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31.05.1991

SAA wird zum Bumerang für IBM

Trotz der Ankündigung der IBM, das Midrange-System AS/400 Zug um Zug mit "Fullrange"- Funktionen auszustatten, bleibt die Schrägstrichmaschine ein Problemkind - nicht für /38-Aufsteiger, die das Mehr an Terminal-Support zu schätzen wissen, wohl aber für Großanwender, die auf eine langfristige Networking-Strategie setzen. Nicht, daß die AS/400 auf einmal als echte Alternative zur /390-Mainline gesehen würde - es ist das "Über"-Angebot der IBM im Client-Server-Bereich, das den Anwendern zu schaffen macht: Die AS/400 konkurriert hier mit den RISC-Systemen (RS/6000) - ganz abgesehen davon, daß es ja noch die "kleinen" ES/9000-Modelle gibt (ehemals 9370). Wenn IBM-Kritiker in diesem Zusammenhang von einem "Midrange-Verhau" sprechen (Seite 1), wird die Sache auf den Punkt gebracht.

Stärker denn je ist der Mainframe-Marktführer jetzt auf das Wohlwollen seiner Kunden angewiesen. Die haben ihm immer den Rücken gestärkt, weil sie den Schutz der DV-Investitionen über alles andere stellten. Gerade dieses Argument wird aber zunehmend zum Bumerang für Big Blue, daran kann auch das SAA-Versprechen nichts ändern. Denn inzwischen rangiert "Offenheit" in der Liste der wichtigsten DV-Themen bei Unternehmen, die Rechnerverbund-Lösungen anstreben, ganz oben. Argwöhnisch registrieren die SAA-Kandidaten, daß sich IBM nicht festlegt. Die AS/400 als offenes System zu bezeichnen ist ein schlechter Witz und verantwortungslos obendrein.

Bei so viel Schönfärberei braucht Big Blue für den Spott nicht zu sorgen. "Die Werbeaussagen zu SAA kenne ich wohl, von einer einklagbaren Verpflichtung der IBM dazu kann jedoch nicht die Rede sein. " Die Aussage stammt von Georg Thaler, der als DV-Verantwortlicher bei der Duisburger Klöckner AG über einschlägige Erfahrungen verfügt. Nach mehr als zehnjährigem Hin und Her in der Filial-DV - erst 8100, dann /36, zuletzt AS/400

- gab sich Thaler mit sibyllinischen Sprüchen der IBM über die SAA-Zukunft nicht mehr zufrieden

- jetzt wird ein Entwicklungsprojekt für Filial-Software auf Unix-Workstations angepackt.

Der Klöckner-DV-Mann kann sich auf Kollegen berufen, die bereits die Probe auf's Exempel gemacht haben. Vom Frust über die vermeintlichen Umstellungsschwierigkeiten läßt er sich nicht abschrecken. Das Ziel ist verlockend: Hardware- und damit Herstellerunabhängigkeit. Thalers Credo ("Wir können jetzt ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis herausholen") mag von der Mehrzahl der /370-Anwender noch nicht geteilt werden. Ein Zeichen setzt Klöckner allemal. Ob es in seiner vollen Bedeutung auch von den IBM-Managern erkannt wird? Davon kann man nicht ausgehen. Niemand weiß, wann bei Big Blue die Schmerzgrenze erreicht ist. Thaler kann es egal sein.