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26.04.2005

SAP düpiert die Wettbewerber

Der ERP-Konzern hat im ersten Quartal seine Marktanteile weiter organisch gesteigert. Allmählich nimmt bei den Walldorfern ein Monopol Gestalt an.

Mit starken Zahlen zum ersten Quartal hat SAP einmal mehr diejenigen Beobachter widerlegt, die mit einer Schwäche der Walldorfer gerechnet hatten. Hintergrund für die Befürchtungen waren die jüngsten Einbußen im Lizenzgeschäft anderer Enterprise-Software-Anbieter wie Siebel, Manugistics und Ariba. Selbst Oracle hatte den Applikationsumsatz zuletzt nur dank der Peoplesoft-Übernahme verbessern können. Im Gegensatz dazu steigerte SAP die Lizenzeinnahmen organisch und jagte den Wettbewerbern Marktanteile ab. Im ERP-Bereich und den angrenzenden Feldern kommt derzeit keiner an der von Henning Kagermann geführten Firma vorbei.

Vor allem der Vergleich mit der Entwicklung vor einem Jahr kann sich sehen lassen: Im ersten Quartal 2004 war der SAP-Gesamtumsatz nur um zwei Prozent gestiegen, die Lizenzerlöse hatten um fünf Prozent zugelegt. In Europa waren die Softwareeinnahmen im Vorjahr um vier und in Asien sogar um 22 Prozent geschrumpft. Die aktuellen Zahlen lesen sich deutlich besser (siehe Kasten "Die SAP-Finanzen"), Zuwächse gab es auf breiter Front und in fast allen Produktsegmenten (siehe Grafik "Starkes Vierteljahr").

Lediglich in Deutschland sanken die Umsätze mit neuen Programmen um zwei Prozent auf 83 Millionen Euro. Kagermann begründete dies mit dem hierzulande stark saisonal ausgeprägten Vertriebszyklus als einer Folge der Marktdurchdringung und der "speziellen Situation". Im Heimatmarkt gehe es vorrangig auch nicht um den Abschluss von Verträgen, sondern um ein kontinuierliches Geschäft und die Pflege der guten Kundenbeziehungen: "Ich wäre froh", ulkte der SAP-Chef, "wenn wir überall auf der Welt die gleichen Probleme wie in Deutschland hätten."

Alexander Kubsch, Analyst von Techconsult, stuft den Lizenzrückgang im Heimatmarkt ebenfalls nicht als besorgniserregend ein. Der Konzern könne in einigen Segmenten wie der öffentlichen Hand selbst hierzulande noch wachsen. Darüber hinaus ließen sich mit der für kleinere und mittlere Firmen gedachten ERP-Software "Business One" durchaus noch Neukunden gewinnen. "Selbst im Mittelstand macht der Hersteller nach Anlaufschwierigkeiten inzwischen gute Geschäfte", berichtet Kubsch. SAP hat den Mittelstand mit Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro allerdings großzügig definiert. Und: "Der Kundenwunsch, mit einem großen Lieferanten wie SAP auf Nummer Sicher zu gehen, hat eher noch zugenommen."

Starke Nachfrage in Europa, Asien und den USA

Das Wachstum von 17 Prozent im gesamten Lizenzgeschäft auf 434 Millionen Euro ließ die regionale Schwäche jedoch schnell vergessen. Knut Woller, Analyst der Hypovereinsbank (HVB), bezeichnete den Lizenzanstieg in Europa (ohne Deutschland), dem Nahen Osten und Afrika um 18 Prozent auf 132 Millionen Euro als die "größte Überraschung" des Quartals. Noch eindrucksvoller fiel das Wachstum mit 27 Prozent in den USA aus, der Heimat der ärgsten Konkurrenten Oracle, Siebel und Microsoft. Währungsbereinigt steigerte SAP den dortigen Lizenzumsatz um stattliche 35 Prozent. An der Spitze der Lizenzentwicklung rangierte jedoch Asien: Hier legten die Erlöse um 41 Prozent zu, und selbst das Japan-Geschäft, das im Vorjahreszeitraum noch schwach gewesen war, wuchs.

Knapp ein Viertel aller Neuverträge weltweit hatten ein Volumen von über fünf Millionen Euro nach 19 Prozent im Vorjahreszeitraum. Laut Kagermann haben inzwischen rund zehn Kunden das "Safe-Passage"-Angebot angenommen, mit dem die Walldorfer Anwender von Peoplesoft und J.D. Edwards zum Seitenwechsel bewegen wollen. Einer von ihnen ist der Kofferhersteller Samsonite. Das Geschäft mit Umsteigern laufe allmählich an, so Kagermann, der allerdings im ersten Quartal auch keinen Ansturm erwartet hatte.

Ähnlich gut sah es bei den Consulting- und Wartungseinnahmen aus. Letztere kletterten um elf Prozent auf 739 Millionen Euro, die Beratung stieg um 7,5 Prozent auf 475 Millionen Euro. Damit einher ging eine schrumpfende Bruttomarge, die mit zuletzt 19,4 Prozent laut HVB-Analyst Woller rund zwei Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert des Vorjahres lag. SAP erklärte dies mit dem verstärkten Einsatz externer Berater im ersten Quartal und kündigte an, den Rückstand im Verlauf des Jahres aufholen zu wollen.

Auf dem Weg zur Zweidrittelmehrheit

Eigenen Berechnungen zufolge kommt SAP nach Lizenzeinnahmen inzwischen weltweit auf einen relativen Marktanteil von 58 Prozent: In den USA sind es 41 Prozent (Oracle/Peoplesoft: 32 Prozent), in Europa, Afrika und dem Nahen Osten 67 Prozent, in Asien sogar 73 Prozent. Selbst wenn die Zahlen teils hausgemacht sind, lässt sich nur ein Schluss ziehen: Viel fehlt den Walldorfern im Geschäft mit Großkonzernen nicht mehr zum globalen Monopol. Die Vormachtstellung ist bereits jetzt eindrucksvoll, auch weil sie dem Unternehmen nicht in den Schoß gefallen ist.

Forrester-Analystin Erin Kinikin bringt den Markt auf den Punkt: "Anbieter von Enterprise-Anwendungen müssen entweder groß oder innovativ sein." Ersteres Merkmal weisen SAP und Oracle sowie generell - wenn auch nicht im speziellen Bereich Enterprise-Anwendungen - Microsoft auf. Konkurrent Siebel, der vornehmlich das Segment Customer-Relationship-Management (CRM) bedient, geht schweren Zeiten entgegen. Neben dem Druck durch SAP und Oracle ist das Unternehmen dem Wettbewerb durch die Hosting-Anbieter Salesforce.com und Rightnow ausgesetzt, wobei Siebel in der jüngsten Zeit nicht das Innovationstempo vorgegeben hat.

SAP hingegen arbeitet mit Nachdruck daran, in die Liga der Plattformanbieter vorzudringen. Die für 2006 angekündigte "Business-Process-Plattform" auf Basis der "Netweaver"-Integrationssoftware soll nicht nur komplementären, sondern auch konkurrierenden Tool-Anbietern geöffnet werden. Das Portfolio werde Kagermann zufolge durch Co-Innovationen wachsen. Ein Hintergrund: Zumindest die Nischenanwendungen, mit denen SAP selbst keine Skaleneffekte erzielen kann, sollen von außen entwickelt und beigesteuert werden. "In einem gewissen Grade wird dies die Softwareindustrie verändern", prognostiziert der CEO.

Zudem muss der Walldorfer Konzern darauf bedacht sein, in puncto Außendarstellung nicht die Fehler anderer dominanter Softwarehersteller zu wiederholen: "Da zeichnet die Offenheit der Plattform ein schönes Bild", urteilt Techconsult-Analyst Kubsch. Zudem spiegle dies die Realität wider, denn reine SAP-Anwenderunternehmen sind sehr selten. Allerdings müsse der Konzern noch einiges in die Netweaver-Familie investieren, um das Potenzial der Strategie auszuschöpfen, prognostiziert der Techconsult-Mann. Die hohe Marktdurchdringung, die SAP bis dato im Applikationsbereich erreicht hat, gilt es ab sofort zu wiederholen.