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26.06.1992

Same old Story

Nein, es soll hier nicht die Klage angestimmt werden von der guten, alten Zeit. Auch für die DV-Szene gilt, daß nicht alles, was von gestern ist, auch gut sein muß. Aber man hatte seine Orientierangsbojen im uferlosen PC-Meer der Hersteller. Auf einer dieser Bojen stand Compaq.

Es gab Zeiten, da beanspruchte Compaq zu Recht technologische Führerschaft: Schon früh erkannte Ex-Compaq-Chef Canion, daß Monobus-Strukturen auch PCs schnell in die Sackgasseführen: Der Flex-Bus war geboren.

Als die IBM auch in der PC-Welt mit dem Mikrokanal Proprietät wieder zum Prinzip erheben wollte, war es Edel-Cloner Compaq, der den Club der neun Hersteller anführte, die sich EISA auf die Fahnen schrieben. Dem Anwenderbedürfnis nach Investitionsschutz war Genüge getan, Big Blue isoliert.

Es gab Zeiten, da erkundigte sich die japanische Konkurrenz sorgenvoll bei Insidern, was denn demnachst in der Laptop-Arena von den Texanern zu erwarten sei. Mit dem Systempro lauteten Canions Entwickler die Ära der PC-basierten Superserver ein, die Midrange-Rechnern das Fürchten lehren. Mit Fug und Recht ließ sich sagen, es sei nun einmal etwas teurer, mit Compaq das Nonplusultra der PC-Rechnertechnologie auf dem Tisch stehen zu haben.

Und heute? Als Compaq die niederschmetternden Jahresergeinisse von 1991 veröffentlichte, führte Canion-Nachfolger Eckhard Pfeiffer "die ständig sinkenden Preise und die damit verbundenen niedrigen Margen" als Gründe für Compaqs Ertragslage an. Antwort: Man senkte die Preise noch mehr.

Als Dell, Compuadd, Northgate, Gateway und Mitstreiter schon lange auf den Trichter gekommen waren, daß durch Ausschaltung des Zwischenhandels sowohl Hersteller als auch Kunden Geld sparen können, ohne daß dies mit Qualitätseinbüßen bezahlt werden muß, rumpfte man beim Nobelhersteller Compaq die Nase über solchen direkten Käuferzugang Antwort heute: Per Telefonverkauf soll die Low-cost-Palette der Compaq-Rechner verhökert werden.

Wo bleibt die Innovation der früheren Tage? Compaq gibt 5,7 Prozent seines Umsatzes für den FuE-Bereich aus. Der Branchendurchschnitt liegt bei zwölf Prozent. Da trocknet Neuerangskraft langsam aus.

Bleiben die Produkte selbst: Compaq verkauft sie als "drei absolut neue Produktlinien mit 14 Produktfamilien und 42 Modellen". Diese Aussage ist schlicht falsch - wirklich neu sind einzelne Rechnermodelle, Grafiksubsysteme und einige Software-Erweiterungen.

Gemein mit allen anderen Clonern haben die Texaner die Probleme der PC-Branche. Gleich lauten die Antworten. Gleich waren bisher auch die Entlassungen im großen Stil. Und gleich ist das optimistische Minenspiel der Manager. Das dürfte nicht reichen.

jm