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Systeme sollen langfristig verschmolzen werden

SAP gibt eigene Datenbank an MySQL ab

30.05.2003
MÜNCHEN (CW) - SAP übergibt die Rechte an der eigenen Datenbanksoftware SAP DB an den Hersteller MySQL. Die Schweden wollen das System ausschlachten und ihre eigene Open-Source-Datenbank damit verstärken.

Beide Firmen wollen die Interoperabilität von MySQL und SAP DB sicherstellen und auch den Support für SAP-DB-Anwender leisten. Laut MySQL AB soll die Kombination aus der eigenen Technik und der SAP-Software eine Open-Source-Datenbank hervorbringen, die - ähnlich wie das Linux-Betriebssystem - eine Alternative zu den Produkten etablierter Anbieter für alle möglichen geschäftlichen Anwendungen darstellt. Derzeit kann MySQL jedoch noch nicht als Datenbankunterbau für R/3 oder Mysap-Produkte fungieren. Die Schweden planen nicht, Sourcecode von SAP DB zu übernehmen, sondern möchten vielmehr dessen Funktionen für den Betrieb von Business-Software in eigene Produkte implementieren, erläutert MySQL-Chef Marten Mickos in Gespräch mit der CW. Eine entsprechend überarbeitete Datenbankversion dürfte erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. Ab dem vierten Quartal wird MySQL die SAP-Datenbank in seiner jetzigen Form vertreiben, und zwar sowohl in einer kommerziellen als auch in einer kostenfreien Version.

"MySQL AB verfügt über die Community, die Dynamik und das Geschäftsmodell, um herausragende Software zu produzieren und Millionen Anwender zu gewinnen", lobt Karl-Heinz Hess, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der SAP AG.

Die Firmen besiegelten eine Technologiepartnerschaft sowie wechselseitige Lizenzvereinbarungen. Vor allem von den im Vergleich zu namhaften Datenbank-Playern günstigen Lizenzgebühren für MySQL sollen SAP-Kunden profitieren.

Einige Anwenderunternehmen nutzen die SAP-eigene Datenbank als günstige Alternative zu den Systemen von IBM, Oracle und Microsoft. Nach Ansicht von Experten eignet sich SAP DB für Umgebungen mit bis zu 3000 Anwendern. Die meisten SAP-Installationen laufen jedoch auf relationalen Datenbanksystemen der drei marktführenden Anbieter.

SAP hatte sich durch die Übernahme des Produkts "Adabas D" von der Software AG 1997 in den Datenbankmarkt eingekauft, jedoch mit mäßigem Erfolg. Im Oktober 2000 kündigte SAP an, SAP DB als Open-Source-Software zur Verfügung zu stellen (www.sapdb.org). Durch diesen Schritt bekundete der Hersteller, dass die Datenbank fortan nicht mehr zu seinen strategischen Produkten zählt.

Vier Millionen Installationen

Nun übergibt SAP die Rechte an MySQL, das sich mittlerweile zu einer ernst zu nehmenden Alternative für kommerzielle Datenbankprodukte entwickelt hat. Nach Angaben der Schweden gibt es nur einige tausend SAP-DB-Installationen, jedoch vier Millionen MySQL-Anwender. Das Unternehmen ist in Deutschland mit einer Niederlassung in Nürtingen vertreten. (fn)