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27.06.2006

SAP hat einen Betriebsrat gewählt

Mit nur drei Vertretern bleibt der Einfluss der gewerkschaftsnahen Fraktion im künftigen SAP-Betriebsrat gering.
Mit dem Betriebsrat und drei Vertretern hat die Gewerkschaft ihr Minimalziel erreicht.
Mit dem Betriebsrat und drei Vertretern hat die Gewerkschaft ihr Minimalziel erreicht.

Die SAP AG bekommt als letztes der Dax-30-Unternehmen in Deutschland einen Betriebsrat. Seit der Gründung im Jahr 1972 konnte das Management immer wieder erfolgreich Anläufe abblocken, ein solches Gremium zu installieren. Das änderte sich am 21. Juni dieses Jahres. Rund 10700 der weltweit insgesamt etwa 35800 Beschäftigten waren aufgerufen, aus 414 Kandidaten von zehn Listen 37 Arbeitnehmervertreter zu bestimmen. Dem Aufruf folgten knapp 65 Prozent der Wahlberechtigten.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

577811: Erste Betriebsratswahl bei SAP mit hoher Wahlbeteiligung;

577616: Rund 400 Kandidaten für SAP-Betriebsrat;

574278: SAP bekommt zum ersten Mal seit seiner Gründung einen Betriebsrat.

Weiterführende Links

http://37sechsblog.de;

http://www.sapler.igm.de;

http://www.pro-br.de.

Säbelrasseln gegen Betriebsrat

Das große Interesse, das sich auch in der hohen Zahl der Kandidaten widerspiegelt, kam überraschend. Noch vor wenigen Monaten hatten sich auf einer Betriebsversammlung 91 Prozent der SAP-Belegschaft gegen einen Betriebsrat ausgesprochen. Auch das Management stemmte sich vehement gegen den Vorstoß der drei Initiatoren. Der Unternehmensmitbegründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Dietmar Hopp warnte vor dem schädlichen Einfluss der Gewerkschaft in Walldorf: "Ein von der IG Metall gesteuerter Betriebsrat widerspräche jeder Vernunft und passt nicht zur SAP-Kultur." Eine "lähmende Bürokratie" wäre die Folge. Unverhohlen drohte er damit, ein Betriebsrat könnte den Standort Deutschland gefährden. Kein Unternehmen könne sein Hauptquartier so schnell verlagern wie eine Softwarefirma.

In der Folge wurde die Diskussion immer hitziger. Gewerkschaftsnahe Kreise schimpften Hopp einen Erpresser, der die demokratischen Mitbestimmungsrechte mit Füßen trete. Dagegen erhielt die SAP-Führung Unterstützung von Seiten der FDP. Deren Generalsekretär Dirk Niebel nannte die Vorgänge in Walldorf ein Drama und lamentierte: "Drei Separatisten dürfen nicht ein ganzes Unternehmen in Generalhaft nehmen."

All das half der Walldorfer Konzernführung jedoch nichts. Als die Betriebsratsbefürworter damit drohten, ihre gesetzlich verbrieften Rechte notfalls vor Gericht einzuklagen, lenkte das Management ein und gab bekannt, die Wahlen selbst zu organisieren. "Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt", sagte Henning Kagermann, Vorstandssprecher der SAP.

Pro Betriebsrat feiert sich

Angesichts des Wahlergebnisses ist Kagermanns Wunsch wohl in Erfüllung gegangen. So erhielt die gewerkschaftsnahe Liste "Pro Betriebsrat", für die auch die drei Initiatoren des Projekts SAP-Betriebsrat kandidierten, lediglich knapp 8,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sie darf damit nur drei Vertreter in das 37 Köpfe zählende Arbeitnehmergremium entsenden. Dennoch feierten die Gewerkschaftsvertreter die Wahl als Erfolg. Die Liste werde sich nach eigenem Bekunden für mehr Transparenz, weniger Bürokratie sowie aktivere Einflussmöglichkeiten einsetzen.

Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gewerkschaften nur ihr Minimalziel erreicht haben. Mit 37 Vertretern verfügt die Arbeitnehmervertretung gerade über die gesetzlich vorgeschriebene Minimalzahl an Sitzen. Nur zwölf Mitglieder sind für ihre Aufgaben dauerhaft freigestellt.

Neben Pro Betriebsrat haben fünf weitere Listen den Einzug in die Arbeitnehmervertretung geschafft. Dort dominieren "Wir für dich" mit 16 Vertretern und "MUT" mit elf. Die Listen "Die Unabhängigen" und "ABS" sind mit jeweils drei Sitzen vertreten, die Liste "TEAM" stellt einen Vertreter. Leer gingen dagegen die Listen "Mensch statt Ressource", "Mensch im Mittelpunkt", "Kommunikation statt Konfrontation" und "Weniger ist mehr" aus. Alle fünf der acht Arbeitnehmervertreter aus dem Aufsichtsrat, die sich für die Wahl aufstellen ließen, haben den Einzug in den neuen Betriebsrat geschafft.

Über die offenbar unterschiedlichen Ziele der einzelnen Gruppierungen dringt kaum etwas nach außen. Offenbar sind starke Kräfte des Softwarekonzerns bestrebt, das Thema Arbeitnehmervertretung intern zu halten. Will man beispielsweise die Web-Seite der Liste "Die Unabhängigen" aufrufen (www.dieunabhaengigen.biz), heißt es, der Zugriff sei nur aus dem internen Firmennetz der SAP heraus möglich. Auch das SAP-Management hält sich im Hintergrund. "Die Unternehmensleitung wird die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern auch mit dem neu gewählten Betriebsrat fortsetzen", hieß es offiziell.

Vieles deutet darauf hin, dass der Großteil der im Betriebsrat vertretenen Fraktionen nichts an den bestehenden SAP-Verhältnissen ändern möchte. Insider mutmaßen, dass vorstandsfreundliche Kreise den Einfluss der Gewerkschaften zurückdrängen wollen. Das soll offenbar in erster Linie über die Masse funktionieren. Während "Pro Betriebsrat" 23 Kandidaten auf seiner Wahlliste präsentierte, fanden sich auf den Listen von "Wir für dich" 197, bei "MUT" 100 Namen. Letztere hat nach Angaben des Weblogs "37sechsBlog" am Tag der Wahl in einer Rundmail alle SAP-Mitarbeiter nachdrücklich dazu aufgefordert, sich an der Wahl zu beteiligen.

Kagermann kann sich entspannen

Jede nicht abgegebene Stimme käme den gewerkschaftsnahen Kreisen zugute. Auch wen das Thema Betriebsrat nicht kümmere, der sei doch wohl nicht an einer IG-Metall-beeinflussten Arbeitnehmervertretung interessiert, heißt es weiter. Blog-Betreiber Andreas Skowronek meint dazu: "Wenn die anderen Listen und deren Kandidaten genauso denken, können sich ja Henning Kagermann und seine Vorstandskollegen entspannt zurücklehnen." (ba)