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27.02.2004 - 

Frühjahrstreffen der Deutschen SAP-Anwendergruppe (DSAG)

SAP bereitet Probelauf von Netweaver 04 vor

ST. LEON-ROT (fn) - Auf der Frühjahrstagung der Deutschen SAP Anwendergruppe (DSAG) gaben SAP-Manager einen Ausblick auf die kommende Version der Infrastrukturplattform "Netweaver 04". Die Kunden fragen sich allerdings, wie sie die dort angepriesenen Web-Services-Konzepte in ihren bestehenden Umgebungen zum Laufen bringen können.

Mit der Jahreszahl im Produktnamen will der Softwarekonzern die Absicht deutlich machen, künftig jedes Jahr ein Release der Plattform herauszubringen. Der Anwender erhält so auf einen Schlag Updates für sämtliche Netweaver-Komponenten. Hier wurde SAP aus Erfahrung klug, denn bisher waren die Versionen der Plattformbestandteile nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Etwa im Oktober wird Netweaver 04 für alle Kunden zur Verfügung stehen. Ende März starten die Walldorfer zunächst eine auf sechs Monate angesetzte "Ramp-Up"-Phase, in der ausgewählte Anwender die Technik vorab geliefert bekommen.

SAPs Plattform umfasst unter anderem den "Web Application Server 6.40", die Integrationstechnik "Exchange Infrastructure 3.0", "Enterprise Portal 6.0 SP3" und "Business Information Warehouse 3.5". Während die Walldorfer bisher Netweaver ausschließlich gemeinsam mit Anwendungen vermarkten wollten, plant der Hersteller nun, die Infrastrukturlösung auch als eigenständiges Produkt zu vertreiben.

Ein wesentlicher Teil des kommenden Netweaver-Release ist die erweiterte Exchange Infrastructure 3.0 (XI), die sich wegen der zahlreichen neuen Features verzögert hat. So war die 3.0-Version von XI bereits für Dezember 2003 in Aussicht gestellt worden, im Januar musste der Anbieter jedoch einen Rückzieher machen. XI verfügt nun über eine Business-Process-Management(BPM-)Engine, die auf der Web-Services-Spezifikation "Business Process Execution Language" (BPEL) aufsetzt. Sie bildet die Grundlage für das Steuern von Geschäftsprozessen außerhalb von SAP-Anwendungen, wobei der "Integration Server" SAP-eigene und fremde Systeme ankoppelt ("Cross-Component Business Process Management").

Integration inklusive

Nutznießer dieser Funktionen ist vor allem SAP selbst, denn XI fließt auch in die Produkte "Master Data Management" (Stammdatenkonsolidierung), "Mysap Supplier Relationship Management" (elektronischer Einkauf, Lieferantenauswahl) und "Supply Chain Management" (Verwaltung und Optimierung von Lieferketten) ein, um verschiedene Funktionskomponenten des Herstellers miteinander zu verknüpfen. So liefern die Walldorfer Mysap SCM mit vordefinierten Prozessen, Szenarien (das sind mehrere Prozesse umfassende Geschäftsvorfälle), Messages und Interface-Objekten (Schnittstellen-Beschreibungen) aus. Diese Integrationsinformationen sind im "Integration Repository" von XI gespeichert. Über den "Integration Builder" kann der Anwender dann beispielsweise die SCM-Funktion zum Festlegen eines Versandtermins mit den korrespondierenden ERP-Routinen eines über XI angebundenen R/3-Systems verbinden und den Ablauf in einem grafischen Prozess-Editor konfigurieren. Die besagte BPM-Engine sorgt für den erforderlichen Nachrichtenaustausch sowie das Umsetzen von Datenfeldern (Mapping) zwischen SCM- und ERP-Umgebung. Die Integration ließ sich teilweise schon mit XI 2.0 realisieren, doch fehlte in diesem Release eine funktionierende Prozess-Steuerung.

Die auf den ersten Blick plausible Funktionsbeschreibung warf bei den an der DSAG-Tagung teilnehmenden Anwendern jedoch so manche Fragen auf. So haben selbst gestandene SAP-Profis bisher nicht verstanden, wie sich synchrone Transaktionsverknüpfungen zwischen Applikationen in die per se asynchron arbeitende Message-orientierte Middleware XI überführen lassen und welche Möglichkeiten die Benutzer haben, diese Transaktionen in Netweaver zu kontrollieren beziehungsweise rückgängig zu machen (Rollback). Unklar ist ferner, mit welchen Methoden die Firmen ihre mit Netweaver gestalteten Geschäftsprozesse nachvollziehbar testen können. Während es für Abap-Software erprobte Test- und Qualitätssicherungsszenarien gibt, steht SAP diesbezüglich bei XI noch am Anfang. Hier werden die Walldorfer noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten beziehungsweise zusätzliche Funktionen liefern müssen. Die DSAG plant zu diesen Themen weitere Veranstaltungen in diesem Jahr. Selbst SAP kann hier auf keinen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen: Bis dato gibt es bestenfalls 400 Installationen von XI.

Experten gestehen SAP zu, mit XI 3.0 viele nützliche Funktionen zu liefern. Allerdings betonen sie auch, dass die vermeintlich einfache Nutzung der neuen Techniken viel Know-how, umfangreiche Projekte und Investitionen erfordert, die sich erst später auszahlen. Nichtsdestotrotz werden die Walldorfer nicht müde, Netweaver als Mittel zur Senkung der Wartungs- und Integrationskosten anzupreisen. Umsonst liefert SAP diese Features allerdings nicht (siehe "Preismodell für Netweaver").

"Alte" R/3-Systeme ankoppeln

Alle Netweaver-Bestandteile setzen auf der Ablaufumgebung Web Application Server (WAS) auf. Sofern SAP-Programme auf dem Web Application Server ab der Version 6.20 laufen, können deren Funktionen über Web-Services-Schnittstellen von der Business-Process-Engine angesprochen werden. Dies trifft beispielsweise auf das aktuelle ERP-Release "R/3 Enterprise" zu. Ältere R/3-Versionen lassen sich über spezielle, mit XI ausgelieferte Adapter integrieren. Web-Services verbergen hierbei die eigentliche Implementierung der Funktion. Der Aufruf eines solchen Netzdienstes wird über einen entsprechenden Web-Services-Proxy beispielsweise in einen BAPI-Call übersetzt.

Adapter sind zudem erforderlich, um etwa EDI-Systeme sowie Business-Software von SAP-Konkurrenten wie Siebel, Oracle und Peoplesoft zu koppeln. Entsprechende Module liefern Kooperationspartner aus. Gemäß der J2EE-Spezifikation stützt sich die Adapter-Schnittstelle von XI auf die Java Connector Architecture (JCA). Die von Webmethods gelieferten Koppelelemente für die Produkte von Siebel, SSA Global (vormals Baan) und Peoplesoft erfordern bislang noch eine eigene Laufzeitumgebung des Integrationsspezialisten. Gleiches gilt für die EDI-Adapter von Seeburger. Künftig werden die Seeburger-Adapter direkt in der JCA-Umgebung von Netweaver nutzbar sein, was unter anderem Vorteile in puncto Monitoring bietet.

Der in Netweaver 04 eingebundene Web Application Server 6.40 beinhaltet die Ablaufumgebung für Abap-Code sowie eine Java-Engine, die der Spezifikation J2EE 1.3 folgt. Beide Engines weisen die gleiche Release-Nummer auf, und der Server ist abwärtskompatibel zum Vorgänger 6.20. Somit können Anwender von R/3 Enterprise, das mit WAS 6.20 ausgeliefert wird, die in WAS 6.40 enthaltene J2EE-Umgebung nutzen (siehe Kasten "R/3 und WAS").

WAS 6.40 integriert nahezu alle Funktionen des "Internet Transaction Server" (ITS), so dass Anwender keinen zusätzlichen Rechner mehr dafür benötigen. Jedoch fehlen in der integrierten Variante die Features "Flow Logic" und "GUI XT".

SAP bringt die nächste Version der Ablaufumgebung mit Zusätzen wie der Entwicklungsumgebung "Netweaver Developer Studio" und "Web Dynpro for Java" auf den Markt. Web Dynpro erlaubt es Firmen, HTML-basierende Benutzeroberflächen für SAP-Programme unter Java zu entwickeln. An der Variante "Web Dynpro for Abap", die Web Dynpro mit der SAP-eigenen Programmiersprache verknüpft, arbeiten die Walldorfer noch. Der Grund: Die Anpassung auf Abap erwies sich schwieriger als erwartet. Neben der Entwicklung neuer Interfaces bietet die Abap-Kopplung mit Web Dynpro Anwendern die Möglichkeit, ihre bestehenden Dynpro-Systeme, die in der Client-Software "Sapgui" ablaufen, in Browser-Interfaces umzuwandeln. Ein spezielles Konvertierungswerkzeug soll die Umsetzung erleichtern, jedoch hat der Konzern bis dato keinen Erscheinungstermin für das von Anwendern mit Spannung erwartete Tool genannt. Die Technik existiert bereits im WAS 6.40, ist aber noch nicht freigegeben. Von diesem Umsetzer möchte auch SAP selbst Gebrauch machen, um die rund 90000 Dynpros von R/3 in Web Dynpro zu überführen.

Die Web-Dynpro-Technik stellt eine Alternative zu den zuvor entwickelten Business Server Pages (BSPs) dar, einer Script-Sprache zum Erstellen von Web-Oberflächen für Abap-Software. Welche Rolle BSP künftig in SAPs Strategie spielt, steht noch nicht fest. Es soll nach bisherigen Äußerungen des Softwareherstellers keine Migration nach Web Dynpro geben. Solange keine anders lautenden Ankündigungen aus Walldorf folgen, gilt, dass BSP-Seiten unter dem WAS nutzbar bleiben.

Der Web Application Server beinhaltet ferner eine ausgebaute Version der Entwicklungsumgebung "Netweaver Developer Studio". Das auf der Open-Source-Plattform Eclipse basierende Werkzeug gestattet es dem Benutzer, sowohl Abap- als auch Java-Komponenten als Web-Service zu konfigurieren. Dies soll die Programmierung eigener Software wesentlich erleichtern, weil der Entwickler sich nicht mehr mit Schnittstellen-Spezifika herumärgern muss. Auch Abap erhielt neue Funktionen. So erlaubt das Programmiermodell nun, Shared Objects im Arbeitsspeicher zu definieren, so dass verschiedene Routinen auf solche Objekte zugreifen können, was laut SAP unter anderem für Business-Intelligence-Anwendungen nützlich ist. Eine weitere Neuerung namens "Simple XML Transformations" wandelt Abap- in XML-Strukturen um, und zwar wesentlich rascher, als dies mit den bisher dazu erforderlichen XSLT-Prozessoren möglich ist.

Obwohl SAP für die künftige Entwicklung auf Java setzt, sieht der Hersteller durchaus noch Defizite beim Einsatz der Programmier- und Ablaufumgebung. "Die Java Virtual Machine stößt in großen Installationen an ihre Grenzen", meint Peter Kürpick, Senior Vice President SAP Netweaver Foundation. Deshalb arbeite man mit Java-Protagonisten wie Sun und IBM an der Verbesserung der virtuellen Maschine. Auch das Wartungskonzept von Java sei bisher lückenhaft. Noch empfiehlt SAP die eigene Abap-Sprache für das Schreiben von Applikationsfunktionen, Java dagegen eigne sich unter anderem gut für das Design von Benutzeroberflächen.

Nach dem Willen der SAP soll der Sapgui mehr und mehr in den Hintergrund treten und dem Portal als Standardbenutzeroberfläche weichen. In Sachen Portaltechnik hat SAP vor, das unter Windows und einigen Unix-Derivaten lauffähige Enterprise Portal 6.0 etwa Mitte des Jahres auch für Linux freizugeben. Eine Anpassung an das Open-Source-Betriebssystem unter IBM-Mainframes und den Midrange-Systemen der I-Series-Reihe (vormals AS/400) soll später folgen.

R/3 und WAS

Nach wie vor besteht bei SAP eine Abhängigkeit zwischen Ablaufumgebung und Anwendung. So wird R/3 Enterprise inklusive Extension Set 1.10 mit dem Web Application Server (WAS) 6.20 ausgeliefert. R/3 Enterprise mit Extension Set 2.00 erfordert den WAS 6.30. Letztere befindet sich derzeit im Ramp-Up.

Eine an den WAS 6.40 angepasste Version von R/3 Enterprise ist bisher nicht geplant. Diese ERP/WAS-Kombination beabsichtigt SAP erst mit "Mysap ERP Edition 2004" zur Verfügung zu stellen. Um dennoch die J2EE-Funktionen des WAS 6.40 schon unter R/3 Enterprise (nebst Extension Set 2.00) nutzen zu können, müssen Firmen das Support-Package 4 einspielen.

Preismodell für Netweaver

Viele Netweaver-Funktionen können Nutzer der Mysap Business Suite beziehungsweise einzelner Mysap-Lösungen ohne Extrakosten verwenden. Wollen sie jedoch Nicht-SAP-Systeme über die Exchange Infrastructure (XI) ankoppeln, berechnet SAP eine Gebühr auf der Grundlage der übertragenen Daten ("processed Gigabytes per month").

Kunden ohne Mysap-Vertrag, also beispielsweise reine R/3-Anwender, werden grundsätzlich zur Kasse gebeten, wenn sie XI dazu nutzen wollen, externe Systeme anzubinden. Viele R/3-Kunden verwenden heute hierzu den kostenlosen "Business Connector". Dass SAP den Business Connector nicht mehr weiterentwickelt und mittelfristig einstellen möchte, steht fest, das genaue Datum hingegen nicht. Das letzte Release kam vergangenes Jahr auf den Markt, und eine Anpassung an den Windows Server 2003 gibt es nicht. Im Gegensatz zum Business Connector, der notfalls auch auf einem simplen PC installiert werden kann, verlangt XI wesentlich stärkere Hardwareressourcen. Aus diesem Grund plant SAP, eine "Light"-Version der Exchange Infrastructure auf den Markt zu bringen, vermutlich mit "Netweaver 05".

Kosten entstehen außerdem für Adapter zur Integration von EDI-Systemen sowie der Software von Drittherstellern. Hier betätigt sich SAP nämlich als Wiederverkäufer der Produkte von Partnern wie Webmethods, Seeburger und Iway.

An der Infrastrukturplattform interessierte Nicht-SAP-Kunden müssen eine Netweaver-Lizenz erwerben. Der Preis richtet sich hier nach der Anzahl der CPUs.