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03.05.2005

SAP hebt Oracles Fehdehandschuh auf

Auf der "Sapphire" schlug SAP scharfe Töne gegen Oracle an und verbündete sich mit Microsoft sowie IBM.

Von CW-Redakteur Frank Niemann

Eröffnungsreden von Firmenveranstaltungen beginnen oft mit einem Videofilm, um die Zuschauer auf den Vortrag des Geschäftsführers einzustimmen. SAP hatte sich bei solchen Einblendungen bisher auf die Vorzüge der eigenen Produkte beschränkt, ohne Seitenhiebe gegen Konkurrenten auszuteilen. Anders auf der Sapphire in Kopenhagen: Gezeigt wurde, wie ein mit SAP-Logos verzierter Formal-1-Rennwagen an der Box des Oracle-Rennstalls vorbeijagt, die, so die Botschaft, offenbar noch nicht einmal mit den Wettkampfvorbereitungen begonnen hat.

Worauf SAP im Fernduell mit dem kalifornischen Konkurrenten anspielte, ist dessen Produktstrategie ("Project Fusion"), aus den erworbenen Peoplesoft- und Retek-Lösungen eine neue Plattform zu gießen. Während die Walldorfer das Vorhaben Oracles als unrealistisch einstufen, wähnen sie die eigene "Business Process Platform" (BPP) in greifbarer Nähe, obwohl auch an ihr noch emsig gearbeitet wird. Gleichwohl sieht sich SAP im Vorteil, da sich besagte Prozessplattform für flexible Geschäftsprozesse aus hauseigenen Produkten wie "Netweaver" und "Mysap ERP" zusammensetzt, wohingegen Oracle vier völlig unterschiedliche Linien (E-Business Suite, Peoplesoft, J.D. Edwards und Retek) unter einen Hut zu bringen habe. Um den Vorsprung zu betonen, zeigte der Softwarekonzern 500 vordefinierte Objekte und Dienste für Geschäftsprozesse, die gemäß dem Rahmenwerk "Enterprise Services Architecture" (ESA) entwickelt wurden. Auf solchen Services, die sich flexibel miteinander kombinieren lassen, baut die BPP auf.

Mehr ärgern als das Marketing-Getöse dürfte den Datenbankspezialisten jedoch der Schulterschluss der Walldorfer mit Microsoft. Künftig können Mysap-Kunden auch über ihre Office-Programme an SAP-gestützten Geschäftsprozessen teilhaben. Für eine Integration der Desktop-Software mit dem ERP-Backend sorgt "Mendocino". Das für Ende des Jahres angekündigte Zusatzprodukt wollen beide Anbieter vermarkten.

Viele Details fehlen noch, doch auf alle Fälle soll Mendocino aus einem Middleware-Server sowie Client-Code für Windows bestehen, um die Office- und Mysap-Software über Web-Services-Schnittstellen anzukoppeln. "Dies ist ein Beispiel für unsere Strategie, Office von der Anwendungssuite zu einer Produktivitätsumgebung für Unternehmen weiterzuentwickeln, die Personen miteinander und mit Informationen verknüpft, so dass sie effizienter arbeiten können", umschreibt Jeffrey Raikes, Group Vice President Information Worker Group, den Ansatz. Die eigenen ERP-Produkte integriert Microsoft ebenfalls mit Office.

Das Entwicklungsprojekt fußt auf einer Partnerschaft, die SAP und Microsoft nach ihren gescheiterten Fusionsgesprächen geschlossen hatten. Gemessen am Zuspruch des Publikums stellte Mendocino auf der Sapphire die anderen Neuigkeiten in den Schatten. Für beide Anbieter ist das Produkt sehr wichtig: Die Redmonder sichern sich so ihren Platz auf dem Desktop der SAP-Kunden. Zudem hat Microsoft einen Fuß in der Tür, wenn es beim Anwender um die Verwaltung von strukturierten Informationen aus dem Backend und unstrukturierten Informationen wie E-Mails und Dokumenten geht. Man darf gespannt sein, wann Microsoft neben Office auch die Collaboration- und Dokumenten-Management-Lösung "Sharepoint" sowie weitere Infrastrukturprodukte über Mendocino an die Mysap-Plattform andockt.

Zwar profitiert vor allem Microsoft von Mendocino, doch auch für SAP hat die Office-ERP-Anbindung Vorteile. Für viele Word- und Outlook-Anwender werden die Kunden auch Mysap-Benutzerlizenzen anschaffen müssen.

IBM schielt nach Oracles SAP-Geschäft

Weniger deutlich stellte SAP die erweiterte Datenbankpartnerschaft mit IBM heraus. Hier überließen die Walldorfer dem Partner das Reden. Big Blue liefert eigenen Angaben zufolge eine für Mysap und R/3 eingerichtete Variante von DB2 aus, die günstiger sei als Oracles Datenbank und zudem die Betriebskosten senken soll. Grundsätzlich ist es SAP egal, mit welcher Datenbank die Kunden arbeiten, trotzdem dürfte IBMs Marketing-Initiative den Walldorfern entgegenkommen, wenn sie den hohen Marktanteil Oracles im SAP-Umfeld schmälert und damit dem Wettbewerber insgesamt schadet.

Wie zu erwarten war, zeigt sich der Datenbankspezialist von der IBM-Initiative ungerührt. Es handle sich lediglich um Marketing. "IBM arbeitet seit 15 Jahren mit SAP zusammen. Es ist ein Armutszeugnis, dass IBM erst jetzt mit einer an diese Applikation angepassten Datenbank auf den Markt kommt", so Günther Stürner, Leiter Business Unit Database bei Oracle Deutschland, im Gespräch mit der computerwoche. Stürner macht keinen Hehl daraus, dass Oracles Datenbankprodukt das teuerste seiner Art im SAP-Umfeld ist. (Mehr zur Sapphire auf Seite 20.) u