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25.09.2006 - 

Kolumne

SAP ist den Kunden davongeeilt

SAP muss zur Kenntnis nehmen, dass die Klientel ihre IT nicht so schnell umbauen will, wie es die Softwarestrategen aus Walldorf gern hätten. Die meisten Anwender haben noch längst nicht den technischen Umstieg von R/3 auf "Mysap ERP 2005" vollzogen, von einer SOA-Strategie ganz zu schweigen. Das Paradoxe daran: Die Mehrheit der Firmen hat bereits die erforderlichen Softwarelizenzen in Form von Mysap-Verträgen erworben, ohne sie jedoch zu nutzen.

Unbeweglichkeit oder Technikfeindlichkeit kann man den SAP-Anwendern jedoch nicht vorwerfen. Kostenbewusst führen sie neue, Service-orientierte Software erst ein, wenn sie genau wissen, was sie ihnen bringt.

Doch es liegt weniger an der Technik, dass SOA innerhalb der SAP-Community zwar in aller Munde, bis dato aber praktisch nirgendwo realisiert worden ist. Die erforderlichen Softwarewerkzeuge gibt es schon, auch wenn sie noch nicht ganz ausgereift und bei weitem nicht vollständig sind. Vielmehr liegt die SOA-Verweigerung in der Verständnislücke zwischen den Fachbereichen und der IT begründet. Fachabteilungen, um deren Prozesse es letztlich geht, bleiben bei der rein technisch geführten SOA-Debatte außen vor: Allenfalls IT-Experten werden aus SAPs Fachchinesisch schlau. Doch selbst eingefleischte Kenner konnten mit der im Jahr 2005 vorgestellten "Business Process Platform" wenig anfangen, weshalb der Hersteller nun wieder die Bedeutung des ERP-Systems betont. Im Ergebnis wurde Mysap ERP 2005 kurzerhand zur SOA-Plattform erklärt.

Um jedoch von den Service-orientierten Konzepten von Mysap ERP 2005 profitieren zu können, müssen Firmen das Produkt nicht nur einführen, sondern sich intern anders aufstellen. Eine auf die Geschäftsprozesse ausgerichtete Organisation kann da helfen, meinen Experten, doch die lässt sich nicht mit einer CD-ROM aus Walldorf installieren.

Hatten wir diese Situation nicht schon mal? Stimmt. Als im Jahr 1992 R/3 auf den Markt kam, war "Business Process Reengineering", also Geschäftsprozessneugestaltung, das große Thema. Es ging darum, verkrustete zentralistische Unternehmensstrukturen durch agilere zu ersetzen. SAP-Anwender wechselten daraufhin von R/2 auf R/3. Wir erinnern uns: Schon damals griff die reine IT-Denke zu kurz.

Was Firmen nun erleben, ist zum Teil eine Neuauflage der Reengineering-Ideen aus den 90ern, und nach wie vor reicht es nicht, nur die Software zu tauschen. Unternehmen müssen heute ihre Geschäftsprozesse schneller ändern und rascher ganz neue etablieren als je zuvor. Was ihnen fehlt, sind Methoden, um diese Prozesse so zu beschreiben, dass Informatiker und die Fachabteilungen darunter das Gleiche verstehen. Gefragt sind zunächst neue Konzepte, keine neue Software.