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26.09.2006

SAP-Kunden fordern klare Roadmap

Immer neue Änderungen im Produktfahrplan sorgen für Unruhe unter den Anwendern.

Alfons Wahlers, Vorstandsvorsitzender der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) will wissen, wie es mit dem Kernsystem der SAP weitergeht. Der größte europäische Softwarehersteller verspreche zwar einerseits Service-orientierte Technik, doch sei längst nicht klar, in welchem Reifegrad sich die einzelnen Produktkomponenten befinden, aus denen sich die künftigen Service-orientierten Architekturen zusammensetzen sollen.

Fazit

SAPs neue Roadmap bedeutet, dass die Firmen erstmals fünf Jahre lang kein neues ERP-Release erhalten. Damit scheint der Hersteller den Wünschen der DSAG nach längeren Release- und Wartungszyklen zumindest teilweise entgegenzukommen. Es brauche mehr Zeit, das Konzept der Service-orientierten Architekturen (SOA) in den Firmen zu verankern, so die Begründung der Anwendervereinigung. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass der Hersteller langfristige Produktkonzepte wieder umstößt. So hatte er zunächst R/3 Enterprise (4.7) als R/3-Weiterentwicklung gepriesen, um dann kurze Zeit später "Mysap ERP 2004" aus dem Hut zu zaubern. Zudem ist offen, was nach 2010 geschieht. Fest steht nur, dass es in vier bis fünf Jahren ein neues ERP- Release geben soll.

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www.computerwoche.de/

581532: DSAG beklagt mangelnde Umsetzung in Sachen SOA;

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Auslöser dieser Kritik ist der jüngste Fahrplanwechsel der SAP-Verantwortlichen. Auf der hauseigenen Konferenz Teched hatten sie angekündigt, das aktuelle Kernsystem "Mysap ERP 2005" entgegen allen ursprünglichen Planungen bis 2010 stabil zu halten. Der Plan, jährlich neue Versionen herauszubringen, wurde fallen gelassen.

Stattdessen liefert SAP künftig neue Funktionen in Form von "Enhancement Packages" für Mysap ERP 2005 aus. Alle sechs bis zwölf Monate sollen neue Erweiterungspakete herauskommen. Diese werden Detailverbesserungen für bestehende Softwaremodule, Web-Services und Composite Applications enthalten, die sich laut den Versprechungen des Anbieters leichter einspielen lassen sollen, als dies mit klassischen Release-Wechseln der Fall gewesen war.

Funktionen einfach andocken

Der Grund: Die Funktionen werden quasi außen an die Software angedockt, ohne dabei den Applikationskern zu verändern. Ein "Switch Framework" gestattet es, einzelne Funktionsbausteine nach Bedarf zu aktivieren. Auch soll das bis dato obligatorische Testen nach Upgrades viel einfacher werden.

Solche Erweiterungspakete sind keine neue Idee: Sie ähneln dem Konzept der "Extension Sets", die SAP mit R/3 Enterprise (4.7) eingeführt hatte und die es auch in Mysap ERP 2005 noch gibt. Auch sie liefern neue Funktionen, ohne dabei jedoch den ERP-Kern zu modifizieren.

Mit der Bekräftigung, den ERP-Kern für die kommenden Jahre stabil zu halten, gönnen die badischen Softwerker sich und ihrer Klientel offenbar erst einmal eine Atempause. Wiederholt war den SAP-Verantwortlichen vorgeworfen worden, mit ihrem Tempo den Anschluss an die realen Bedürfnisse der Anwender zu verlieren.

Die Quittung bekommt das SAP-Management nun präsentiert. Wie die jüngste Umfrage der DSAG ergab, befassen sich lediglich sieben Prozent der 344 befragten SAP-Anwender damit, eine SOA-Strategie umzusetzen. Als Grund für ihre abwartende Haltung gaben die befragten DSAG-Mitglieder an, der betriebswirtschaftliche Nutzen von SOA im Vergleich zu den bestehenden Lösungen sei nicht erkennbar. Dieses Ergebnis bedeutet eine herbe Enttäuschung für das SAP-Management, das seit rund dreieinhalb Jahren gebetsmühlenartig die Vorzüge der neuen Softwarearchitektur angepriesen hatte.

Mit dem neuen Fahrplan zieht SAP die Notbremse. Viele Firmen wussten zuletzt nicht, ob sie nun auf ERP 2005, 2006 oder erst 2007 migrieren sollen. Da IT-Verantwortliche kostspielige Migrationsprojekte nur dann in Angriff nehmen, wenn das Unternehmen davon profitiert, schoben zuletzt viele Betriebe den Softwarewechsel auf die lange Bank. Die drohenden jährlich aufeinander folgenden Ablösungen von Mysap ERP schreckten die Kunden zusätzlich ab. Daher kauften sie zwar Mysap-Lizenzen, um sich bestehende Investitionen in SAP-Lösungen anrechnen zu lassen. Allerdings verstauben die entsprechenden Softwarepakete bei den meisten Anwendern im Schrank.

Rückbesinnung auf ERP

Angesichts der hartnäckigen SOA-Zurückhaltung der Anwender besinnt sich SAP wieder stärker auf das ERP-System als zentrale Komponente der Unternehmens-IT. Der Begriff "Business Process Platform" (BPP), den SAP Anfang 2005 als Basis seiner künftigen Architektur ins Spiel brachte, rückt wieder mehr in den Hintergrund. Statt der BPP mit der Integrationsplattform Netweaver und einem umfangreichen Service-Repository, in der ERP-Funktionen eher eine untergeordnete Rolle spielen, steigt nun wieder die Bedeutung von Mysap ERP 2005 und Netweaver 2004s als zentrale Bestandteile von SAPs Geschäftsprozessplattform.

"Dem von SAP verfolgten Service-orientierten Ansatz tut die Rückbesinnung auf ERP keinen Abbruch", räumt DSAG-Vorstand Wahlers im Gespräch mit der computerwoche dem Softwareproduzenten nach wie vor Kredit ein. Zwar ändere SAP einmal mehr seinen Produktfahrplan, doch nach Ansicht der DSAG gehe das Fernziel SOA damit nicht verloren. "Nun wird klar, dass Anwender mit Net- weaver Prozesse modellieren, die dann im ERP-System ausgeführt werden."

Allerdings müsse sich SAP deutlicher ausdrücken, fordern die Anwender. Sie kritisieren die seit Einführung des Begriffs "Enterprise SOA", der die seit 2003 propagierte "Enterprise Services Architecture" (ESA) ablöste, grassierende Begriffsverwirrung. Viele Fachtermini sowie neue Rollen von IT-Experten wie etwa Solution Architect oder Business Analyst seien für die Firmen kaum greifbar.

Durch die teils verwirrende Kommunikation habe sich in den Köpfen einiger Nutzer der Eindruck verfestigt, man könne mit Hilfe der künftigen SOA-Plattform nach dem Legosteinprinzip ein ERP-System zusammenbauen, warnten die DSAG-Verantwortlichen. Dem sei aber nicht so: Über die betriebswirtschaftlichen Anwendungen werde eine weitere Ebene eingezogen, in der Firmen gekapselte ERP-Funktionen zu Services modellieren können. "Es trifft also keineswegs zu, dass SOA der Tod von ERP ist", widersprach Wahlers den jüngsten Ausführungen des Analysten Bruce Richardson von AMR Research.

SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann bemühte sich derweil, seine Klientel zu beruhigen. "Die ERP-Kernprozesse werden erweitert, ein Upgrade wird für Anwender problemlos möglich sein", versprach er, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Er rief die mehrheitlich noch R/3 nutzenden Kunden dazu auf, die zum Jahresende auslaufende Wartung des Release R/3 4.6C zum Anlass zu nehmen, auf das neue Produkt umzusteigen. Mit Mysap ERP 2005 seien Kunden in der Lage, Stück für Stück in die Service-orientierte Welt hineinzuwachsen.

"SAP-Anwender sind es gewohnt, Geschäftsprozessplattformen zu verwenden", lockte der Firmenchef. Er meint damit R/3-Nutzer, die eigene Funktionen entwickelt und den Standard modifiziert haben. Dies habe in der Vergangenheit jedoch zu Problemen in puncto Wartbarkeit und Release-Fähigkeit geführt, da R/3 dafür nicht gedacht war. Die aus Mysap ERP 2005 und Netweaver bestehende Plattform sei hingegen dafür geschaffen, eigene Prozesse zu entwickeln.

SOA bleibt IT-Thema

Es bleibe jedoch problematisch, SOA zu etablieren, warnt Wahlers. Bisher sprächen nur die Techniker davon und nicht die Fachbereiche, die ebenfalls eingebunden werden müssten. "Zu technisches Denken birgt das Risiko, Chancen zu verpassen", so Wahlers. "Enterprise SOA bleibt zwar ein IT-Thema, aber wir müssen anders an die Fachbereiche herantreten", sagt der DSAG-Chef. Die Fachanwender wollten, dass die IT neue Geschäftsprozesse rasch umsetze, an Service-orientierten Architekturen als solchen seien sie gar nicht interessiert. SAP müsse deshalb weniger Theorie und mehr Praxiswissen sowie Training vermitteln.