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03.04.1998 - 

Neue Strategie einer Mehr-Produkt-Company bekräftigt

SAP AG sieht ihre Rolle als Branchenprimus gefestigt

Bilanzpressekonferenzen werden von Unternehmen traditionellerweise zur Standortbestimmung genutzt. Und so war es für Beobachter kaum verwunderlich, daß die SAP AG den Event auch dazu verwendete, den für Mai angekündigten Wechsel im Vorstand offen zu demonstrieren. Vorstandschef Dietmar Hopp sprach von einem "Geschäftsjahr nach Maß", in dem es erneut gelang, die wichtigsten Wettbewerber Oracle, Baan und Peoplesoft "klar auf Distanz zu halten", bedankte sich für die "fairen Kommentare" der Presse zu seinem Ausscheiden als Vorstandssprecher und überließ ansonsten seinem designierten Nachfolger Henning Kagermann sowie Mitbegründer und Vorstand Hasso Plattner das Feld für strategische Aussagen.

Kagermann konnte wie erwartet einen nur minimal von den im Januar vorgelegten vorläufigen Bilanzzahlen abweichenden Jahresabschluß 1997 präsentieren. So stieg der Umsatz der Walldorfer gegenüber dem Vorjahr um 61,7 Prozent auf rund 6,02 Milliarden Mark, das Ergebnis nach Steuern kletterte um 63,1 Prozent auf 925,4 Millionen Mark. Als Gewinn je Aktie werden 8,87 Mark ausgewiesen, was einem Plus von 61,9 Prozent entspricht (siehe Tabelle). Neben der anhaltend guten Geschäftsentwicklung wurde das Umsatzwachstum auch durch den starken Dollar beeinflußt - ein Umstand, der dem SAP-Vorstand zufolge die Einnahmen um rund elf Prozent anhob.

Als größter Wachstumsmarkt entpuppte sich für SAP erneut der amerikanische Kontinent mit einem Sprung von 87 Prozent auf ein Umsatzvolumen von 2,60 Milliarden Mark.

Allein in den USA stiegen die Einnahmen im Vergleich zu 1996 um 82 Prozent auf 2,11 Milliarden Mark. In Europa (ohne Deutschland) nahm der Umsatz um 58 Prozent auf 1,40 Milliarden Mark zu. In Deutschland kletterten die Umsätze der Walldorfer um 26 Prozent auf 1,15 Milliarden Mark. Damit blieb die Bundesrepublik hinter den USA der zweitgrößte Markt der SAP. In der Region Asien-Pazifik verbesserten sich die Erlöse um 69 Prozent auf 785 Millionen Mark. Der Hauptanteil des SAP-Umsatzes entfiel auf das Produktgeschäft, das um 56 Prozent auf 4,10 Milliarden Mark stieg. Davon brachte allein die Standardsoftware R/3, die laut Kagermann weltweit mittlerweile mehr als 13 000mal installiert worden ist, rund 3,87 Milliarden Mark (plus 63 Prozent) in die Kasse des Softwareriesen. Die restlichen Einnahmen verteilten sich 1997 auf die Bereiche Beratung mit 1,25 Milliarden Mark (plus 70 Prozent), Schulung mit 580 Millionen Mark (plus 90 Prozent) sowie sonstige Erlöse mit 89 Millionen Mark (plus 78 Prozent).

Für das laufende Geschäftsjahr erwarte der SAP-Vorstand eine Umsatzsteigerung zwischen 30 und 35 Prozent, wagte Kagermann einen bei SAP schon gewohnt verhaltenen Ausblick. Der operative Gewinn vor Steuern - 1997 gegenüber dem Vorjahr um 72,3 Prozent auf rund 1,67 Milliarden Mark gestiegen - dürfte sogar um ein bis zwei Prozentpunkte abnehmen. Ursächlich dafür sei die geplante Einstellung von bis zu 5000 neuen Mitarbeitern und der damit verbundene Anstieg der Kosten. Darüber hinaus habe man in der Prognose den ertragsmindernden Effekt eines neuen Mitarbeiter-Beteiligungsmodells noch nicht berücksichtigt.

Scope-Produkte so wichtig wie ERP-Lösungen

Vorstandssprecher Plattner unterstrich noch einmal die Wandlung der SAP von einem Ein-Produkt- zu einem Mehr-Produkt-Unternehmen. 1998 werde das Unternehmen erstmals Produkte anbieten, die sich unabhängig von R/3 installieren lassen, spielte der SAP-Mitbegründer auf die vor zwei Wochen auf der CeBIT angekündigten Einzelkomponenten im Rahmen des Projektes "Supply Chain Optimization, Planning and Execution" (Scope) an. Aus dem ehrgeizigen Ziel, das sich die Waldorfer in dem für sie neuen Business für Customer-Service- und Sales-Force-Automation-Lösungen gesteckt haben, machte Plattner dabei kein Hehl: Man gehe davon aus, zusammen mit den Produkten der neuen Tochter Kiefer & Veittinger einen ähnlich großen Marktanteil (rund 30 Prozent) wie bei den ERP-Systemen zu erreichen.

Im Kerngeschäft mit R/3 verspricht man sich vor allem Impulse von der im vergangenen Jahr eingeleiteten Reorganisation in einzelne Industrie-Geschäftsbereiche, mit der SAP die Entwicklung branchenspezifischer Lösungen vorantreiben möchte. "Unsere Kunden erwarten eine langfristige Lösung ihrer Anwendungsprobleme. Diesem Anspruch wollen wir dadurch gerecht werden", unterstrich Plattner den Ansatz seiner Company, mehr und mehr auch als Service-Provider im Markt aufzutreten.

Ziel: Marktführerschaft im Mittelstandsgeschäft

Überdies blasen die Walldorfer im Mittelstandsgeschäft quasi zur Schlußoffensive. 1997 habe man, so Plattner, 38 Prozent des R/3-Neugeschäfts bei Firmen mit einem weltweiten Umsatz von weniger als 200 Millionen Dollar realisieren können. Die Marktführerschaft in diesem Segment sei jetzt "ein klares strategisches Ziel der SAP". Wie überhaupt die Wettbewerber sich warm anziehen müßten. So sei es der SAP im vergangenen Jahr gelungen, die Zahl der Win-Backs, also der von der Konkurrenz zurückgewonnenen Aufträge, erneut zu steigern. Plattner wertete dies als Beleg für Zuverlässigkeit und Innvovationskraft gleichermaßen. Es zahle sich eben aus, daß man sich in der Vergangenheit "auf Kerngeschäftsfelder konzentriert und nicht verzettelt hat".