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05.12.2003 - 

Technische Komplexität macht den Anwendern zu schaffen

SAP BW wächst zur Analyseplattform heran

BERLIN (as) - Innerhalb weniger Jahre hat sich SAP "Business Information Warehouse" (BW) von einer schlichten Berichtslösung für die ERP-Software des Herstellers zu einer umfassenden und komplexen Suite für Business Intelligence (BI) gemausert. Doch das hohe Tempo der Produktentwicklung stösst nicht nur auf Zuspruch bei Kunden.

Vor allem Unternehmen, die ihre Produktstrategie eng mit der SAP-Welt verknüpfen, haben dazu beigetragen, dass es heute offiziell 7250 BW-Installationen gibt. Viele dieser Systeme sind jedoch Insellösungen auf Abteilungsebene, die mit Hilfe SAP-spezifischer Angebote wie dem "Business Content" (vorkonfigurierte, auf konsistenten Metadaten basierende rollen- und aufgabenbezogene Informationsmodelle) schnell entwickelt wurden. Als Quellsysteme dienen dabei bis heute in erster Linie die SAP-Systeme sowie selbstentwickelte Lösungen, die BW per Flatfiles befüllen. Eines der vordringlichen Ziele der SAP-Produktstrategie ist es deshalb, BW als "Enterprise Data Warehouse" zur zentralen BI-Komponente im Unternehmen zu positionieren, die mehr als bisher Daten beliebiger Herkunft über eine konsistentes Datenmodell zusammenführt sowie bestehende BW-Lösungen konsolidieren hilft.

BW als Teil von Netweaver

Spätestens mit der Auslieferung von BW 3.0 im letzten Jahr soll technisch eine solche integrierte und dank zahlreicher unterstützter Schnittstellen offene Plattform für alle BI-Belange vorhanden sein. Auf dem diesjährigen SAP-Kongress für Business Intelligence in Berlin erklärte Michael Kleinemeier, Managing Director der SAP Deutschland AG, den rund 1200 Teilnehmern, dass es nun im nächsten Schritt darum gehe, eine End-to-End-Lösung aufzubauen. Diese soll BW noch enger als bisher mit allen übrigen SAP-Anwendungen verknüpfen sowie für möglichst viele Benutzergruppen im Unternehmen ausgelegt sein. Eine zentrale Rolle für die Umsetzung dieser Strategie spielt hierbei die hauseigene Integrationstechnik "Netweaver", zu der BW gerechnet wird. So ist laut Klaus Kreplin, Mitglied des erweiterten SAP-Vorstands, heute schon eine XML-Schnittstelle in BW verfügbar, über die der Integration Broker "Exchange Infrastructure" (XI), der ebenfalls Teil von Netweaver ist, Daten zum Data Warehouse senden kann. Die mittlerweile mit BW gebündelte Portalsoftware "Enterprise Portal" biete zudem einen unternehmensweiten Zugriff auf BW-Berichte.

Mittelfristig geht die Produktstrategie der Walldorfer dahin, das Softwareportfolio in Richtung einer Enterprise Service Architecture weiterzuentwickeln. Diese soll es laut Kreplin möglich machen, mit Hilfe von Web-Services-Standards Anwendungsbausteine zu neuen oder kundenspezifischen "Composite Applications" mit zielgruppenorientierten Benutzeroberflächen zusammenzustellen, die auch BW-Funktionen nutzen können. Kreplin räumte jedoch ein, dass die Umsetzung einige Release-Stände in Anspruch nehmen werde.

In der Praxis zeigt sich derweil ein zum Teil anderes Bild, als es die Präsentationen suggerieren. Vor allem Themen wie Performance, die hohe Komplexität von BW sowie die mangelnde Funktionalität der BI-Clients beschäftigen viele Anwender. So ergab im August dieses Jahres eine Umfrage des Beratungsunternehmens Raad Consult unter 420 Controllern und IT-Leitern, dass über 60 Prozent der Befragten die langen Antwortzeiten bei komplexen Abfragen beklagten und die allgemeine Systembelastung durch BW reduziert sehen möchten. Zweithäufigster Punkt war das Layout und die Bearbeitung der Query-Ergebnisse im Client "Business Explorer", die offenbar nicht flexibel genug sind.

Die Gründe für eine schlechte Performance von BW sind laut Frank Buytendijk, Research Director bei Gartner, vielschichtig und können weder dem Produkt noch den Anwendern allein zugeschrieben werden. So wirke es sich zum Beispiel negativ auf die Systemverfügbarkeit aus, dass Benutzer bisher beim Reporting ständig online sein müssten. Andererseits wüssten Anwender oft nicht, wie sie den Business Content und die Infocubes richtig benutzen sollen. Viele Kunden seien von der Datenexplosion in den letzten Jahren überrascht worden und hätten ihre Systeme nicht entsprechend ausgelegt, ergänzte Heinz Häfner, Vice President Product Line BI bei der SAP. Ein entsprechendes Datenmodell sei oft nicht gestaltet worden. Grundsätzlich hielt Häfner aber die angesprochenen Probleme für gelöst und schrieb sie vor allem älteren Release-Ständen vor SAP BW 3.0 zu, die laut der Studie von Raad Consult bei etwa der Hälfte aller Befragten noch im Einsatz sind.

Branchenkenner halten indes die Verwaltung von BW auch mit Version 3.0 weiter für zu aufwändig. "Die hohe Komplexität des Systems ist zwar inhaltlich im Zusammenspiel mit einem R/3-Quellsystem durchaus gewünscht, sollte aber nicht unmittelbar auf die Administrations- und Endanwenderwerkzeuge durchschlagen", kritisiert beispielsweise das Würzburger Barc-Institut BW in seiner aktuellen Data-Warehouse-Studie.

Hersteller und Kunden überfordert

Dieser Umstand ist laut Buytendijk umso schwerwiegender, als seiner Erfahrung nach viele Anwender zu wenig BW-Know-how hätten und dieses auch bei Dienstleistern noch schwer zu finden sei. Grund für diese Diskrepanz sei die rasante Produktentwicklung und Verbreitung von BW gewesen, die sich auch in der Softwarequalität niederschlug. So wurde Version 3.0 laut Kongressteilnehmern mit vielen Bugs ausgeliefert, die erst mit den folgenden "Content Releases" 3.1 und 3.2 weitgehend beseitigt werden konnten. Mittlerweile sei der BW-Boom jedoch abgeebbt, was Buytendijk hoffen lässt, dass die SAP künftig wieder mehr Zeit findet, sich um Produktentwicklung, Schulung von Beratern sowie den Kundensupport zu kümmern. Auch organisieren sich immer mehr Firmen im BW-Arbeitskreis der SAP-Anwendervereinigung DSAG, um Hilfe und Informationen zu finden. "Wir haben in diesem Jahr den größten Andrang seit Gründung der Gruppe erlebt und zählen nun 1083 registrierte Mitglieder, darunter viele SAP-Partner", berichtet Arbeitskreissprecher Hariolf Knecht. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl und unterschiedlichen Fragen zu BW wurden zudem Untergruppen zu den Themen "HR", "Enterprise Data Warehouse", "Planung" und "CRM" gebildet. Ferner gibt es enge Kontakte zu BW-Anwendern innerhalb der SAP-Gruppe "Banking".

Planung wird in BW integriert

Wichtigster Diskussionspunkt im Arbeitskreis ist derzeit laut Knecht das Thema Planung und BW. So müssen die gewünschten Funktionen bisher als Teil der Controlling-Anwendung "SAP SEM" separat supportet und in Lizenz genommen sowie über ein Addon mit BW verbunden werden. Da fast 80 Prozent der Mitglieder SAP-SEM nur wegen dieser Features erwerben, versuchte man SAP seit längerem zu einem Bundling mit BW zu bewegen. Als SAP dann die versprochene Auslieferung auf das erste Quartal 2005 verschieben wollte, löste dies unter den Mitgliedern "Entsetzen" aus. Nach längeren Verhandlungen lenkte die SAP aber schließlich ein und wird nun zum ersten Quartal 2004 mit BW 3.5 die bisherige Planungskomponente unter dem Namen "BW-BPS" mitliefern. Eine vollständige Integration und funktionale Erweiterungen sind jedoch erst mit BW 4.0 im ersten Quartal 2005 vorgesehen.

Auch in anderen Bereichen will SAP in den nächsten Versionen von BW nicht nur seine Vision stückweise umsetzen, sondern auch den Anforderungen seitens der Kunden nachkommen. So sollen ab dem ersten Quartal 2004 alle Netweaver-Bestandteile, zu denen auch BW gehört, jährlich aktualisiert werden, um ihr Zusammenspiel zu gewährleisten. Das zeitgleich verfügbare SAP BW 3.5 bringt zudem neben der neuen Planungskomponente eine Reihe von Verbesserungen. So lassen sich künftig auf dem Java-Applikations-Server "Web AS" mit dem bisherigen Framework für Web-Services auch entsprechende BI-Dienste erstellen, und XI-Meldungen können nun direkt in der BW-Datenbank gespeichert werden.

Weitere Neuerungen finden sich unter dem Schlagwort "Information Broadcasting". Dabei soll das Portal um Bestandteile aus dem bisherigen BI-Produkt "Knowledge Management" (KM) erweitert werden. Features sind die Informationsverteilung per E-Mail, Web-basierende Wizards für die Verteilung und Personalisierung von BI-Informationen, Vorberechnungen von Web-Anwendungen und Bex/Excel-Workbooks. Neu sind KM-Funktionen wie Subskriptionen, Feedback, Diskussion, Bewertung sowie die Suche mit Hilfe der Retrieval-Engine "Trex". Außerdem sollen sich die mit dem Portal verbundenen Prozessketten umfassender bearbeiten lassen.

Mit "Universal Data Integration" kommen Komponenten zur Client-Integration in BW hinzu. So bietet BW 3.0 bisher das proprietäre Olap BAPI der SAP, die ebenfalls modifizierte Standard-Schnittstelle OLE DB for Olap sowie den angehenden Standard "XML for Analysis". Zudem steht mit JDBC eine Schnittstelle für den Datenbankzugriff bereit. Diese Optionen lassen sich nun künftig in der Java-Schnittstelle "Universal Data Connector" vereinen, und mit Hilfe eines "BI Java Software Development Kits" können Kunden eigene Anwendungen erstellen.

Operative Systeme mit BW verzahnt

In Berlin gab SAP-Manager Häfner zudem einen ersten Überblick über die weitreichenden Neuerungen mit Version 4.0, die er in vier Kategorien unterteilte. Neben des versprochenen integrierten Planungsmoduls sind unter dem Begriff "BI for Extended Enterprise" Funktionen geplant, mit denen sich BW-Installationen besser überwachen und tunen lassen sollen. Hierzu zählt der Aufbau eines Metadaten-Repositorys, das künftig eine separate Verwaltung von logischen Geschäfts- und physischen Datenbankmodellen erlauben soll. Weitere Aspekte sind eine erweiterte Offline-Unterstützung, die grafische Modellierung des Datenflusses und der Transformationen, eine flexiblere Datenspeicherung über so genanntes Nearline-Storage sowie flexiblere BW-Datenstrukturen.

Mit "Active Business Intelligence" gehe es ferner um eine engere Integration von BW in die operativen Systeme. Ein Thema ist hier die echtzeitnahe Analyse von Unternehmensdaten, die auch mit Hilfe spezieller Data-Mining-Modelle möglich sein soll, die den Standard "Predictive Model Markup Language" nutzen werden. Ferner möchte SAP BW zur zentralen Komponente für ein Business-Activity-Monitoring machen und es ermöglichen, mit BW Kenngrößen, Kennzahlen und Alerts zu definieren, mit denen sich Unternehmensprozesse überwachen und bewerten lassen.

Schließlich sind überarbeitete Benutzeroberflächen geplant, die eine "Advanced User Experience" versprechen. So ist unter anderem eine neue Web-basierende Komponente für multidimensionale Analyse und formatiertes Reporting in Arbeit, und der "Web Application Designer" von Bex soll eine Designumgebung für Berichte erhalten. Ebenso ist eine Option zur Anbindung externer Tools für ein pixelorientiertes Layout und formularbasierendes Reporting vorgesehen. Weitere Features betreffen die Generierung von PDF-Dateien aus den Web-Anwendungen sowie eine Unterstützung der Excel-Formate und -Formulare im Bex Analyzer.

Viele der Features sind nach Ansicht von Branchenkennern jedoch nicht neu und werden vom Wettbewerb heute schon geboten. "SAP ist spät in den BI-Markt gestartet und hat deshalb gegenüber dem Wettbewerb viel aufzuholen", sagte Gartner-Analyst Buytendijk. Dafür habe SAP aber den Vorteil, dass es aus den Problemen der anderen lernen kann. Doch er bleibt skeptisch: "SAP öffnet sich. Aber die Tatsache, dass sie die neuen Features in einer Präsentation sehen, heisst noch nicht, das sie voll funktionsfähig sein werden."

Abb: Komplexe Produktarchitektur

SAP BW bietet einen Applikations-Server, eine Verwaltungskonsole, Frontends und umfangreiche Backoffice-Integration mit R/3-Awendungen und anderen Datenquellen. Künftig werden Standard-Schnittstellen, das Portal und die Netweaver-Technik BW weiter öffnen und integrieren helfen. Quelle: nach CSC