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07.07.2000 - 

IT-Arbeitsmarkt/Arbeitgeber werden wählerischer

SAP-Arbeitsmarkt: Höhere Einstiegshürden für Umschüler

Auf dem Arbeitsmarkt für SAP-Berater kehrt wieder Normalität ein: Konnte vor Euro-Umstellung und Millenniumwechsel nahezu jeder IT-Spezialist mit einer Anstellung rechnen, der erste Erfahrungen mit der Business-Software hatte, sind die Anforderungen nun deutlich höher.Von Holger Eriksdotter*

Seit Mitte der 90er Jahre scheinen nahezu alle Gesetze in einem Teil des Arbeitsmarktes außer Kraft gesetzt: SAP-Berater waren die meistgesuchten Fachleute und lagen über Jahre hinsichtlich Einkommen und Karrierechance an der Spitze - nicht selten mit einer Qualifikation, die aus kaum mehr als einer sechsmonatigen Fortbildung bestand.

Der weltweite Erfolg der Standardsoftware aus Walldorf hatte zu dem ungeahnten Boom für SAP-Spezialisten geführt. Zusätzlich hatten Euro-Umstellung sowie der weltweit gefürchtete Wechsel ins Jahr 2000 die Nachfrage nach oben getrieben und viele Unternehmen bewogen, ihre betriebswirtschaftlichen Anwendungen noch schnell auf SAP umzustellen und dabei zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Mit dem vorgezogenen Termin der meist ohnehin geplanten Einführung der Jahr-2000-sicheren Software ließen sich unsichere Altanwendungen auf einen Schlag ablösen und der Jahrtausendwechsel elegant bewältigen.

Allerdings machte sich der Mangel an SAP-Experten schmerzlich bemerkbar; und so kamen Leute in Lohn und Brot, die - in aller Eile mit Kurzzeitseminaren umgeschult - unter normalen Arbeitsmarktbedingungen wohl kaum Chancen gehabt hätten. "Viele Teilnehmer, die nach dem Lehrgang auf den Arbeitsmarkt kamen, wurden von den Unternehmen im SAP-Anwendungsbereich eingesetzt - damals mangelte es ja nicht nur an hoch qualifizierten Beratern, sondern auch an reinen Anwendern, die geringere Anforderungen erfüllten", erklärt Michael Neumann, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Hager & Partner in Frankfurt.

Heute hingegen hätten Absolventen von SAP-Lehrgängen nur noch eine Chance, wenn Sie weitere Qualifikationen mitbringen: "Sekundärtugenden wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Mobilität, Engagement und Parkettsicherheit sind ein unbedingtes Muss für den Berufseinsteiger", hat Neumann beobachtet. Denn eine Beschäftigung als reiner Anwender gebe es kaum noch, weil viele Unternehmen ihren Personalbedarf inzwischen mit betriebsinterner Fortbildung aus eigener Kraft decken könnten. "Überdurchschnittlich begabte und berufserfahrene IT-Spezialisten, die so genannten High-Potentials, werden nach wie vor händeringend gesucht - aber die findet man nicht beim Arbeitsamt oder unter den Absolventen von SAP-Kursen", stellt der Berater fest.

Das bestätigt auch Gabriele Kernwein, Geschäftsführerin der auf IT-Fachkräfte spezialisierten Personalvermittlung PC/Enter in Bad Homburg: "Heute sitzen bei mir junge Leute mit einer Ausbildung zum SAP-Berater und sind kaum vermittelbar. Dass das Arbeitsamt unter diesen Umständen weiterhin Fortbildungen zum SAP-Berater finanziert, ist kaum zu verstehen." Dabei sieht auch sie Unterschiede bei den Vermittlungschancen, je nachdem welche Vorkenntnisse und zusätzliche Qualifikationen die Absolventen mitbringen: "Der klassische Umschüler aus dem Bereich Hotel und Gastronomie, der in den letzten Jahren problemlos seinen Weg in den SAP-Arbeitsmarkt fand, hat nur noch sehr geringe Chancen."

Ganz so schwarz sieht Gottfried Kreckl, bei der Dekra Akademie bundesweit für die SAP-Lehrgänge verantwortlich, die Aussichten der mehr als 600 Absolventen im Jahr nicht: "Natürlich hat es hier Bewegung gegeben, aber bei Lehrgangsteilnehmern mit guten Grundqualifikationen gibt es nach wie vor sehr gute Vermittlungsquoten."

Nicht nur die Seminarinhalte, die den Bedürfnissen der Teilnehmergruppen gerecht werden, zeichne sein Lehrgangsangebot aus. Zum Beispiel gehörten bei Geisteswissenschaftlern BWL-Module zum Kursprogramm, während bei Kaufleuten verstärkt auf Themen wie Projekt- und Teamarbeit oder Moderation eingegangen werde.

Sein Schulungsunternehmen habe rechtzeitig auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt reagiert und durch ein sorgfältiges Auswahlverfahren sichergestellt, dass nur Bewerber mit realistischen Vermittlungschancen zum Zuge kommen.

Bei der Bewerberauswahl sieht auch Günther Henke, beim Arbeitsamt Hamburg als Arbeitsberater für SAP-Spezialisten zuständig, einen Schlüssel zur erfolgreichen Vermittlung: "SAP-Experten sind nach wie vor begehrt - wenn sie die richtigen Voraussetzungen mitbringen", stellt er klar, "und dafür sorgen wir mit einer Altersgrenze von 45 Jahren, hohen Anforderungen an die Vorkenntnisse und einem Eignungstest." Mindestvoraussetzung sind DV-Kenntnisse, die weit über Office-Software hinausgehen müssen, am besten sogar Programmier- oder Datenbankerfahrung sowie betriebliche Erfahrungen und Branchenkenntnisse.

Damit kann Henke gut leben: "Das ist natürlich hart für ältere Arbeitslose; aber wir können doch nicht Schulungen für Arbeitslose finanzieren, die dann nicht vermittelbar sind." Bei Fortbildungen im Multimedia-Bereich liegt die Altersgrenze sogar bei 30 Jahren. "Ältere Leute ohne Berufserfahrung aus der IT- oder Medienwelt sind in der jungen Branche nicht unterzubringen - wozu sollen wir sie dann erst ausbilden?", kommentiert Henke. Ausnahmen von der Altersregelung gibt es nur, wenn der Arbeitslose die Einstellungszusage eines Arbeitgebers vorweisen kann.

Einen zweiten Aspekt für den langfristigen Erfolg der Fördermaßnahmen sieht er in der konsequenten Überwachung des Vermittlungserfolgs: "Wir finanzieren nur Fortbildungsmaßnahmen mit guten Vermittlungsquoten." Damit stehen auf der einen Seite die Bildungsträger unter Erfolgsdruck, weil den Fortbildungen, die schlecht abschneiden, zügig die Finanzierung gestrichen wird. Auf der anderen Seite zeigt sich, welche Qualifikationen am Arbeitsmarkt gefragt sind - andere Kurse erledigen sich mangels Vermittlung quasi von selbst. Die SAP-Fortbildungen liegen nach Henkes Einschätzung gut im Rennen: Zwischen 70 und 100 Prozent der Absolventen sind sechs Monate nach Abschluss in einem festen Arbeitsverhältnis. Wer dann noch ohne feste Anstellung ist, habe kaum noch Chancen: "Bei DV-Inhalten ist die Halbwertszeit des Wissens ausgesprochen kurz."

Auch Personalexpertin Kernwein räumt ein, dass das Hamburger Arbeitsamt bekannt dafür sei, durch stringente Richtlinien bei der Personalauswahl und gezielte Fördermaßnahmen erfolgreich und mit guten Vermittlungsquoten auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zu reagieren. Das gelte jedoch nicht für alle Arbeitsämter. Der Automatismus, dass jeder Arbeitslose mit einer SAP-Ausbildung einen gut bezahlten Job bekommt, ist vorbei.

*Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.