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01.08.1997 - 

Neue Chancen für mittelständische Entwickler und Anwender

San Francisco und Comunity verringern die Kosten

Das Ziel von San Francisco und Comunity ist dasselbe. Software-Entwickler sollen in die Lage versetzt werden, veraltete Anwendungen rasch und kostengünstig durch aktuelle Technik zu ersetzten. Beiden Produkten liegt eine Art Softwarebus zugrunde, in den Applikationen eingeklinkt werden können. Auf diese Weise befreien die Konzerne SNI und IBM die Softwerker von der aufwendigen Entwicklung der Basisfunktionen ihrer Anwendungspakete. Im Falle von San Francisco ist davon die Rede, daß dieser Anteil bei etwa 40 Prozent des Gesamtsystems liegt, bei Comunity soll der Wert sogar bis zu 80 Prozent betragen können.

Erst diese Reduktion des Entwicklungsaufwands schafft für einige Anbieter die Voraussetzung, daß sie sich eine grundlegende Erneuerung der Produkte überhaupt leisten können. Bislang stellte für sie jede neue Technik von Client-Server über Java und Componentware eine Existenzbedrohung dar. Ihre Einführung war teuer und riskant, sie nicht anzubieten kam hingegen der Aufforderung an die Kunden gleich den Lieferanten zu wechseln. Aufgrund dieser Unsicherheit versuchte eine Reihe von Anbietern, sich durch den Vertrieb für ein erfolgreiches Großunternehmen, etwa die SAP, ein zweites Standbein zu schaffen.

Die bisherige Entwicklung ging auch auf Kosten der Anwender. In den vergangenen Jahren wurde es immer schwieriger, einen zukunftsträchtigen Anbieter zu finden, der zudem bereit war, sich auch auf die individuellen Wünsche mittelständischer Kunden einzulassen. Die durch San Francisco und Comunity mögliche Frischzellenkur bietet nun die Chance, einen reichhaltigen Markt wiederzubeleben, wie es ihn zu den Hochzeiten der Midrange-Systeme in den 70er und 80er Jahren insbesondere rund um Nixdorfs Anwendungspaket "Comet" und um IBMs Schrägstrich-Systeme /36, /38 und AS/400 gegeben hat.

Den immer noch rund 18000 Comet-Kunden bietet Nixdorf-Nachfolger SNI zwar mit ALX-Comet und ALX bereits Lösungen an. Die Zukunft gehört aus Unternehmenssicht jedoch dem Anwendungsbus Comunity und der dazugehörigen Entwickungsumgebung Comunity Visual Framework (CVF), dem eigentlichen San-Francisco-Konkurrenten. Für Comunity existieren bereits Module für Logistik und Handel, die aber noch nicht mit CVF geschrieben sind. Ein Modul Rechnungswesen für Kfz-Händler ist jedoch bereits in Arbeit.

So weit ist man auf IBM-Seite noch nicht, wo San Francisco wesentlich zur Erneuerung des betriebswirtschaftlichen AS/400-Pakets MAS 90 beitragen soll. Aber selbst die Softwerker der IBM werden ein Modul Finanzbuchhaltung für das MAS-90-Nachfolgesystem "BMS Open" nicht vor 1998 auf den Markt bringen können. Auch Partner wie die GUS AG sehen San-Francisco-basierte Produkte nicht vor der CeBIT nächsten Jahres. Außerdem baut man dort vorsichtshalber noch die Microsoft-basierten Produkte aus. Dennoch lautet die Nachricht an die vielen Midrange-User: Es gibt eine klar definierte Zukunft auf Anwendungsseite. Der Zickzackkurs zwischen C++, Taligent, OS/2 und Unix wurde zugunsten von Java und Plattformunabhängigkeit beendet.

Insbesondere die Java-Entscheidung ruft bei AS/400-Entwicklern große Erleichterung hervor. Als RPG-Programmierer sind sie die hardwarenahe Programmierung mit der ursprünglich vorgesehenen C++-Sprache nicht gewohnt. Ihnen steht das Interpreter-Konzept von Java viel näher. Hinzu kommt neben der quasi eingebauten Inter- und Intranet-Fähigkeit die Möglichkeit, mit ein und demselben Code für im Prinzip jede Systemplattform zu schreiben, wodurch sich das Kundenpotential gewaltig vergrößert. Allerdings geht der für BMS Open zuständige IBM-Manager Peter Kirn davon aus, daß es aus Performance-Gründen über kurz oder lang plattformspezifische Java-Compiler geben wird. Sein Bereich arbeite bereits an einer solchen Software für die AS/400. San Francisco selbst soll in der ersten Version für Windows NT, die Unix-Derivate von IBM und HP sowie für OS/400 herauskommen.

Die User profitieren von dieser Plattformunabhängigkeit vor allem dadurch, daß sie ihre Anwendung unabhängig vom momentanen oder geplanten System-Mix einsetzen können. Die Internet-Features geben ihnen zudem die Möglichkeit, bei der Ablauforganisation (Intranet) sowie beim Geschäftsverkehr (Extranet) alle aktuellen Möglichkeiten auszuschöpfen.

SNI hat sich dagegen mit Comunity auf die Betriebssysteme und die Visual-Basic-Sprache von Microsoft eingeschränkt. Aufgrund der Marktdominanz von Microsoft spielt das jedoch auf Client-Seite kaum eine Rolle, und auch als Workgroup-Server ist Windows NT inzwischen etabliert.

Als problematischer könnte sich mittelfristig die Festlegung auf die Active-X-Komponententechnik herausstellen. Anders als bei dem vollständig objektorientierten Ansatz von San Francisco wird hier auf die Vererbungseigenschaft verzichtet. Dadurch wird die Flexibilität eingeschränkt. Die Eigenschaften der Objekte lassen sich nicht einfach erweitern, vielmehr müssen sie durch maßgeschneiderte Komponenten ersetzt werden.

Da sowohl die IBM als auch SNI neben dem Entwicklungs-Framework eigene Anwendungen dafür anbieten, stellt sich die Frage, ob hier nicht den Geschäftspartnern Konkurrenz gemacht wird. Im Falle von Comunity fällt zum Beispiel auf, daß die wenigen bekannten Projekte von Siemens-Nixdorf selbst betreut werden. Allerdings gibt das Unternehmen als Zielmarkt vor allem die USA an, obwohl fast alle bisher bekannten Partnerfirmen in Europa beheimatet sind. Das deutet auf eine Art regionalen Konkurrenzschutz für hiesige Entwickler.

Die IBM geht hier anders vor (siehe Interview). Sie begrenzt die Funktionen von BMS Open auf die Finanzbuchhaltung und Personalwirtschaft, die dann zusammen mit San Francisco an Partner abgegeben werden, die das Rahmenwerk mit zusätzlichen Modulen auffüllen, verkaufen und danach Runtime-Lizenzen abführen sollen. Der Zielmarkt ist in diesem Falle ausschließlich Europa, da sich die IBM Corp. eigentlich aus dem Anwendungsgeschäft zurückziehen will. Aus US-Sicht ist BMS Open ein Projekt, um die bestehende Kundschaft aus dem Mittelstand - insbesondere die vielen AS/400-User - nicht im Stich zu lassen. Natürlich geht es wie bei SNI aber auch darum, diesen Markt nicht kampflos Großanbietern wie der SAP zu überlassen.

Großes Gerangel gibt es zwischen SNI und Microsoft um das erste Großprojekt für die jeweiligen Frameworks. So nehmen beide für sich das Fiscus-Projekt der deutschen Finanzbehörden in Anspruch. Erst nach mehrfachem Nachfragen ist zu erfahren, daß eine endgültige Entscheidung über die Auftragsvergabe noch nicht gefallen ist. Sie wird voraussichtlich nächstes Jahr getroffen, wenn die Pilotprojekte beendet sind, die San Francisco und Comunity, konret Comunity Visual Framework, gerade durchlaufen.