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12.10.1984 - 

Camp'84 in Berlin befaßte sich mit allen Themen rund um die Grafik:

Sackgassen-System trotz Integration von Bedeutung

BERLIN (rs) - Integration war eines der beherrschenden Themen auf der diesjährigen Kongreß-Messe Camp'84 in Berlin. Doch Einhelligkeit herrschte hier nicht: Auch ein (gemäßigtes) Plädoyer für Insellösungen war zu hören, in dem die Autoren auf den Unterschied zwischen dem technisch Machbaren und dem wirtschaftlich Möglichen hinwiesen. Andere Referate im Berliner ICC befaßten sich mit Themen wie Computergrafik in den Bildenden Künsten, pädagogische Konzepte zur "digitalen" Ausbildung von Künstlern oder Ergonomieaspekte im CAD-Bereich.

Die Anbieter heutiger und vor allem zukünftiger Generationen von CAD-Systemen streben verstärkt integrierte Lösungen an, die den gesamten Entwicklungs-, Konstruktions- und Herstellungsprozeß durchgehend unterstützen sollen. Dabei werden inzwischen erste Ansätze einer Verschmelzung der heute noch getrennten administrativen und der technischen Datenverarbeitung sichtbar.

Insel wird de facto angestrebt

Gegen eine "Verteufelung" der Insellösungen wandten sich W.F. Klos, Daimler Benz, und H. Poths, VDMA, in ihrem Kongreßbeitrag. Mit Insellösungen wolle sich keiner mehr identifizieren, auch wenn er de facto eine Insellösung anstrebe. Die Integrationsthematik stehe in Veröffentlichungen sowie bei Messen, Ausstellungen und Fachtagungen ganz vorn, was auch für die Vertriebsaktivitäten der CAD-Anbieter gelte. In der Tat lassen sich dabei einige Systeme finden, die integrierte Lösungen ermöglichen, doch sind nach Ansicht der Referenten noch erhebliche Anstrengungen auf diesem Gebiet notwendig.

Die Probleme fangen bereits bei der Definition an: Ebenso wie man den Begriff "integrierte Lösung" mehr oder weniger eng oder breit definieren kann, läßt sich auch der Begriff "Insellösung" sehr eng oder etwas weiter fassen. Die Übergänge der Begriffsanwendung können damit fließend sein.

Definiert man nun eine Insellösung als "ein vollständig isoliertes System, bestehend aus fest vorgegebenen Hard- und Software-Komponenten, die keinerlei Schnittstelle zu anderen Hard- oder Software-Komponenten haben und in sich nicht konfigurierbar sind", so existierten Klos und Poths zufolge derartige Systeme praktisch nicht. Denn: Ein vollständig isoliertes System ist zwar eine Insellösung, doch eine Insellösung ist noch lange kein vollständig isoliertes System.

Wichtige Eigenschaften fehlen

Zweckmäßig erscheint es den beiden Autoren daher, die Insellösungen als Systeme zu definieren, denen wichtige Eigenschaften von integrierten Lösungen fehlen. Diese Eigenschaften können

- funktionale Erweiterbarkeit,

- quantitative Erweiterbarkeit,

- Einbeziehung weiterer CAD-Anwendungen,

- Datenbank-Fähigkeit,

- Integrierbarkeit (Existenz von Schnittstellen) und

- Netzwerkfähigkeit sein.

Die Schwierigkeit bei der Systembeurteilung liege nun darin, daß die CAD-Systeme nicht allein nach Existenz oder Nicht-Existenz dieser Eigenschaften beurteilt werden könnten, sondern nur nach dem jeweiligen Erfüllungsgrad dieser Eigenschaften. Diese Betrachtungsweise führt zu den "Sackgassen-Systemen".

Darunter verstehen die Referenten Systeme, die bis zu einem gewissen Grad Integrationseigenschaften nach der obigen Definition aufweisen. Beispiel: Ein System besitzt eine Datenbank, doch ist die Menge der zu verwaltenden Daten auf 20 MB begrenzt. Bezüglich der Datenbankeigenschaft wird dieses System bei einem größeren Datenbestand zu einem Sackgassen-System.

Nun existierten aber viele Anwendungen vor allem in Klein- oder mittelständischen Betrieben, denen solche Sackgassen nichts (oder zumindest vorerst nichts) ausmachen, da die abschätzbare Datenmenge beispielsweise weit unter der maximalen Menge zurückbleibt. Solche Betriebe können sich Insel- beziehungsweise Sackgassen-Lösungen leisten, weil sie im allgemeinen

- ein fest abgestecktes Anwendungsgebiet für CAD,

- eine genaue Vorstellung über die betriebliche Expansion und die Auftragslage sowie

- eine genaue Vorstellung über zukünftige Anwendungen haben.

Keinen Zweifel lassen die Autoren an der Tatsache, daß hohe Produktivitätssteigerungen nur bei einer integrierten Verarbeitung erzielt werden können. Dies hätten bisherige Erfahrungen mit CAD-Systemen gezeigt. Grundlage für die Integrationsfähigkeit der Aufgaben im Unternehmen sei dabei der produktorientierte Informationsfluß.

Ein vollständig integriertes System habe Klos und Poths bisher noch nicht ausgemacht. Um mit den gegebenen Systemen leben zu können, müsse oft ein erheblicher Aufwand für die Erstellung von Kopplungs- und Anpassungssoftware getrieben werden. Dieser Integrationsprozeß vereinfache sich jedoch, wenn CAD-Systeme standardisierte oder weitgehend anerkannte Schnittstellen beinhalten.

Hin zu offenen Systemen

Integration setzt also die Existenz von Schnittstellen voraus. So fordern die Anwender im Zuge des fortschreitenden CAD-Einsatzes in der industriellen Praxis jetzt verstärkt mehrere unterschiedliche Schnittstellen in CAD-Systemen und darüber hinaus auch deren Vereinheitlichung. Dies bedeutet eine Umorientierung weg von den schlüsselfertigen hin zu den offenen CAD-Systemen.

Nur mit offenen Systemen sei es langfristig möglich, die wachsenden Wünsche der Anwender in bezug auf anwenderspezifische Funktionserweiterungen sinnvoll durchzuführen. Ebenso werde damit die Kopplung verschiedener CAD-Systeme möglich.

Schlüsselfertige Systeme sind in der Regel nicht offen. Kopplungen zu den verschiedensten Programmsystemen wie Finite-Elemente-Methoden, numerische Steuerung oder Stücklistenverarbeitung existieren zwar meistens, doch liefere der CAD-Anbieter das entsprechende Kopplungsmodul. Will der Anwender zu einem späteren Zeitpunkt andere Systeme koppeln als vom Hersteller standardmäßig vorgesehen, so ist dies meistens ein sehr schwieriges Vorhaben.

Daher müssen Universalschnittstellen gefordert werden wie

- Datenschnittstelle zur Kopplung verschiedener CAD-Systeme (beispielweise IGES);

- Datenschnittstelle zur NC-Programmierung (zum Beispiel CLDATA, EXAPT);

- Schnittstelle zur Übertragung von Flächendaten wie VDAFS;

- Datenschnittstelle zu Berechnungsprogrammen wie Finite-Elemente-Methode;

- Grafikschnittstelle (zum Beispiel GKS);

- Schnittstelle zur rechnerinternen Objektdarstellung (Datenbank) oder

- geometrieorientierte Fortran-Schnittstelle.

Wie eine Integration erfolgen kann, hängt letztlich von problem- und betriebsspezifischen Faktoren ab. Transparenz und Standardisierung wichtiger Systemschnittstellen sind ein Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.

Den Bereich "Computergrafik in den Bildenden Künsten" bestritten im Berliner Kongreßzentrum zum größten Teil Referenten aus den USA. So wurde beispielweise gezeigt, wie Trickfilmszenen aus dem Computer kommen können. Dabei sind große Anstrengungen der Entwickler derartiger Systeme nötig, um eine Einschränkung der Kreativität des Künstlers zu vermeiden.

Einen hohen Bedarf an "digital ausgebildeten" Künstlern sah Frank Dietrich von der West Coast University. Es könne keinen Zweifel darüber geben, daß auch die Künstler in Zukunft Computersysteme benutzen müßten, doch immer noch würden sie mit herkömmlichen Werkzeugen geschult. Das Referat informierte über mögliche Unterrichtsreihen, verfügbare Einrichtungen, Anwendungssoftware sowie pädagogische Konzepte.

Ein großes Potential für die kreative Bilderstellung und kreative Ausdrucksformen schrieb Joan Truckenbrod vom Art Institute of Chicago dem Computer zu. Sie würden die Kunst durchdringen und dem Grafiker ein "erfreuliches Medium" an die Hand geben, mit dem Bilder, Ideen und sogar Gefühle oder Emotionen ausgedrückt, umgesetzt und gestaltet werden könnte.

CAD-Benutzer arbeiten dynamischer

Im Rahmen der Sonderthemen befaßte sich G.H. van der Heiden vom EH-Zentrum/Schweiz, mit ergonomischen Aspekten im CAD-Bereich. Eine Felduntersuchung an CAD-Bildschirmarbeitsplätzen registrierte beispielsweise die Handhabung von Tastatur oder Digitalisiertablett. Als wesentliche Unterschiede im Vergleich zur Daten- und Textverarbeitung kristallisierte sich heraus:

1. Die Dynamik der Arbeitsabläufe bringt regelmäßige körperliche Abwechslung mit sich und verhindert so Zwangshaltungen.

2. Der Blick der Benutzer ist im Vergleich zur Datenverarbeitung häufig auf den Schirm gerichtet (rund 46 bis 68 Prozent der CAD-Arbeitszeit).

Die Untersuchung zeigte, daß der Beleuchtungsniveau an CAD-Arbeitsplätzen häufig sehr niedrig ist. Dies könnte eine Folge verschiedener Maßnahmen sein, mit denen Reflexionen auf dem Bildschirm verhindert werden sollten. Ferner stellten die Autoren der Ergonomie-Studie gelegentlich sehr hohe Helligkeitskontraste im Gesichtsfeld der Benutzer fest. Die Verfasser empfehlen daher den CAD-Abteilungen, geeigneten Beleuchtungseinrichtungen und einer günstigen Positionierung der CAD-Plätze bezüglich Fenstern und Leuchtkörpern eine große Bedeutung beizumessen.