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24.10.2006

SAP drängt Kunden zur Migration

Auf der Konferenz "Teched" in Amsterdam appellierte das SAP-Management an seine Kunden, auf neue Produkte zu wechseln. Nur so könnten sie von "Enterprise SOA" profitieren.

Von CW-Redakteur Frank Niemann

SAP Teched in Kürze

• Discovery Server: Nächstes Jahr soll eine aus Hardware und Software bestehende Testumgebung auf den Markt kommen, mit der Kunden "Enterprise SOA" ausprobieren können.

• Einheitliches Partnerprogramm: Das bisher auf den Mittelstand abgestimmte Programm "PartnerEdge" soll in den nächsten zwölf bis 18 Monaten erweitert werden, so dass alle Partner darüber betreut werden, ganz gleich, wie groß deren Kunden sind.

• Neue Consulting-Services: SAP bietet spezielle kostenpflichtige Beratungsdienste an, die Firmen den Umstieg von R/3 in die Enterprise SOA erleichtern soll.

• Premium-Bereich für SDN: Das kostenlose SAP Developer Network (SDN) wird um einen gebührenpflichtigen Bereich ausgebaut, in dem Entwickler bestimmte Softwarewerkzeuge herunterladen können.

• xApps Hub: Über eine Online-Plattform sollen Anwender künftig Composite Applications leichter finden und künftig auch erwerben können.

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Dass SAP auf dem Weg zur Enterprise SOA ist, daran will der Hersteller keinen Zweifel lassen. Noch ziehen die Kunden der Walldorfer aber nicht so mit, wie sich die Strategen das vorstellen. Vorstandsmitglied Shai Agassi forderte die Anwender in Amsterdam auf, möglichst bald von R/3 auf Mysap ERP 2005 zu wechseln. Dies sei ihre Eintrittskarte in die Service-orientierte Ära. Agassi leitet die Product and Technology Group bei SAP in Palo Alto.

Die Grundlage für Enterprise SOA steht Agassi zufolge zum Abholen bereit: ein stabiler ERP-Kern und harmonisierte Stammdaten. Den Kern liefere SAP mit "Mysap ERP 2005" und dem Versprechen, dieses Release in den nächsten Jahren nicht zu verändern. Ferner zählt die Infrastrukturplattform "Netweaver 2004s" dazu. Dass einheitliche Datenbestände für effiziente Geschäftsprozesse unabdingbar sind, hatten die Softwarekunden wohl schon vorher gewusst. Agassi kam auf dieses Thema trotzdem zu sprechen, weil SAP mit "Master Data Management" über eine Netweaver-Komponente verfügt, die SAP-Nutzern dabei helfen soll, Stammdaten zu bereinigen. Der SAP-Manager bemühte sich, seine Zuhörer davon zu überzeugen, die Migration auf Mysap ERP 2005 und die Stammdatenkonsolidierung ganz oben auf die To-do-Liste im nächsten Jahr zu setzen.

Neue Fähigkeiten gefordert

Laut Agassi müssten sich die Anwenderunternehmen intern anders aufstellen, um die Vorteile einer Service-orientierten Architektur nutzen zu können. Neben der technischen Neuausrichtung seien neue Fähigkeiten der IT-Experten gefordert. Nicht mehr reine ERP- oder CRM-Spezialisten würden gebraucht, sondern Fachleute mit Wissen über bereichsspezifische Prozesse. Die Rolle des CIO heutiger Prägung werde sich teilen: Ein "Chief Process Innovation Officer" sei künftig dafür verantwortlich, die Prozesse im Unternehmen zu organisieren. Ein "Chief IT Officer" werde sich darum kümmern, Systeme und Daten zu konsolidieren.

Weder den technischen noch den organisatorischen Umbau werden Firmen jedoch über Nacht hinbekommen. Das SAP-Vorstandsmitglied versuchte den Zuhörern deshalb, die Angst zu nehmen. Sie könnten auf der Grundlage des stabilen Kernsystems Mysap ERP 2005 Schritt für Schritt in die Service-orientierte Welt einsteigen.

Kein Stress mehr mit Upgrades?

Viele Backend-Prozesse im ERP-System müssen die Firmen den SAP-Ausführungen zufolge gar nicht verändern. In der Vergangenheit war ihnen nichts anderes übrig geblieben, um auf neue Anforderungen zu reagieren. Sowohl die Release-Wechsel als auch vom Kunden eingebrachte Modifikationen verlangten ihnen großen Aufwand ab, verursachten Systemausfälle (Downtime) und erforderten im Vorfeld umfangreiche Tests. "IT-Manager verlangen heute, dass ihr System im Laufe von fünf Jahren maximal nur an einem Samstag für Updates stillsteht, am besten nur für eine Stunde", zitiert Agassi aus einem Gespräch mit dem CIO eines europäischen Konzerns. Statt der leidigen Release-Wechsel könnten Mysap-ERP-Kunden künftig über "Enhancement Packs" neue Funktionen einspielen. Auf diese Weise seien sie in der Lage, den Funktionsumfang der Lösung auszubauen und über Prozessdefinitionen IT-Innovationen einzuführen, ohne jedoch Abläufe etwa in der Finanzbuchhaltung und der Warenwirtschaft modifizieren zu müssen. Den Beweis muss SAP allerdings noch erbringen: Das erste Erweiterungspaket für Mysap ERP 2005 kommt im Dezember 2006 auf den Markt.

Was R/3-Kunden mit Mysap ERP 2005 an Neuerungen bevorsteht, soll ein Online-Tool ("Mysap ERP 2005 Solution Browser") veranschaulichen. Darüber können Anwender zum Beispiel herausfinden, welche Elemente in Mysap ERP 2005 anders implementiert sind und wie. Über eine tabellarische Ansicht wird ersichtlich, wie eine Funktion in R/3 realisiert ist und was sich daran in Mysap ERP 2005 ändert.

Da SAP über mehrere Jahre kein ERP-Release an die Anwender ausliefert, sondern Erweiterungspakete, spottete der Konkurrent Oracle schon im September, SAP komme mit seiner SOA-Strategie nicht in die Gänge. Natürlich ließ Agassi die Attacke nicht unkommentiert: "Wir bieten ein zentrales System mit einem Repository, nicht sieben verschiedene wie Oracle", schoss der SAP-Manager zurück und spielt damit auf Oracles Einkaufsstrategie an. Das kalifornische Unternehmen hatte unter anderem Peoplesoft und Siebel übernommen.

Analyse im Arbeitsspeicher

Zu den auf der Teched präsentierten technischen Neuerungen zählt der "BI Accelerator" (BIA), eine Kombination aus Intel-basierender Blade-Technik und Software von SAP. Mit dem Tool lassen sich Herstellerangaben zufolge Abfragen schneller bearbeiten als mit dem herkömmlichen "SAP BW". Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Informationen im Arbeitsspeicher vorgehalten werden. Üblicherweise lagern die Informationen in einer Datenbank. "Konzepte wie BIA fordern die Hersteller relationaler Datenbanken heraus", warf sich Agassi in die Brust und setzte damit einen weiteren Seitenhieb gegen Oracle, dessen Hauptgeschäft bekanntlich der Verkauf von Datenbanklösungen ist. "Durch den Einsatz von BIA könnten Anwender auf die für ein klassisches Data Warehouse erforderlichen Datenbankadministratoren und den Erwerb von Datenbanklizenzen verzichten", sagte Agassi, vergaß aber zu erwähnen, dass ja auch BIA nicht umsonst zu haben ist und Fachleute erfordert.

iTunes für xApps

Wie andere Hersteller wirbt auch SAP für eine übergreifende Informationssuche. Beim Auffinden von Dokumenten und Geschäftsdaten soll die Suchmaschine "Enterprise Search" helfen (siehe Seite 28), die nächstes Jahr auf den Markt kommen soll. Oracle und IBM liefern allerdings bereits heute Suchtechnik aus, mit der Nutzer sowohl in strukturierten Geschäftsinformationen als auch in Text- und Web-Dokumenten recherchieren können.

Vermehrt setzt SAP auf das Internet, um Lösungen zu vermarkten. So auch bei Composite Applications ("SAP xApps"). Mitte 2007 will SAP den "xApp Hub" eröffnen. Nach dem Vorbild des Musikverzeichnisses "iTunes" von Apple sollen Firmen auf dieser Online-Plattform xApps finden und erwerben können. Eine ebenfalls in Entwicklung befindliche Technik namens "Sidecar" soll dazu dienen, diese Anwendungen in einer geschützten Umgebung zu testen, ohne das Produktivsystem zu beeinträchtigen.

xApps sind Anwendungen ohne eigene Datenbank, die Funktionen verschiedener Mysap-Produkte verwenden, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Diese Applikationen konfigurieren sowohl SAP als auch die Partner.

SOA zum Testen

An Nutzer, die Enterprise SOA ausprobieren wollen, richtet sich der "Discovery Server". Er besteht aus einer Appliance, Elementen von Netweaver und der "ERP Central Component" - die Kernkomponente von Mysap ERP 2005. Das Gesamtsystem soll im nächsten Jahr für unter 10000 Dollar erhältlich sein.

Dass sich SAP auch am Frontend weiterentwickelt, demonstrierte Agassi während seiner Keynote anhand verschiedener Client-Szenarien. Ein fiktiver Urlaubsantrag eines seiner Mitarbeiter wurde im Portal, über den künftigen SAP-Client (Codename: "Project Muse"), über ein Widget-Interface auf einem Apple-Computer, per Duet (Office-Kopplung mit Mysap ERP) sowie per Sprachsteuerung aufgerufen und abgewiesen. Project Muse ist eine für Transaktionsumgebungen optimierte Browser-Oberfläche, - Agassi spricht vom "Business Browser" - die sich auf Techniken wie Ajax stützt. Bei den Widgets handelt es sich um Miniprogramme, die in einer Runtime-Umgebung laufen. Die präsentierte Oberfläche setzte auf der Widget-Engine von Yahoo auf. Alle Client-Optionen werden laut SAP von der gleichen darunter liegenden Infrastruktur gestützt.

Wann die ursprünglich für Ende dieses Jahres erwartete nächste Version von "Netweaver" (Codename: "New York") auf den Markt kommt, konnte Agassi nicht sagen. "Es dauert nicht mehr lang", meinte der Manager dazu. Das Release soll es ermöglichen, mit dem Modellierungswerkzeug "Aris" des SAP-Partners IDS Scheer definierte Prozesse in IT-Abläufe zu übertragen, die von Netweaver ausgeführt werden.

Kein ERP On-Demand

Auch die weiteren Planungen in Richtung On-Demand wollte Agassi nicht näher kommentieren. Softwareangebote für das Management von Kunden- und Lieferantenbeziehungen CRM- und SRM) bietet SAP bereits zur Miete an. Ob auch ERP-Systeme oder zumindest Teile davon in einem Mietmodell offeriert werden sollen, ließ Agassi offen. ERP-Abläufe seien wesentlich komplexer als CRM-Prozesse. Zudem müssten Unternehmen beispielsweise in der Finanzbuchhaltung gesetzliche Richtlinien einhalten ("Compliance"), die ein On-Demand-Modell eher schwierig machen.

Software as a Service betrachtet die SAP ohnehin aus einem anderen Blickwinkel. Für die Strategen aus Walldorf ist das CRM-Mietangebot lediglich eine alternative Form, Softwarefunktionen bereitzustellen. Kunden würden zum Beispiel Außenstellen mit SAPs Mietprogramm zur Vertriebssteuerung ausstatten, während in der Zentrale eine installierte Mysap-CRM-Lösung läuft, die auf den gleichen Stammdaten-Pool zurückgreift. On-Demand eigne sich dazu, Lösungen schnell zum Laufen zu bringen. "Um sich vom Wettbewerb zu differenzieren, sind in der Unternehmens-IT installierte Lösungen (On-Premise-Systeme) erforderlich", sagte Peter Graf, Executive Vice President Solution Marketing, und damit, SAPs Ansatz von dem des reinen Anwendungsvermieters Salesforce.com abgrenzt.

Abheben will sich SAP auch von Firmen wie Microsoft und IBM. Beide haben für ihre Infrastrukturplattformen ein Partnerkonzept entwickelt - heute nennt man so etwas "Ökosystem". SAP hat vor, den Partnerkanal besser als bisher zu steuern. "Früher sind Partner quasi zufällig auf uns zugekommen. Heute haben wir Prozesse etabliert, um diese Firmen gezielter einzubinden", so Agassi. Künftig sei für Partner nicht entscheidend, wer die besseren und schöneren Tools habe, sondern wer die meisten Kunden aufweise. SAP habe die größte Kundenbasis im Markt für Geschäftsapplikationen. Zudem proklamiert der Konzern Netweaver als standardkonforme Java-Entwicklungsplattform, die Middleware-Produkte von Bea, IBM und Oracle ausstechen soll.