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01.10.1982

Salon politique

"A l'annèe prochaine" - bis zum nächsten Jahr also schließt Frankreichs größte Informatik-Show die Pforten. Die Stimmung während dieser Tage in Paris war gut - nicht nur wegen der Kontakte, die allerorten aufgefrischt oder auch neugeschaffen wurden, nicht nur wegen guter Verkaufsabschlüsse, die getätigt wurden. Im Gegensatz zu bundesdeutschen Messen erfüllt die "Sicob" auch politische Funktionen.

War's letztes Jahr François Mitterand, der kurz vor Messebeginn mit seinem Nationalisierungsplan für lange Gesichter sorgte, so hatte sein Minister diesmal einen besseren Part: Wenn auch nur teils konkret, so gab es doch Erquickliches für Frankreichs Industrie zu hören.

Von sechs Milliarden Francs verschiedener Budgets für elektronische Projekte war die Rede, der Schaffung neuer Arbeitsplätze und Zuwachsraten allerorten. Konkret geplant, die Bildung eines Pools der Großen, die sich fortan in Recherche und Investition abstimmen sollen. Auch die Rückführung der Thomson-Tochter Sems zur Cii-Honeywell Bull gehört dazu. Weiter das hohe Ziel, bis '86 fast die Hälfte des Inlandsmarktes für Minicomputer mit Rechnern aus eigener, nationaler Schmiede abdecken zu können.

Man war's zufrieden. Nicht nur, daß die leidige französische Hochzeitspolitik ein Ende nehme, auch daß man sich nun auf Frankreichs eigentliche Potenz besinne, stimmte froh. Hinzu kommt das Gefühl, daß was passiert - und sei es nur beim Pläneschmieden. Daß sich die hohen Ziele an Realitäten werden messen müssen, ist klar. Den Schwarzen Peter, sprich: den Zugzwang, den haben jetzt die Bosse in der Wirtschaft. Strittig und unter ihnen auszumachen bleibt zum Beispiel, wer denn nun die Führung in dem Super-Pool übernehme, wer welche Karten offenlegt.

Als Trumpf gespielt wird regierungsseitig wohl die Cii. Jacques Stern, Cii-Boß, so heißt es, sei aufgefordert, der Regierung seine Strategie darzulegen. Das tut dem kranken Riesen gut - zumindest psychologisch.

Zufriedene Gesichter auch im Hause Thomson. Sein partieller Rückzug aus der Informatik schafft Raum für andere Ideen. Bei CGE, dem Dritten im Bunde, war allerdings Skepsis festzustellen - man fürchtet um die Position.

Ein herzliches Willkommen galt trotz Nabelschau allen Fremden auf der Show. Die Hauptdarsteller sind sich klar, daß Autarkie allein nichts bringt.