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12.03.1993 - 

Entwicklung der Personalwirtschaft RP zurueckgedreht

SAP-Anwender fuerchten um Fortbestand von R/2

"Ueberraschend teilte uns die SAP mit, dass sie beabsichtige (. . .), keine internationale Personalabrechnung anzubieten", ereifert sich ein aufgebrachter Grossanwender in einem Brief an die COMPUTERWOCHE. Eine Ausnahme stelle nur der deutschsprachige Raum dar, dort sei auch kuenftig die Personalwirtschaft in der Landessprache erhaeltlich. Zitieren lassen moechte sich der Informant unter keinen Umstaenden. Seine Begruendung: "Da wir auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit der SAP AG angewiesen sind, bitten wir bei einer Veroeffentlichung des Sachverhaltes strengstens auf Anonymitaet zu achten." Trotzdem habe er sich bemuessigt gefuehlt, die "Oeffentlichkeit zu warnen".

Was ist geschehen? Das Unternehmen des betroffenen Anwenders agiert international und ist vor allem in Frankreich stark engagiert. Als SAP-erfahrener Pilotkunde sollte es die franzoesische Version des Personalwirtschafts-Moduls RP einsetzen und testen.

Wie vorgesehen, waren bis zum Jahreswechsel 1992/93 die Abrechnungsmodule so weit fertig entwickelt und installiert, dass gut 80 Prozent der Anforderungen abgedeckt wurden.

Dann bliesen die Walldorfer vor wenigen Wochen - zum Entsetzen des Kunden - voellig unerwartet zum Rueckzug.

Zwar hat der Anwender heute die verfuegbaren Funktionen der Personalverwaltung im Einsatz, doch ihm fehlt der komplette Abrechnungsteil. "Wie soll ich eine Personalverwaltung ohne die Abrechnungskomponente einsetzen?", beschwert sich der SAP-Kunde. Fuer Personal- und Lizenzkosten habe sein Unternehmen mehrere 100 000 Mark ausgegeben - diese Summe muesse er nun wohl in den Wind schreiben.

SAP habe zwar eine individuelle Weiterentwicklung angeboten, doch damit gibt sich der aufgebrachte Kunde nicht zufrieden: "Wir wollen Standardsoftware haben, kein kundenindividuelles Projekt", kommentiert er das Angebot. Sein Unternehmen werde sich nach eingehender juristischer Beratung mit aller Kraft fuer die Rueckabwicklung des Vertrages einsetzen. Im Rahmen eines Outsourcing-Vertrages werde anschliessend wohl die gesamte Personalwirtschaft ausgelagert.

"Wir haben bisher den Eindruck gehabt, dass wir mit der SAP eine klare Strategie fahren koennen", bilanziert der Anwender. Man habe sich aber wohl zu sehr auf die Aussagen des Vorstandes verlassen. "Wir konnten nicht im geringsten damit rechnen, dass die SAP so kurz vor dem Ziel anhalten wuerde."

Rueckzug aus dem Payroll-Geschaeft

SAP-Vorstandsmitglied Klaus Tschira raeumt ein, dass es in der Unternehmenspolitik "in der Tat kleine Veraenderungen" gebe. Die SAP werde den "nationalen Besonderheiten" der Personalverwaltung insofern Rechnung tragen, als sie sich aus dem "Payroll-Geschaeft" zurueckziehen und in diesem Bereich mit nationalen Partnern vor Ort kooperieren wolle.

Betroffen seien alle Bereiche, die mit gesetzlichen Abzuegen und dem Reporting zusammenhingen. Die Partner sollen laut Tschira kuenftig sogenannte "Plug-in-Module" entwickeln, in denen nationale Besonderheiten abgebildet seien. Allerdings habe die SAP bis heute weder in Frankreich noch in den Vereinigten Staaten einen solchen Partner verpflichtet. Im englischsprachigen Raum haetten sich die Walldorfer jedoch bereits umgesehen: "Dort gibt es mehrere Unternehmen, die in Frage kommen."

Die langfristige Weiterentwicklung von R/2 haengt laut Tschira generell von der kuenftigen Marktentwicklung ab. Ueber das Jahr 2000 hinaus werde die Software kaum weiterentwikkelt, wohl aber gewartet. "Wenn dieser Markt wegbricht, dann bringt es auch nichts, in den Ausbau von R/2 zu investieren", erklaert das Vorstandsmitglied.