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29.07.1988

SAA-Spritze gegen impotentia migrandi

Wie ist es möglich, daß über IBMs System-Anwendungs-Architektur (SAA) die unterschiedlichsten Interpretationen kursieren? Der Meinungspegel schwankt zwischen "neuer Maßstab" und "Papiertiger". Praktiker sind skeptisch, blaublütigen Marketiers läßt SAA das Herz höher schlagen.

Lassen wir einmal außer acht, daß SAA bisher nur als Meta-Entwurf existiert (Entwurf des Entwurfs des Entwurfs und so weiter). An halbfertigen (-herzigen) SAA-Spezifikationen herumzumäkeln, ist Haarspalterei. Mit der Ausführung mögen sich die IBM-nahen Software- und Systemhäuser herumschlagen. Entscheidend für die Bewertung sollte auch nicht sein, ob SAA in das vielzitierte Open-Software-Konzept (OSF) paßt. Es handelt sich um Familienangelegenheiten: geschlossene IBM-Gesellschaft-Einmischung zwecklos.

Familienangelegenheiten: Welcher Einwand ist stichhaltiger? "Das Ende der Schrägstrich-Ära wird hinausgezögert, aber ein IBM-Mainline-Produkt wird das neue Anwendungssystem AS/400 nie" oder: "Sterben soll die /370 Architektur nicht, aber ewig leben kann sie nicht." Darum geht es doch bei SAA: System-Unebenheiten in der IBM-Welt auszugleichen - und wo gehobelt wird, fallen Späne.

Die Befürchtung besteht, daß mit SAA die Entscheidung gegen bewährte Produktreihen getroffen werden soll. Denn das IBM-Angebot ist bauchlastig - man schaue sich nur die Midrange-Palette an, (S/3X, AS/400, 9370t 8100, 4300, Serie/1, 6150). Aus Kundensicht müssen Inkompatibilitäten in Kauf genommen werden, die den Wert der DV-Investitionen mindern. Für lukrative Upgrades auf breiten Migrations-Highways ist sich andererseits die IBM selbst im Wege. Die "impotentia migrandi muß überwunden werden. Wer will schon ein halber Mann, pardon: DV-Hersteller sein. Deshalb: Her mit dem Wundermittel SAA!

Wenn die Kur so unproblematisch wäre. Gewiß: Der Kopf (Mainframe) scheint gesund. Und auch die Hände (PCs) sind zu gebrauchen. Serie/1 und 8100: Wurmfortsätze. Wie aber ist der nervöse Doppelmagen (S/3X, neuerdings AS/400 - 9370) zu behandeln? Hat die IBM den Schrägstrich-Benutzern das ganze (Mainline-)MLPS-Terrain versprochen? Sind am Ende gar die kleinen und mittleren /370-Kunden (4300) die Gelackmeierten?

Die Reaktionen auf das neue Anwendungssystem AS/400 zeigen den Kontrast zweier IBM-Welt-Anschauungen: Eine aufmüpfige, MDT-Partei und ein MVS-Imperium, das auch in Zukunft auf Host-kontrollierte Datenverarbeitung setzt, werden den Streit um SAA in einschlägigen Kreisen (System- und Softwarehäuser) nicht abflauen lassen.

Daß das Problem IBM-intern unter ganz anderen Vorzeichen gesehen wird, bestreiten nur PR-Mitarbeiter. Ziel der IBM-Strategen ist es, wie Stephen Schwartz, General Manager der Application Systems Division, kürzlich vor der Presse erklärte, den auf Wachstum programmierten AS/400-Anwendern mit SAA Unterschlupf im 3090-Headquarter zu gewähren. Schwartz: "Eines Tages (one day) wird SAA die Migration (if required!) von der AS/400 auf die 3090 erleichtern." Und: "The 3090 will always stay a long way in front of the AS/40O."

Das ist doch ein Wort. Danach sollte ein für allemal klar sein, wie Big Blue die IBM-Welt in den 90er Jahren sieht: in den Wachstumsmärkten gekennzeichnet durch eine Architektur. Alle "ASmen" führen letztlich zur /370. Was dem Mittelstand unter dem Schrägstrich bleibt, steht auf einem ganz anderen Blatt.