.1987

SAA lockt Unix-Anwender nicht hinter dem Ofen vor

"Der Zukunft von Unix steht nichts mehr im Wege." Dieser Meinung ist jedenfalls Herbert Henke, DV-Leiter bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn. Denn Unix ist nach Ansicht vieler DV-Leiter keinesfalls nur eher auf technische Anwendungen fixiert, sondern es findet mittlerweile auch im kommerziellen Bereich immer mehr Anklang. So ist es nicht verwunderlich, daß die meisten Unix-Anwender von der geplanten Systems Application Architecture (SAA) der IBM nicht sehr beeindruckt sind. Portabilität und Transparenz seien schließlich nach den derzeitigen Anforderungen bereits heute ein absolutes Muß. Ein weiteres Argument für Unix ist die Herstellerunabhängigkeit, die im Portabilitäts-Konzept Ó la Big Blue nicht vorgesehen ist. Auch aus diesem Grund betrachten viele Anwender die IBM-Ankündigungen mit einiger Skepsis. "Wer ist denn schon gerne abhängig", formuliert der Eschborner DV-Leiter. Zwischen zwei Stühlen sitzt allerdings die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern. Neben Unix-Systemen sind auch IBM-Rechner installiert. Eine Entscheidung ist hier noch nicht gefallen, denn beide Lösungen führen noch nicht zum gewünschten Erfolg. So sehen sich die Münchener derzeit gezwungen, zweigleisig zu fahren, um später nicht in einer Sackgasse zu landen.

Benno Heinrichsmeier, DV-Leiter, Burke International Marktforschungsgesellschaft mbH, Frankfurt

Selbst wenn jetzt mit SAA größere Kompatibilität innerhalb der IBM-Welt in Aussicht gestellt wird - ein längst überfälliger Schritt -, dann bleiben aus unserer Sicht dennoch einige gewichtige Argumente für die Entscheidung zugunsten einer Unix-Umgebung. Argumente, die auch dann Gültigkeit besessen hätten, wenn SAA schon zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt worden wäre.

SAA garantiert keine volle Herstellerunabhängigkeit, und wenn man sich diese erhalten will, gibt es zu Unix keine Alternative. Als Abhängigkeit könnte sich auch erweisen, daß nur bestimmte Produkte in SAA aufgenommen werden. Der Kompatibilität, die durch Standardisierungen auf der Betriebssystem-Ebene erreicht wird, ist demgegenüber der Vorzug zu geben.

Nachdem wir mittlerweile Unix-Maschinen seit vier Jahren einsetzen, sind wir zu der Überzeugung gelangt, daß in bestimmten Bereichen Unix als Betriebssystem geradezu prädestiniert ist. So weisen diese Systeme ein äußert günstiges Preis/Leistungs-Verhältnis auf, was für Anwender der mittleren Datentechnik ein wichtiger Entscheidungsfaktor ist. Unix ermöglicht auch eine sehr einfach zu realisierende und dennoch leistungsfähige Vernetzung auf Basis eines ausgereiften Industriestandards (Ethernet) ohne große Zusatzkosten. Dies kommt dem Trend zur verteilten Datenverarbeitung sehr entgegen. Neben einer Vielzahl von Netzwerk-Protokollen werden darüber hinaus sehr fortschrittliche Netzwerktechnologien (Network Services wie zum Beispiel NFS) angeboten. Die Vernetzungsmöglichkeiten schließen die Anbindung an Rechner mit anderen Betriebssystemen ein (IBMs SNA, PC-Welt).

Unix ist "pflegeleicht", das heißt, der Aufwand, ein oder auch mehrere vernetzte Systeme zu verwalten, ist sehr gering. Ferner hat dieses Betriebssystem nichts von der "verbürokratisierten" Groß-DV und befriedigt somit das Bedürfnis nach Flexibilität und Schnelligkeit der Anwendung.

Dies führt zu einem weiteren spezifischen Vorteil von Unix als Betriebssystem: der Transparenz. Es ist immer wieder eine Überraschung, zu erleben, wie schnell sich auch Anfänger in die Unix-Philosophie einarbeiten und in kürzester Zeit effektiv mit dem System umgehen können. Hier müssen vor allem die Unix-Tools erwähnt werden, die sich für Ad-hoc-Programmierungen und Prototyping hervorragend eignen. Gerade dort, wo man nicht mit Standardentwicklungen jahrelang "fahren" kann, ist dies von nicht zu unterschätzendem Gewicht. Ganz generell kann heute behauptet werden, daß für den Entwickler Unix die allerbesten Arbeitsbedingungen bietet.

Auch hat sich herausgestellt, daß Unix für technisch-wissenschaftliche wie für kommerzielle Anwendung gleichermaßen geeignet ist. Dies trotz der Tatsache, daß Unix sich im kommerziellen Markt nur zögernd durchsetzt. Es besteht mit Unix die Möglichkeit, die DV-Abteilung, welche sehr oft Aufgaben aus beiden Bereichen bewältigen muß, auf eine einheitliche Basis zu stellen - angefangen von professionellen Workstations bis hin zu Multiuser-Systemen mit modernster Architektur (Mehrprozessor-Anlagen, RISC-Architektur).

Wir glauben, daß Unix durch all diese Eigenschaften Gewähr dafür bieten kann, daß Investitionen in Hard- und Software sowie die Erarbeitung von Know-how auch langfristig gesichert sind und kontinuierlich ausgebaut werden können. Die Entwicklungen - gerade in der letzten Zeit - geben dieser Ansicht recht.

Heinz Hain, DV-Leiter, Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern, München

Eines unserer Hauptprobleme ist es, Rechner unterschiedlicher Hersteller in einem Netz zu integrieren. Ein Teil dieser Systeme arbeitet zwar mit Unix, trotzdem richten wir auch ein gewisses Augenmerk auf SAA und dessen weitere Entwicklung. Schon alleine deshalb, da auf der Host-Ebene IBM-Rechner angesiedelt sind. Um in Zukunft nicht auf das falsche Pferd zu setzen haben wir uns entschlossen zweigleisig zu fahren. Es besteht dann immer noch zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, entweder Unix einzusetzen oder auf die SAA-Schiene umzuwechseln. Dieser Schritt ist zwar sehr aufwendig, da unnötig Kapazitäten und Ressourcen gebunden werden, doch können wir uns aus der heutigen Marktsituation nicht für eine Sache entscheiden. Vor allem deshalb, weil bis jetzt noch nicht eindeutig zu erkennen ist, wie sich die IBM letztendlich gegenüber Unix verhält.

In unseren Rechenzentren sind wie gesagt IBM-Hosts installiert, an denen auf Kundenseite Kienzle- und HP-Rechner angeschlossen sind - seit neuestem auch Sinix-Systeme. Der Idealfall wäre hier für mich, daß bei den Kunden Host-Anwendungen unverändert auf den Mehrplatzsystemen laufen. Dies würde dazu führen, daß zugeschnitten auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden, ein wahlfrei zu bestimmender Teil eines Anwendungsverfahrens direkt vor Ort und der andere Teil zentral eingesetzt werden kann. Unix könnte bei dieser Lösung sehr von Vorteil sein. Die Kompatibilitätsprobleme wären dann, im Gegensatz zu heute, gelöst. Jedoch gibt es auf der IBM-Host-Ebene derzeit noch keinen Unix-Rechner, und darin sehe ich auch die Schwierigkeiten. Bis jetzt werden die Unix-Systeme vorwiegend für den dezentralen Bereich angeboten. In unserem Fall kann nur die IBM einen den Anforderungen entsprechenden Mainframe liefern.

Falls die Realisierung von SAA wirklich Transparenz und Kompatibilität innerhalb der IBM-Welt mit sich bringt, käme natürlich auch das SAA-Konzept als eine Alternative in Betracht. Allerdings würden wir uns damit wiederum in eine Abhängigkeit von der IBM begeben.

Herbert Henke, Leiter der DV/Org., Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Eschborn

Die Hardware im Bereich Informationsverarbeitung besteht heute ja leider oder Gott sei Dank (je nach Standpunkt) nicht mehr ausschließlich aus dem Großrechner. Eine Veränderung der Mainframe-Strategie steht jedoch hinsichtlich des extrem hohen Umstellungsaufwandes glücklicherweise nur selten zur Disposition.

Anders sieht es bei den nachgelagerten Subsystemen aus. Hier muß man sich den Notwendigkeiten und den (An-)Forderungen der Fachabteilungen nach individueller DV stellen. Eine Entscheidung in diesem Bereich hat strategischen Charakter, zumal diese Systeme überwiegend im engen Verbund mit dem Mainframe operieren und die Rufe nach zentraler Betreuung im Laufe der Zeit immer lauter werden. Daß die Verantwortung für diese Entscheidung deshalb ausschließlich im zentralen DV-Bereich liegen muß, sollte außer Diskussion stehen.

Strategische, wirtschaftliche, systematische und nicht zuletzt anwendungsspezifische Überlegungen sind für unsere Entscheidung bezüglich Unix als Subsystem-Maschine ausschlaggebend. Allerdings stehen wir mit unseren BS2000-Rechnern auch nicht unmittelbar vor der SAA-Alternative. Von der strategischen Seite her fiel unser Entschluß auf Unix, da alleine die Standardisierungsbemühungen der X/Open-Gruppe unseres Erachtens Aufschluß darüber geben, daß der Zukunft von Unix nichts mehr im Wege steht. Der wichtigste Aspekt ist dabei die Herstellerunabhängigkeit. Hier sind Möglichkeiten gegeben, sich im Bedarfsfall immer neu zu orientieren und gegebenenfalls auch andere Rechner einzusetzen; zumal in der X/Open-Gruppe alle wesentlichen Hersteller vertreten sind. Eine Entscheidung für das SAA-Konzept der IBM bedeutet, daß sich der Anwender an einen einzelnen Hersteller binden muß; und wer ist schon gerne - mehr als notwendig - abhängig.

Bei den wirtschaftlichen Überlegungen war es ausschlaggebend, daß sich Mehrplatzsysteme im Vergleich zu adäquaten PC-Netzen leichter rechnen und Gateway-Funktionen wie zum Beispiel Host-Verbindungen oder Datex-Anschlüsse durch das "Knotenprinzip" kostengünstiger lösen lassen. Vorausgesetzt, die Performance im Unix-Netz ist jeweils tolerabel.

Die bereits angerissenen systematischen Überlegungen erlangen um so mehr Bedeutung, wenn man die sich bietenden Möglichkeiten nach dem Aspekt der sehr komfortablen Vernetzung von Unix-Systemen bewertet. Nicht ohne Grund denken die Anbieter von klassischen Bürokommunikationssystemen (zum Beispiel Philips und CPT) immer mehr in Richtung Unix. Sind Einplatzsysteme für funktional abgegrenzte Aufgaben ausreichend, so lassen sich diese über Terminalemulation und Kommunikationsfunktionen der Unix-Systeme leicht in den Verbund integrieren - oder natürlich direkt am Host anbinden.

Aus Anwendersicht stehen die Möglichkeiten, die sich aus der Multiuser-/Multitasking-Fähigkeit ergeben, im Vordergrund. Hierauf basierend lassen sich Abteilungsrechner-Konzepte mit gemeinsamen Datenbasen und mit individuellen User-Views realisieren.

Die Entwicklung der letzten Jahre läßt erwarten, daß die zum Teil heute leider noch bei Unix bestehenden Probleme im Bereich Business-Grafik und verteilter Datenbanken in bezug auf den Mainframe bald beseitigt werden.

Die ideale Architektur für alle Anwendungen - und diese sollten jeweils im Vordergrund stehen - gibt es leider nicht. Eine strategische Alternative ist Unix jedoch allemal.