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26.05.1989 - 

Officevision als erste Realisierung der "System Anwendungs-Architektur"

SAA: Ohne völlige Redundanz lauft gar nichts

26.05.1989

STUTTGART (cmd) - "OfficeVision", nach eigenem Bekunden der IBM "die erste Produktfamilie, die nach den Regeln der... System-Anwendungs-Architektur (SAA)" entworfen ist, unterstreicht mehr als deutlich die SAA-Schwachstelle: Die durchränge "Unternehmenskommunikation" Ó la Big Blue läßt sich nur mit Hilfe völliger Redundanz auf allen Ebenen verwirklichen.

Die weltweite Ankündigung von Officevision - IBM selbst setzt auf die Schreibweise "OfficeVision" markiert freilich nicht nur den Einstieg ins SAA-Zeitalter, sondern unterstreicht auch das Bemühen, im Markt für Büroanwendungen gegen die Konkurrenz von DEC und Co. verlorenen Boden gut zu machen. Erstmals wird für die vier bisher disparaten und jetzt als "SAA-Systemumgebungen" definierten Welten MVS, VM, OS/400 und OS/2 ein gleicher Funktionsumfang geboten, der laut Pressetext auch "die Verbindung zu Architekturen anderer Hersteller" ermöglicht. Erst auf Anfrage war aus Stuttgart zu erfahren, daß mit dieser Formulierung das Thema Unix gemeint ist.

Anwender, die den vollen Funktionsumfang der neuen Anwendungssoftware einschließlich der grafischen Möglichkeiten, die der Presentation Manager bietet, nutzen wollen, müssen allerdings auf jedem angeschlossenen Rechner die entsprechende Officevision-Version implementieren und damit tief in die Tasche greifen.

Was sie für ihr Geld bekommen, beschreibt IBM allerdings eher vage so: "... die neuen Produkte (sind) die Voraussetzung für eine Integration von Fachanwendungen und Bürofunktionen." Während die Bürofunktionen einigermaßen klar sind - aufgezählt werden etwa Elektronische Post, Adreßverzeichnisse, Archivverwaltung, Textverarbeitung, Kalender, Kommunikation oder grafische Benutzeroberfläche -, bleibt die Ankündigung in puncto "Fachanwendungen" wolkig. Die Tatsache, daß IBM hier davon spricht, man stelle für die Integration dieser Anwendungen eine Reihe von "Application Programming Interfaces" (API) zur Verfügung, legt allerdings den Schluß nahe, hier gebe es noch nichts wirklich Vorzeigbares.

Der Einstieg in die SAA-Welt erfolgt auf der untersten Rechnerebene über Officevision/2 LAN: Hier präsentiert sich die neue Software vor allem als speicherplatzfressendes Vehikel für die Vernetzung von Arbeitsplätzen mit OS/2 Extended Edition (EC), denn Voraussetzung ist ein PS/2-System mit mindestens 12 MB Hauptspeicher, das heißt im Klartext ab Modell 50 an aufwärts.

Die Kosten hierfür beziffert IBM mit 13 000 Mark (PC mit DOS-Betriebssystem) bis 30 000 Mark (PS-Rechner Modell 70 mit OS/2 EE) pro Arbeitsplatz in einem LAN mit sechs bis acht Rechnern. Die Version 1.1 soll ab September dieses Jahres verfügbar sein, und für Mai nächsten Jahres kündigt IBM bereits eine nicht näher beschriebene Version 1.2 "mit den Schnittstellen für andere Anwendungen" an.

Die Einführung der neuen Software für die AS/400-Reihe erfolgt in zwei Stufen: Ab Oktober dieses Jahres steht das Release 2 von AS/400 Büro an, das nach Angaben von Big Blue "funktionale Erweiterungen" des derzeitigen Releases 1.2 bringt, so zum Beispiel "in der Textverarbeitung und beim Kalender." Erst im Juni 1990 ist dann die eigentliche Officevision/400-Version verfügbar, in der die "Bibliotheksverwaltung und die Verteilerfunktionen bereits als SAA-Anwendungen implementiert" sind.

Auf die Auslieferung der eigentlichen Officevision-Version für die MVS-Welt muß der potentielle Anwender noch länger warten, nämlich bis September nächsten Jahres: Erst dann sind der Direktanschluß von PS/2-Systemen unter OS/2 EE sowie ein unternehmensweites Adreßbuch auf DB2-Basis verfügbar. Als Zwischenschritt plant IBM für Dezember dieses Jahres die Auslieferung der Version 1, ohne jedoch deren Funktionsumfang konkret darzulegen.

Insgesamt stellt Big Blue die MVS-Version als eine Weiterentwicklung auf der Basis der Produkte "Application Support Facility" (ASF), "/370 Büro" und "Personal Manager" (PM) dar, die auch die Subsysteme IMS, CICS und TSO unterstützt. Die Anbindung an internationale Netze", worunter IBM - auf Nachfrage den Brückenschlag via X.400 versteht, ist zwar möglich, läßt sich jedoch nur über die Nutzung von Disoss realisieren.

Die Variante Officevision/VM löst, wie schon in der COMPUTERWOCHE berichtet (siehe CW Nr. 16 vom 14. April 1989, Seite 19 "SAA Office könnte Profs obsolet machen"), das Bürokommunikationssystem "Profs" ab, wenngleich IBM hier vornehmer davon spricht, die neue Software sei das "Ergebnis aus bestehenden VM-Produkten und den Regeln der System Anwendungs-Architektur". Wie im MVS-Bereich macht Big Blue auch hier einen Zwischenschritt: Die Auslieferung der ersten Version ist für Februar nächsten Jahres geplant, die der Version 2, die erst den Direktanschluß von Officevision/2 unter OS/2 EE an VM-Rechner bietet, für Mai 1990.