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Senkung der Wartungskosten um mehr als 60 Prozent


03.12.1998 - 

Sage KHK will den Streit mit den Händlern beenden

CW-Bericht, Hermann Gfaller MÜNCHEN - Sage KHK sucht einen Kompromiß mit seinen unzufriedenen Händlern. Einem neu gegründeten Händlerbeirat ist es gelungen, dem Hersteller kaufmännischer PC-Software ungerechte Preise infolge einer Lizenzveränderung auszureden.

Das Friedensangebot von Sage KHK, Frankfurt, besteht im wesentlichen in einer dramatischen Senkung der Wartungspreise. Zahlten Händler, die alle fünf Module der kaufmännischen Software "Classic-Line ''97"erworben hatten, bis jetzt 42000 Mark Wartungsgebühren, so sollen sie in Kürze nur noch 19500 Mark zahlen.

Nach Auskunft des Sage-KHK-Geschäftsführers Christoph Michel haben ihn die Argumente und das Zahlenmaterial des auf der Münchner IT-Messe Systems Ende Oktober ins Leben gerufenen Händlerbeirats von der Ungerechtigkeit der alten Preise überzeugt. Zu hoch seien sie insbesondere für kleinere Händler mit wenigen Kunden gewesen. Noch auf der Systems hatte Michel diese Vorwürfe als Einzelaktionen von Leuten abgetan, die sich auf Kosten anderer einen Vorteil verschaffen wollten.

Mit seinem Entgegenkommen hofft Michel, die verärgerten Händler zu besänftigen, zu deren Hauptargumenten die Wartungspreise gehören und die inzwischen eine Sammelklage angestrengt haben, um - wie sie sagen - für den Schutz ihrer Investitionen in KHK-Software zu kämpfen. Daran beteiligen sich rund 50 von insgesamt rund 2000 KHK-Händlern. An die Spitze dieser Bewegung hat sich eine kürzlich gegründete KHK-Händlervereinigung gestellt, die bislang rund 40 Mitglieder zählt.

Von diesen Aktivitäten sowie von der Klage distanziert sich der eher KHK-freundliche Beirat. Er hat sich eigener Darstellung zu- folge gegründet, um einen konstruktiven Dialog mit Sage KHK zu suchen, anstatt die Konfrontation wie die KHK-Händlervereinigung, von der man sich daher nicht repräsentiert fühle. Allerdings existieren nun miteinander konkurrierende Interessenvertretungen.

Hintergrund des Dauerstreits ist die bereits vor der Übernahme durch die englische Sage-Gruppe vom Hersteller in Angriff genommene Umstellung des Lizenzverfahrens. Beim bislang verwendeten "Free-Licence"-Modus erhielten die Händler ihre Software zu einem relativ hohen Einmalpreis, konnten sie dann aber beliebig oft weiterverkaufen. Bei der jetzt vom Hersteller bevorzugten Einmallizenz ist zwar der Einstiegspreis geringer, doch dafür müssen die Händler pro verkaufte Lizenz Gebühren an Sage KHK abführen.

Die Art, wie KHK und seit mehr als eineinhalb Jahren Sage KHK die Einmallizenz einführen, wird bekanntlich von einigen Händlern als kompromißlose Methode empfunden, um die noch vorhandenen Free-Licence-Produkte letztlich vom Markt zu verdrängen.

Zu den strittigen Punkten gehört neben den hohen Wartungskosten, die Konkurrenzsituation der älteren Free-Licence-Software "Classic Line ''97" zur "Classic Line 2000", die in Einzellizenz vermarktet wird. Die Händler werfen KHK vor, das moderne Produkt massiv zu bewerben und damit die Classic Line ''97 unverkäuflich zu machen. Anders als die noch unter MS-DOS laufende Free-Licence-Variante arbeitet das aktuelle Produkt mit den grafischen Windows-Betriebssystemen von Microsoft und ist zudem ab Ende November 1998 in vollem Umfang Euro-fähig.

Um auch mit dem Free-Li- cence-Produkt für das Euro-Einführungsjahr 1999 gerüstet zu sein, hat ein Händler per einstweiliger Verfügung erzwingen müssen, daß das Unternehmen keine voll Euro-fähige Classic Line 2000 ausliefern durfte, solange die Classic Line 97 nicht ebenfalls in vollem Umfang Euro- und Jahr-2000-fähig gemacht wurde. Dieser Aufforderung ist KHK inzwischen nachgekommen, zumal 48 Händler das Fehlen dieses Features als existenzbedrohend bezeichnet hatten.

Da bislang jedoch erst 28 Bestellungen für die verbesserte Produktversion eingegangen sind, argumentiert Michel, daß diese Funktion so wichtig doch nicht gewesen sein könne. Vielmehr gehe es einigen wenigen Händlern nur um die Beibehaltung des Free-Licence-Verfahrens. Daß die weitaus meisten Händler hinter Sage KHK stünden, belegen laut Michel die 1400 von insgesamt rund 2000 Händlern, die bereits in das Geschäft mit der Einzellizenz eingestiegen seien. Er räumt allerdings ein, daß fast alle Händler noch Kunden mit den älteren Produkten zu betreuen hätten.

Das seit Jahren andauernde Gerangel zwischen KHK-Händlern und Softwarelieferant beginnt mittlerweile auch die Endanwender zu beunruhigen. "Nach erfolgreichen Produktvorführungen müssen wir immer häufiger zu dem Konflikt Stellung beziehen. Das schadet dem Ansehen der Software und damit unserem Verkaufserfolg", berichtet Herwig Picht, Eigentümer der Bamberger Picht EDV-Systeme und Mitglied des neuen Händlerbeirats.

Den Ärger der KHK-Händler versuchen inzwischen, Konkurrenzunternehmer für sich zu nutzen. So wirbt etwa die Stern Elektronik GmbH, Berlin, damit, daß es bei ihrem kaufmännischen Paket "Prokural SQL" keine hohen Anschaffungskosten gebe, weil nur für die Nutzung der Software Gebühren anfallen. Diesen Vorteil gebe der Händler zwar an den Endkunden weiter, er könne aber Einsatzvorbereitung und die Installation in Rechnung stellen. Die Schulung ist kostenlos.

Newcomer Aparis könnte KHK gefährlich werden

Ganz nah an der Klientel von Sage KHK ist der Newcomer Aparis Software GmH, Weil am Rhein. Das Unternehmen wurde von ehemaligen KHK-Mitarbeitern gegründet, die sowohl die Händler als auch ihre Bedürfnisse kennen. Sie haben sich eine neu entwickelte Software gekauft, die keine Probleme mit dem Jahr 2000 oder dem Euro kennt. Weitere Vorteile sind die Verwendung von Standardtechniken und Plattformen, wie der Entwicklungsumgebung Delphi, der Betriebssysteme Windows 95, NT und von SQL-Datenbanken - vorerst allerdings nur Interbase von Inprise (ehemals Borland) und Microsofts SQL Server. Außerdem führt Aparis das Free-Licence-Verfahren in leicht modifizierter Weise weiter, das Sage KHK gerade abschafft.