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03.04.1987 - 

Verzicht auf RPG III schwächt wichtige Softwarebasis:

SAA verunsichert Anwender mit /3X-Systemen

MÜNCHEN (ch) - Die SAA-Ankündigung der IBM hat, wie bei Big Blues Announcements üblich, wieder einmal für Wirbel gesorgt. Spekulationen ranken sich vor allem um die Möglichkeit einer Bereinigung der IBM-Architekturvielfalt - zulasten der Systeme /30 und /38.

In der Liste der durch die "System-Anwendungs-Architektur" unterstützten Programmiersprachen ist RPG III nicht enthalten. Beobachter werten dies als ersten Hinweis auf eine "stille Beerdigung" der Systeme /3X, deren Anwendersoftware häufig in dieser Sprache geschrieben ist. Big Blue mochte dazu nicht eindeutig Stellung beziehen. Ich kann versichern, daß die Vorzüge der /38 nicht verlorengehen", erklärte ein Firmensprecher. Die Kundschaft jedoch ist irritiert. "Wir haben diesen Aspekt der SAA-Ankündigung mit Mißfallen zur Kenntnis genommen", erklärte Erfried Ganz, geschäftsführender Gesellschafter beim Augsburger Systemhaus SBS. "Der Verzicht auf RPG III bedeutet eine Verunsicherung für den Mittelstand."

Andere verweisen darauf, daß die IBM gezwungen sein wird, ihren architektonischen Wildwuchs unter Kontrolle zu bringen, um Konkurrenten wie DEC in Schach halten zu können. Die CW-Schwesterpublikation COMPUTERWORLD analysiert die Situation: "IBMs Strategie der Architektur-Vielfalt hat die Kosten erhöht und die Einführung der PC-Mainframe-Kommunikation gebremst", heißt es. Und weiter:" Wie DEC mit der VAX vorgemacht hat, ist eine große Anzahl verschiedener Systeme unnötig und eher der Soll- als der Haben-Seite zuzurechnen." Außerdem sei das System /36 technisch kaum noch ausbaufähig. Das System /38 verfüge zwar über eine wesentlich fortschrittlichere Architektur, die mechanischen und elektrischen Vorgaben für die Maschine, wie Gehäusegröße und Stromversorgung, ließen jedoch eine Weiterentwicklung nur noch in sehr begrenztem Umfang zu.

Aus dieser Analyse resultiert die Forderung nach einem Wachstumspfad für die Anwender der beiden Rechnerfamilien. Eine Migration zur 370-Architektur entfällt, da sie technisch zu schwierig ist. Die Betriebssysteme SSP und CPF der /36 und /38 sind nicht kompatibel mit VM/CMS, DOS oder MVS.

Die Vereinigung der /36 und /38 in einer Maschine, die die Software beider Linien verarbeiten könnte wäre ein Ausweg. Mehrere Konzepte sind denkbar: Im Gespräch befänden sich laut Expertenmeinung CPF-Unterstützung auf der 370-Architektur mit entsprechender Migration, ferner eine als "9380" bezeichnete Maschine, die unter Nutzung moderner Technologie softwarekompatibel zur /38 ausfällt, und schließlich ein mit dem Label /37 versehener Rechner, der eine Obermenge der /36 und der /38 darstellt und die Software beider Systeme verarbeitet. Die letzte dieser drei Varianten wird von der Fachwelt am ehesten für realistisch gehalten.

Ein solches Konzept scheint in Form des "Silverlake"-Projektes derzeit Gestalt anzunehmen (siehe Bericht Seite 2). Wie das Kind letztlich heißen wird, ist noch unklar: Manche nennen es /37, andere warten mit der Bezeichnung /74 auf - schließlich ist 74 die Summe aus 36 und 38. Sollte dieser Rechner die Nutzung der Software für die Linien /36 und /38 ermöglichen und so die beiden Familien miteinander verschmelzen, wären auch die Anwender einen guten Teil ihrer Bauchschmerzen los. "Eine /74 wäre uns recht", konzediert Ganz. Dem stimmt auch Hans Sedlmayr zu, Geschäftsführer des Münchener Softwarehauses Sedlmayr & Partner: "Es ist ein offenes Geheimnis, daß eine solche Maschine kommen wird. Wünschenswert wäre dann aber eine Vereinfachung des Systems für /38-Anwender."