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11.04.2006

SaaS - Hype oder echte Alternative?

Andreas Müller
Die ITK-Industrie ist um die Erfindung kryptischer Kurzbezeichnungen für ITK-Techniken und -Services nie verlegen. Die Begrifflichkeiten rund um "Software-as-a-Service" bilden da keine Ausnahme.
Mit Saas-Modellen gewinnen die Anwender mehr Flexibilität und können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Auf der anderen Seite wird die Abhängigkeit vom Softwareanbieter größer.
Mit Saas-Modellen gewinnen die Anwender mehr Flexibilität und können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Auf der anderen Seite wird die Abhängigkeit vom Softwareanbieter größer.

Die Anwender haben sich in den vergangenen Jahren umorientiert. Nicht mehr die Business-Software als solche steht im Vordergrund, sondern die Services. Dieser Wandel wird sich in Zukunft noch beschleunigen.

SaaS-Markt Deutschland

Software-as-a-Service-Modelle tun sich in Deutschland bislang schwer. Trotzdem sind die Erwartungen der Anbieter groß. Microsoft prognostiziert, dass 30 Prozent seiner CRM-Anwender das Kunden-Management zukünftig im SaaS-Verfahren nutzen werden. Oracle gibt an, dass derzeit fünf Prozent des Umsatzes mit "On Demand Services" realisiert werden. In vier bis fünf Jahren sollen es 50 Prozent sein. Die Erwartungen von SAP liegen etwas niedriger und sind aus der Sicht der Analysten von Techconsult realistischer. Über die Größe des deutschen SaaS-Marktes gibt es momentan keine verlässlichen Angaben. Das liegt unter anderem an der unscharfen Definition der Begriffe SaaS, ASP und On-Demand. Einige Marktforscher taxieren den deutschen Markt auf derzeit jährlich 150 bis 300 Millionen Euro.

SaaS-Player

IBM Global Services agiert nicht nur als Direktanbieter, sondern offeriert auch Hosting-Services, zum Beispiel für SAPs CRM-on-Demand-Lösung. Als Full-Service-Provider hat IBM auch interessante "Pay-as-you-go"-Modelle auf Lager.

Die vermeintlichen Pioniere von SaaS wie Salesforce.com oder Rightnow Technologies haben in Deutschland derzeit noch einen geringen Marktanteil und rekrutieren ihre Kunden vorwiegend unter international tätigen Unternehmen.

Die Gründe für den relativ späten Markteintritt etablier-ter Softwareanbieter wie SAP oder Sage erklären sich aus deren Geschäftsmodell. SAP bietet mittlerweile "On-Demand" an, Sage steht kurz vor dem Rollout. Bei beiden Anbietern werden Anwender jederzeit von SaaS zu Onsite wechseln können.

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www.computerwoche.de/go/

574006: Microsoft will Geschäft mit Mietsoftware ankurbeln;

572641: IBM will mehr Partner für Software-as-a-Service begeistern;

572165: Jürgen Rottler, Oracle: On-Demand ist eine Waffe gegen SAP;

571752: SAP: On-Demand soll klassisches CRM-Geschäft ergänzen.

Ein Indiz dafür sind die Strategien der großen IT-Anbieter, darunter IBM, SAP und Oracle, die verstärkt dazu übergehen, ihren Kunden Web-basierende Applikationslösungen anzubieten. Die Hintergründe hierfür sind klar: Vor Jahren kauften Anwender Business-Software im Paket. Mit den damaligen Budgets war dies auch kein Problem. Doch der allgemeine Kostendruck, der seit Jahren immer stärker auf den Unternehmen lastet, zwingt die Verantwortlichen zum Umdenken.

Die Anbieter versprechen den Anwenderunternehmen einen Ausweg: Bei Software-as-a-Service handelt es sich um ein Modell, nach dem der Kunde die Software über das Internet bezieht und nur die Funktionen bezahlen muss, die er wirklich benutzt. Dies bestimmt auch die Kosten. Der Aufwand für den Unterhalt und den Betrieb der IT-Systeme fällt in die Verantwortung der Anbieter selbst. Da stellt sich schnell die Frage: Ist SaaS aus Anwendersicht nichts anderes als Application-Service-Providing (ASP), das vor Jahren wortstark propagiert, aber nur zögerlich angenommen wurde?

Unabhängig von der Antwort lassen sich die Vorteile für SaaS-Nutzer leicht aufzeigen. Neben dem Wegfall der Lizenzkosten für Software müssen sie auch für den Betrieb ihrer Infrastruktur deutlich weniger aufwenden. Diese Kosten trägt der Provider. Ferner kommt die Chance der schnelleren und einfacheren Internationalisierung hinzu. Gerade mittelständische Unternehmen, die oftmals über keine oder aber nur limitierte Ressourcen verfügen, können schnell und effektiv neue Märkte besetzen und dort Geschäfte aufbauen.

Anwender werden flexibler

In puncto Skalierbarkeit versprechen SaaS-Lösungen zudem eine höhere Flexibilität. Nicht zu verschweigen sind in diesem Zusammenhang auch die Zeiten der Verfügbarkeit von Systemen und Fachkräften. Angesichts der steigenden Ansprüche an die Performance von Mitarbeitern und Lieferanten, gleichzeitig aber auch von Kunden an die Unternehmens-Performance ist die Kontrolle und das Management der Anwendungen und Systeme durch 24/7-Services meist erwünscht.

Die Entscheidung, geschäftsrelevante und damit -kritische Anwendungen an SaaS-Anbieter auszulagern, birgt neben den Chancen auch Risiken. So lassen sich auch SaaS-Lösungen anpassen, aber nicht ohne Grenzen. Zum Beispiel ist die Integration in bestehende ERP-Lösungen zwar grundsätzlich möglich, in manchen Fällen jedoch nicht unproblematisch. Dies gilt auch für Schnittstellen zu "Onsite"-Software und für die Migration auf die eigene Infrastruktur.

Um die Vorteile einer SaaS-Lösung auszunutzen, müssen die Anwender auf die Service-Level-Agreements achten. Dies gilt zum Beispiel für die Verfügbarkeit, denn der SaaS-Anbieter bedient in aller Regel nicht nur einen Kunden. So kann es bei Updates, Wartung und anderen Arbeiten am System schon einmal zu Engpässen kommen.

Besonderes Augenmerk sollte man bereits in den ersten Vertragsverhandlungen auf eine Preisfestschreibung für eine etwaige Vertragsverlängerung, aber auch auf eine mögliche spätere Beendigung der Geschäftsbeziehung legen. Unliebsame Überraschungen und damit möglicherweise unerwartete Kosten hinsichtlich Datenrückgabe und -übergabe sollten von vornherein ausgeschlossen werden.

Alternativen im Auge behalten

Aus kaufmännischen Gründen empfiehlt es sich darüber hinaus, Alternativen wie Kauf, Finanzierung, Leasing sowie Outsourcing zu entwickeln. Sollte die Entscheidung zugunsten von "On-Demand" ausfallen, ist eine genaue Betrachtung der durchschnittlich benötigten Kapazität und der Spitzenbelastung ratsam. Prinzipiell kann man sagen: Je größer der Unterschied, desto teurer die Spitzen. Je nach Berechnungsbeispiel kann es effektiver sein, eine höhere Basiskapazität zu vereinbaren.

Auch das Einsatzgebiet von SaaS sollten Anwender im Vorfeld genau bedenken. Derzeit sehen die meisten Experten Customer-Relationship-Management (CRM) als ideale Spielwiese, denn der Markt ist noch nicht so gesättigt wie beispielsweise im Enterprise-Resource-Planning-Umfeld (ERP). Zudem ist das Kunden-Management an der Peripherie eines Unternehmens angesiedelt. Man sollte jedoch hierbei nicht die erforderliche Integration und Synergie mit Debitorenbuchhaltung und Fertigungssteuerung unterschätzen.

Wird CRM isoliert betrachtet und besteht keine Möglichkeit, Schnittstellen zu anderen Systemen zu etablieren, verlieren Anwender schnell den Überblick und schaffen Inkonsistenz. Auch sollte man sich durch die unkomplizierte Verfügbarkeit des Systems nicht dazu verleiten lassen, den wichtigsten Aspekt zu vergessen: die Unterstützung und Verbesserung des Vertriebsprozesses. Dieser Aspekt erfordert eine seriöse Planung.

Keine Revolution

Weitere interessante Einsatzbereiche für SaaS-Lösungen sind die kaufmännischen Felder wie Lohn- und Gehaltsbuchführung, wobei hier die Grenzen zu Business Process Outsourcing unscharf werden. Wenn, dann sollte der Anbieter auch Print-Services für die Gehaltsabrechnung zur Verfügung stellen. Auch Lösungen für die Reisekostenabrechnung gehören dazu, wie die gesamte Buchhaltung für Klein- und Kleinstbetriebe.

Grundsätzlich bildet SaaS eine interessante Alternative zum Kauf von Software. Längerfristig werden sich die Modelle SaaS, On-Demand und "Subscription/ Rental" dort durchsetzen, wo Outsourcing kein Thema ist. SaaS ist jedoch keine revolutionäre Änderung, sondern existiert schon fast so lange, wie es Software gibt. Moderne Techniken, allen voran Service-orientierte Architekturen (SOA), werden es ermöglichen, dass einzelne Services beziehungsweise Softwarekomponenten einfacher zu integrieren und auszutauschen sind. Das kommt letztendlich den Anwendern zugute und wird die Kosten für den IT-Betrieb weiter reduzieren. Jeder, der heute vor der Anschaffung neuer Softwarekomponenten steht, sollte daher alle Optionen sorgfältig prüfen. (ba)