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31.05.2005

SAP greift Oracles Kundenbasis an

Mit Serviceleistungen und Rabatten lockt SAP jetzt auch Retek-Anwender.

Die Retek-Kunden sollen mit dem "Safe-Passage"-Programm zum Umstieg auf die SAP-eigenen Business-Applikationen bewegt werden. Im Februar dieses Jahres hatten die Walldorfer selbst versucht, den US-amerikanischen Spezialisten für Business-Software für den Handel zu übernehmen. Nach mehrwöchigen Auseinandersetzungen erhielt letztendlich jedoch Oracle den Zuschlag für Retek. Der Datenbankspezialist ließ sich den Softwarehersteller rund 650 Millionen Dollar kosten.

Rabatte locken zum Umstieg

Oracle habe zu viel für Retek gezahlt, meint Jim McMurray, Vice President für die Sparte Handel bei SAP. Der Konkurrent werde zudem mit seinem Versuch scheitern, die Retek-Applikationen in sein Produktportfolio zu integrieren. Anwender seien zwar zufrieden mit der Retek-Technik, berichtet der SAP-Manager. Allerdings gebe es immer wieder Probleme, andere Softwaresysteme anzubinden.

Dieses angebliche Manko will SAP für sich nutzen. Das deutsche Softwarehaus wird eine Roadmap für Retek-Kunden entwickeln, um einen Migrationspfad auf die eigenen Applikationen aufzuzeigen. Außerdem sollen die Anwender Beratungs- und Trainingsleistungen von SAP erhalten. Zu guter Letzt bietet SAP beim Umstieg auf die eigene Software hohe Rabatte.

Tomorrow Now expandiert

Ein ähnliches Angebot haben die Walldorfer bereits für Peoplesoft- und J-D.-Edwards-Kunden geschnürt, die seit Jahresbeginn ebenfalls zu Oracle gehören. Sie bekommen unter dem Safe-Passage-Programm beim Umstieg auf eine SAP-Lösung 75 Prozent ihrer Investitionen in die Altsysteme angerechnet.

Außerdem bietet SAP seit Jahresbeginn Wartungs- und Support-Leistungen für Peoplesoft und J.D.-Edwards-Installationen an. Dazu haben die Deutschen den darauf spezialisierten Serviceanbieter Tomorrow Now übernommen. Noch im Sommer dieses Jahres sollen die entsprechenden Dienste auch in Europa angeboten werden. Der Dienstleister will Niederlassungen in Amsterdam und London eröffnen. In den USA schätzt der dortige SAP-Chef Bill McDermott das Potenzial auf zirka 6500 Kunden. Diese müssten angesichts der unklaren Softwarestrategie Oracles um ihre Investitionen fürchten, schürt der SAP-Manager Unsicherheit unter den Anwendern.

Wie viele Kunden das Programm bislang in Anspruch genommen haben, will SAP nicht verraten. Laut einem Bericht von J.P. Morgan Securities rechnen die Investment-Banker durchaus damit, dass es SAP gelingen könnte, eine Reihe von Kunden abzuwerben. Andere Analysten warnen die Oracle-Kunden aber vor Kurzschlussreaktionen. Zwar seien deren Bedenken nachvollziehbar. Jedoch sollten sie vorerst abwarten, wie die weitere Applikationsstrategie des Datenbankspezialisten aussieht.

Oracle versucht derweil, die Klientel der übernommenen Softwareanbieter mit langfristigen Support-Versprechen zu beruhigen. Bis 2013 sollen die Produkte der übernommenen Softwareanbieter gepflegt werden. (ba)