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18.09.1992

SAA-Papier nur noch Makulatur

Zuerst die gute Nachricht: Der Zustand des Patienten Computerindustrie ist normal - es geht ihm, den Umständen entsprechend, schlecht. Und nun die schlechte Nachricht: Der Hannover-Messe AG geht es gut, die CeBIT '93 ist nicht nur ausgebucht, die Warteliste wird immer länger. Business as usual, Normalität, die Wunschbilder braucht und vom Selbstbetrug lebt. Nur Chronisten mit ausgeprägter Abneigung gegen großlippige DV-Marketiers werden einwenden, daß scharf kalkulierende Anbieter ihr CeBIT-Engagement überdenken und Konsequenzen ziehen müßten. Davon ist nichts zu spüren. Arme DV-Branche! Doch Hannover soll nicht das Thema sein, sosehr sich die Frage aufdrängt, welchen Informationswert eine Mammutmesse wie die CeBIT für die Entscheider in Anwenderunternehmen noch haben kann. Es gibt eklatantere Fälle von "Normalisierung". Nehmen, wir die traurige Geschichte der System-Anwendungs-Architektur SAA. Ein Versprechen der IBM wird fünfeinhalb Jahre alt.

"Unser Ziel ist es, die drei Hardware-Architekturen (PC, /3X, /370, Anmerkung des Kolumnisten) aus der Sicht der Benutzer zu vereinheitlichen", so Big Blue bei der SAA-Ankündigung im März 1987. Portabilität der Anwendungen über die proprietären IBM-Rechnerebenen hinweg sollte demnach unter SAA möglich sein. Das Versprechen wurde nicht eingelöst. Glück für IBM: Es scheint niemanden zu stören. Ansonsten wäre die Angelegenheit wohl auch verjährt. So wird man leider nie erfahren, was sich IBM bei SAA gedacht hat.

Wer sich an die Sprüche der IBM-Strategen erinnert, daß es für den Schutz der Software-Investitionen der Anwender unerläßlich sei, die DV-Vergangenheit fortzuschreiben (25 Jahre 360/370-Evolution, ein Vierteljahrhundert Rückwärtskompatibilität), konnte an die Ernsthaftigkeit des SAA-Ansatzes nie so recht glauben. Unter diesem Diktat mußte die SAA-Konformität leiden, weil sich Investitionsschutz und technischer Fortschritt gegenseitig ausschließen. Gefangene der eigenen SAA-Idee wollte die IBM nicht werden, so hat sie das Portabilitätsziel klammheimlich aufgegeben.

Was blieb, war die Benutzerschnittstelle CUA (Common User Access) - nicht genug, um den SAA-Rahmen auch nur annähernd auszufallen. Das SAA-Elend setzte sich fort, als der Desktop (Stichwort: OS/2) für IBM verlorenging. Nachweisbar ist Big Blue von dem Erfolg der Microsoft-Oberfläche Windows überrascht worden. Vollends zu Makulatur wurde das SAA-Papier, als sich der Durchbruch von Unix und RISC abzeichnete. Heute ist AIX gleichwertig zu SAA positioniert, spricht die IBM von der "Open Systems Architecture (OSA). Bleibt zu hoffen, daß die Anwender aus der Geschichte gelernt haben. So gesehen ist SAA als "Unwunschbild" nach wie vor brauchbar.