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14.06.2007

SAP drängt in die Finanzabteilungen

Durch den Kauf von Outlooksoft hat der Hersteller konkurrierende Produkte für Konsolidierung im Portfolio.

Ankündigungen auf der Kundenveranstaltung "Sapphire" in Wien und die Produktstrategie der jüngsten Zeit signalisieren, dass die SAP stärker als bisher Finanzabteilungen mit Lösungen und Dienstleistungen für ein Corporate-Performance-Management (CPM) erobern will. Neben Produkten für das operative Finanz-Management in der ERP-Umgebung und den neuen Angeboten für Governance, Risk und Compliance (GRC) sollen Kunden mit Business-Intelligence-Werkzeugen des SAP Business Information Warehouse (SAP BW) CPM-Anwendungen für eine unternehmensweite und integrierte Planung, Steuerung und Kontrolle aller wichtigen Geschäftsvorgänge aufbauen können.

Hier lesen Sie ...

wie SAP Finanzabteilungen angeht;

welche Rolle die Übernahmen der letzten Zeit spielen;

was SAP-Anwender erwartet.

Die Werkzeuge hierfür versuchten die Walldorfer bis vor kurzem allein mit eigenen Mitteln zu erstellen. So ersetzte der Hersteller das bisherige Modul für Konsolidierung EC-CS durch das aktuelle SEM-BCS (Strategic Enterprise Management-Business Consolidation Services). Dieses ermöglicht nun Auswertungen gemäß einem Online Analytical Processing (Olap) auf multidimensionale Datenhaltungen etwa in Oracle- oder Microsoft-Software und verheißt in Kombination mit dem SEM Management Cockpit eine zentrale Informationsbasis für Rechnungswesendaten inklusive legalem und Management-Reporting. Zudem lassen sich Planungsdaten beispielsweise aus dem SAP-Modul SEM-BPS (Business Planning and Simulation) einbinden, verarbeiten und auswerten.

Wettrennen im Markt

Beim Aufbau eines umfassenden und attraktiven CPM-Portfolios scheint Eile geboten, droht doch etwa Erzrivale Oracle damit, nach dem Kauf des prominenten CPM-Anbieters Hyperion nun vornehmlich Finanzabteilungen von SAP-Kunden zu umwerben. Auch will die SAP endlich Kunden, die bisher CPM-Lösungen von Anbietern wie Cognos, Business Objects oder künftig auch Microsoft beziehen, für sich gewinnen oder halten. Da sich die Ziele offenbar nicht allein mit eigenen Ressourcen auf die Schnelle erreichen lassen, änderten die Walldorfer in diesem Jahr ihre CPM-Strategie und setzen nun auch auf Zukäufe und Partnerschaften. So erwarb die SAP im Februar den US-amerikanischen Hersteller Pilot Software, dessen Produkte für CPM vor allem betriebswirtschaftliche Kennzahlen, geschäftliche Initiativen und unternehmerische Ziele steuern und überwachen helfen. Ferner kam mit dem US-Anbieter Acorn Systems ein Wiederverkäuferabkommen zustande, das die Nutzung der Software für das Profitabilitäts-Management "Profit Analyzer" von Acorn mit SAP-Software eröffnet. Im Mai folgte schließlich die Übernahme des CPM-Spezialisten Outlooksoft, der ebenfalls in den USA beheimatet ist.

Auffällig ist, dass die SAP bis dato nur Firmen erwarb, die hierzulande praktisch keine Marktpräsenz hatten - sieht man einmal von einer kleinen Outlooksoft-Gemeinde in der Schweiz ab. Insbesondere der Kauf von Outlooksoft gibt zudem Marktbeobachtern Rätsel auf. Es gebe bisher keine technische Verbindung zwischen SAP und Outlooksoft, kommentieren die Analysten des Würzburger Business Application Research Center (Barc) die Übernahme. Outlooksoft verwende die Datenbanktechnik von Microsoft, im Ausnahmefall auch von Oracle, während SAP bei SEM BPS und SEM BCS das SAP BW für die Datenhaltung benötigt. SAP-Kunden, die den Aufbau von Planungs- und Konsolidierungslösungen planten, sollten warten, bis die SAP eine Produktstrategie und -integration vorzeigen könne, mahnt Carsten Bange, Geschäftsführer von Barc.

Rätseln über Outlooksoft

Auch Heinrich Smielowski, Geschäftsführer des Hamburger Beratungshauses Data Mart Consulting und Outlooksoft-Expert, kann sich nur teilweise einen Reim auf die SAP-Motive machen. Outlooksoft sei nach einem kurzen Intermezzo in den Jahren 2004 und 2005 mit seinem Vertrieb in Deutschland gescheitert und habe auch keinen Kontakt zur SAP gehabt. Auch gebe es vordergründig keinen Sinn, sich neben SEM BCS ein weiteres Produkt mit zudem anderer Architektur für die Konsolidierung ins Haus zu holen. Sowohl das selbst entwickelte SAP-Modul als auch Outlooksoft seien moderne und ausgereifte Produkte, die sich für den unternehmensweiten Einsatz eigneten. Spekulationen im Internet, SAP habe nach fünf Jahren vergeblicher Entwicklung im CPM-Umfeld eine neue Software kaufen müssen, halte er daher für abwegig.

Smielowski könne sich Outlooksoft vielmehr als Erweiterung zum SAP BW vorstellen. Letzterem fehle bis heute ausgeprägte Olap-Technik und ein ansprechendes Analyse-Frontend, die nun zur Verfügung stünden. SAP könne dadurch eine funktionale Lücke schließen und vor allem mit externen Anbietern im CPM-Markt besser konkurrieren. Um die Software gegenüber SEM BCS abzugrenzen, sei es denkbar, dass SAP Outlooksoft vor allem im Mittelstand anbiete, während die hauseigenen Produkte Großkunden vorbehalten blieben. "Ein günstiges Angebot für Planung und Konsolidierung aus Olap-Server, Microsoft-Datenbank, Excel-Frontend inklusive multidimensionaler Auswertung und Reporting wäre attraktiv. Kunden könnten sich ein Data Mart aufbauen, das auf SAP BW aufsetzt." Allerdings habe die Sache einen Pferdefuß: CPM-Projekte seien komplex und nicht von der Stange zu haben. Outlooksoft sei als offene Plattform konzipiert, deren Aufbau und Ausgestaltung dem Anwender aber einiges Wissen abverlange. SEM BCS sei von Haus aus auf die SAP-Umgebung abgestimmt und biete beispielsweise einen direkten Zugriff auf die Buchhaltungssysteme, sei aber aufwändig einzuführen.

In einem Gespräch mit der computerwoche bestätigte Nenshad Bardoliwalla, Vice President of Solution Management for Corporate Performance Management Products SAP, zum Teil die Einschätzungen Smielowskis. Man habe sich für Outlooksoft entschieden, um Anwendern ein innovatives und benutzerfreundliches Frontend für Planung- und Konsolidierung bieten zu können, das SEM BCS nicht in ausreichendem Maß geboten hatte. "Durch Zukäufe können wir unseren Kunden eine solche Lösung schneller bieten als durch interne Entwicklungsarbeiten", begründete der Manager den Kurswechsel in der Produktstrategie. Anders als bei den Konkurrenten im CPM-Markt wollte die SAP mit den Übernahmen in erster Linie Technik und nicht Kunden und Märkte zukaufen. Allerdings seien kleinere Firmen auch einfacher zu integrieren, sagte Bardoliwalla.

Probleme mit der Kopplung der eigenen und zugekauften Produkte erwartet er nicht. Die bisherigen Planungs- und Konsolidierungs-Engines sind Teil der Netweaver-Infrastruktur und werden zumindest in Bezug auf SEM BPS nicht mehr separat entwickelt. Dank des Umbaus der SAP-Software in Richtung einer Service-orientierten Architektur (SOA) könne man Outlooksoft und die anderen Produkte als "Application Layer" mit den darunterliegenden Diensten von Netweaver integrieren. Dies erleichtere nun die geplante Integration in SAP BW.

Über den Vertrieb von SEM BCS und Outlooksoft sowie funktionale Überschneidungen wollte sich der Manager nicht äußern. Klar sei, dass Outlooksoft für SAP-Umgebungen und SEM BCS "optimiert" werde und wohl künftig auch nur dort erhältlich ist. Eine Vermarktung im Mittelstand wäre durchaus sinnvoll und möglich. Es sei aber noch nichts entschieden. Eine detaillierte CPM-Roadmap will die SAP im nächsten Quartal veröffentlichen.