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05.06.1998 - 

Börsengang soll 1999 die Restrukturierung abschließen

SAG sieht im E-Commerce ihre neuen Kernkompetenzen

"Es gibt eine neue Software AG. Wir haben das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten massiv verändert." Mit dieser Aussage nahm Königs noch einmal Bezug auf den harten Restrukturierungskurs, den er zu Beginn seiner Tätigkeit als SAG-Chef vor rund eineinhalb Jahren eingeleitet und dann auch in die Tat umgesetzt hat. Mit sich jetzt immer deutlicher abzeichnendem Erfolg: Die Darmstädter haben nach den Verlustjahren 1994, 1995 und 1996 im zurückliegenden Fiskaljahr 1997 den Turnaround geschafft.

Die offizielle Bilanz 1997 bestätigt tendenziell die bereits Anfang des Jahres veröffentlichten vorläufigen Geschäftszahlen. Danach beträgt der Konzernumsatz 628 Millionen Mark, was einem Wachstum von 14,4 Prozent auf vergleichbarer Basis gegenüber 1996 entspricht. Das Ergebnis nach Steuern beziffert die SAG mit 47,7 Millionen Mark, während im Vorjahr noch ein Jahresfehlbetrag von 48,9 Millionen Mark ausgewiesen werden mußte. Die positive Geschäftsentwicklung war in nahezu allen Bereichen und weltweiten Regionen, in denen das Unternehmen tätig ist, zu spüren, hieß es. Der auf den ersten Blick im Vergleich zum Vorjahr (758,9 Millionen Mark) deutlich niedrigere Umsatz hängt, wie Königs erläuterte, mit der durch den Verkauf der Mehrheit an der US-Tochter Software AG Systems Inc. (SAGA) zum 1. April 1997 geänderten Darstellung der US-Umsätze im Konzern zusammen. So werden seit diesem Zeitpunkt nicht mehr die Bruttoumsätze des US-Lizenzgeschäfts ausgewiesen, sondern lediglich der Royalty-Anteil der SAG aus dem Nordamerika-Geschäft.

Königs zeigte sich bei der weiteren Kommentierung der Geschäftszahlen bemüht, weniger die finanzielle Gesundung des Unternehmens in den Mittelpunkt zu stellen.

Neben einem drastischen Sparkurs und der Aufgabe unrentabler Geschäftsbereiche hat sich die SAG im abgelaufenen Geschäftsjahr nochmals von gut 1000 ihrer Ende 1996 noch rund 3200 Mitarbeiter getrennt. Nun stünden jedoch die neu gewonnene Handlungsfähigkeit und vor allem strategische Ausrichtung im Vordergrund. Mehr als zwei Drittel des ausgewiesenen Gewinns seien "bereits wieder operativer Profit". Im übrigen habe man sich eine gute Ausgangsbasis in künftigen Wachstumsmärkten geschaffen.

Der SAG-Chef spielte damit auf die unübersehbare Fokussierung seiner Company auf Middleware-Produkte für die Microsoft-Welt an. Dazu zählt vor allem die seit einigen Monaten verfügbare Lösung "Entire X", bei der die SAG eigenen Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit der Gates-Company das Komponentenmodell DCOM (Distributed Component Object Model), das ursprünglich nur in Windows-Umgebungen einsetzbar war, erstmals für verschiedene Unix-Varianten und OS/390 entwickelt hat. Damit ist es laut Königs möglich, die Microsoft-Welt mittels Componentware in unternehmenskritische Unix- und Mainframe-Anwendungen zu integrieren.

Auf Componentware baut aber auch "Bolero" auf, eine objektorientierte Entwicklungsumgebung für die Erstellung von DCOM-basierten Java-Anwendungen, die als weitere Produktneuheit der SAG ab dem dritten Quartal 1998 ausgeliefert werden soll. Bolero soll sich vor allem zur Konstruktion Server-basierter Softwarekomponenten für operative E-Commerce-Anwendungen eignen.

Daß sich die Darmstädter mit ihrer sehr Microsoft-lastigen Middleware-Strategie nach dem Geschmack vieler Experten auf (noch) sehr dünnem Eis bewegen, wollte Helmut Wilke, für Vertrieb, Marketing und Services zuständiges SAG-Vorstandsmitglied, nicht gelten lassen. "Hätten wir uns für Corba (Common Object Request Broker Architecture, Anm. d. Red.) entschieden, wären wir heute ein Me-too-Anbieter. So haben wir bis auf weiteres ein Alleinstellungsmerkmal", begründete der Marketier den Ansatz seiner Company. Klare Haltung der SAG sei es im übrigen, sich "nicht an Religionskriegen zu beteiligen". Wahrscheinlich aber auch, nicht auf den Erfolg der Microsoft-Technik angewiesen zu sein. Sämtliche denkbare Java-Versionen werden jedenfalls Wilke zufolge durch die eigenen Produkte mit entsprechenden Compilern unterstützt. Gleiches gelte für Schnittstellen zu Corba-basierten Middleware-Lösungen anderer Hersteller, die durch "Corba-Bridges" geschaffen würden.

Doch bis der Middleware-Trumpf der SAG sticht, dürfte noch ein etwas Zeit vergehen. Auch im Geschäftsjahr 1997 trugen die klassischen Produkte der Darmstädter, die Datenbanklinie "Adabas" sowie die Cobol-Entwicklungsumgebung "Natural", 70 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Beide Produktfamilien werden deshalb, wie bereits vor längerem angekündigt, am Markt gehalten und modernisiert. Doch bereits im laufenden Jahr soll nach den Vorstellungen der SAG-Verantwortlichen auch im Middleware-Geschäft die Post abgehen. Verdoppelung des Umsatzes steht als bescheidenes Ziel im Businessplan - vor allem der vielzitierte E-Commerce soll es richten. SAG-Marketing-Chef Wilke begründete seinen Optimismus so: "E-Commerce wird scheitern, wenn der Front-end-Rechner ohne Verbindung zum internen Warenwirtschaftssystem bleibt."

Wenn sich diese mehr oder weniger deutliche Neuorientierung der SAG wie erwartet in den Geschäftszahlen niederschlägt, möchte Vorstandschef Königs das Unternehmen binnen der nächsten zwölf Monate an die Börse bringen. Zweite Voraussetzung: "Das derzeit gute Börsenklima muß anhalten." Geplant sei eine Emission im amtlichen Handel in Frankfurt sowie gleichzeitig ein Börsengang in den USA, wobei bei letzterem noch keine Details feststehen. Ziel des Going Public sei, so Königs, weniger die Finanzierung des Wachstums: "Die SAG ist bereits ein Global Player und hat genügend Geld auf der Bank". Aber man müsse für die Zukunft mehr denn je an Akquisitionen denken, und die "finanziert man nicht mit Cash". Darüber hinaus wolle man sich durch die Möglichkeit der Gewährung von Stock-options "interessanter für neue Mitarbeiter" machen.