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24.01.2003 - 

Neue Upgrade-Methoden für den Wechsel auf R/3 Enterprise

SAP-Kunden stehen unter Zugzwang

MÜNCHEN (rg) - Rund der Hälfte aller SAP-Kunden steht in absehbarer Zeit das nächste R/3-Upgrade bevor. Teile der Anwenderschaft sind davon wenig begeistert, andere sehen R/3 Enterprise als Chance, sich mit der Mysap-Technologie auseinander zu setzen.

Zum 31. Dezember 2003 läuft die Wartung für die Releases 3.1i, 4.0b, 4.5b und 4.6b der SAP-Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)Software R/3 aus. Anwendern, denen das zu schnell geht, gewähren die Walldorfer eine Gnadenfrist bis Ende 2004, vorausgesetzt, sie sind bereit, eine von 17 auf 19 Prozent erhöhte Wartungsgebühr zu entrichten (siehe CW 03/03, Seite 22: "R/3-Upgrade - die Uhr tickt"). Einer Gartner-Studie zufolge sind von dem Wartungsende rund 52 Prozent der SAP-Anwender betroffen (siehe Kasten: "R/3-Fahrplan").

"Freiwillig zahle ich das nicht"

Eine Reihe von Anwendern ist von den erhöhten Gebühren für die verlängerte Wartung wenig begeistert. "Ich finde, wir zahlen schon genug", macht Wolfgang Honold, Informatikleiter der österreichischen Getzner Gruppe mit Sitz in Bludenz, seinem Ärger Luft. "Freiwillig zahle ich das nicht. Bevor abkassiert wird, werde ich nochmal bei SAP vorstellig." Das in seinem Unternehmen eingesetzte Release 4.6b sei schließlich nicht gerade uralt. Damit lebe er sehr gut und nehme daher den Stichtag 31. Dezember nicht allzu ernst. Für das laufende Jahr habe er definitiv kein Upgrade geplant. Könne sich sein Unternehmen jedoch zur Einführung von Customer-Relationship-Management-(CRM-) oder Business-Intelligence-(BI-)Komponenten durchringen, so werde er auch das Upgrade-Thema nochmals überdenken. Diese Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen.

Auch Werner Köckeritz, Director of International Informationsystems bei der RCM Group Plc. mit Hauptsitz in England, findet erhöhte Wartungsgebühren für Release 4.6b überzogen: "Da muss der Markt aufstehen und klarstellen, dass man so nicht mit den Kunden umgehen kann." Seine Unternehmensgruppe sei an der Nutzung der neuen SAP-Technologien durchaus interessiert; er wolle sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen.

Flexiblere Architektur

Die RMC Group setzt in neun von 26 Ländern, in denen das Unternehmen aktiv ist, SAP-Software ein. "Bei unserer deutschen Tochter, der Readymix AG, treffen wir zurzeit Vorbereitungen für einen Wechsel auf R/3-Enterprise. Wir wollen damit Erfahrungen auch für unsere anderen Niederlassungen sammeln", fasst Köckeritz die Vorgehensweise von RMC zusammen. Doch erst wenn dieser Test positiv verlaufen sei, werde über ein Upgrade bei den anderen Konzerntöchtern entschieden. Größere Probleme erwartet Köckeritz allerdings nicht. Das von SAP bei der Einführung neuer Produkte seit letztem Jahr angewendete Ramp-up-Verfahren beinhalte schließlich verbesserte Qualitätssicherungsmaßnahmen. Dabei werden neue Systeme von Pilotkunden getestet und letztendlich auch von diesen freigegeben.

Dennoch geht Köckeritz von einem anspruchsvollen Projekt aus: Neben dem Wechsel von 4.6b auf R/3 Enterprise sollen die unterschiedlichen, an den vier deutschen Standorten eingesetzten SAP-Lösungen zu einem System zusammengeführt werden. Die Vorbereitungen sind bereits weit fortgeschritten, Readymix will so bald wie möglich nach Abschluss der Ramp-up-Phase mit der R/3-Enterprise-Einführung starten.

Mit der Nutzung der darin enthaltenen neuen Technologien, beispielsweise der J2EE-Engine, möchte Readymix vorsichtig umgehen. "Wir werden keine in Abap programmierte Anwendung umschreiben, sondern, so weit möglich, alles mit hinüber nehmen", so Köckeritz. Für Neuentwicklungen solle jedoch Java als Programmiersprache genutzt werden, auch wenn erst noch entsprechendes Know-how im Unternehmen aufgebaut werden müsse.

Kurzfristig interessanter ist für den IT-Spezialisten die Nutzung der Optionen, die der Web Application Server (WAS 6.20) bietet. RMC habe eine Reihe von Anwendungen über klassische Schnittstellen angebunden. Vom WAS verspricht sich Köckeritz kostengünstigere und flexiblere Architekturen.

Auch Stefan Klose, ehrenamtlicher Arbeitskreissprecher Basis und Technologie der Deutschen SAP Anwendergruppe (DSAG), hauptberuflich Geschäftsfüher des IT-Dienstleisters Web Federation GmbH, begrüßt es, dass SAP den Anwenderunternehmen mit R/3 Enterprise die neuen Techniken innerhalb der normalen Wartungsverträge zur Verfügung stellt. "Auf diese Weise haben auch Kunden, die noch keine Mysap-Lösungen einsetzen, die Möglichkeit, sich damit zu beschäftigen." Probleme beim Wechsel auf Version 4.7, so die alternative Bezeichnung für das Enterprise-Release, erwartet Klose nicht, da es sich in erster Linie um ein technisches Upgrade handle.

Neue Release-Bezeichnungen

An den Basiskomponenten wie Transportsystem oder Job-Steuerung habe es keine gravierenden Änderungen gegeben. Der R/3-Enterprise-Core sei fast deckungsgleich mit dem Kern der Version 4.6c, nun jedoch sauber gekapselt. Dies bringe für spätere Upgrades echte Vorteile, da neue Prozesse künftig in "Extensions" gepackt würden, die sich einzeln upgraden ließen, ohne dass der Kern davon betroffen sei. Allerdings müssten sich die Anwender in der Folge an neue Release-Bezeichnungen für die einzelnen Systemschichten (Basis, Kern, Extensions) gewöhnen.

Mit dem Wechsel auf R/3 Enterprise prasselt keine Flut von neuen Funktionen auf die Kunden ein. "Wenn ein Anwender an neuen Techniken wie dem WAS interessiert ist, die neuesten Logistikfunktionen aber nicht benötigt, steht es ihm frei, diese Extensions nicht zu aktivieren", so Klose.

Mittlerweile setzen bereits einige Ramp-up-Kunden R/3 Enterprise produktiv ein, knapp 300 Unternehmen befinden sich derzeit in der Einführungsphase. Dem DSAG-Arbeitskreissprecher zufolge verheißen die ersten Erfahrungsberichte einen reibungslosen Verlauf des Umstiegs. Außerdem habe SAP eine Reihe von Verbesserungen und neuen Upgrade-Verfahrensweisen entwickelt, die den Versionswechsel zusätzlich erleichterten.

Alternative Upgrade-Verfahren

Zum einen könnten Anwender die System-Switch-Methode nutzen. "Dieses rein technische Upgrade sollte eigentlich absolut schmerzfrei laufen", so Klose. Die Vorgehensweise sei insbesondere für Firmen interessant, die sich bei Anpassungen der Software auf individuelle Anforderungen an das Modifikations-Framework der SAP gehalten hätten. Die System-Switch-Methode gibt es in zwei Varianten. Dabei ähnelt die resourcenoptimierte (ressource-minimized) Variante dem bekannten Repository-Switch-Verfahren, während die laufzeitoptimierte Version (downtime-minimized) die Ausfallzeit beim Upgrade von Hochleistungssystemen reduzieren soll. Dabei, so Klose, werden große Teile des neuen ERP-Systems als Schattensystem parallel zur Produktion aufgebaut, was letztlich zu einer Minimierung der produktiven Ausfallzeit führe. Diese Methode erfordere allerdings temporär größere Hardware-Kapazitäten.

Für Unternehmen, die größere Eingriffe am System vorgenommen haben und daher mit einer höheren Downtime rechnen, bietet der Softwarehersteller alternativ den "SAP Downtime Assessment Service" an. Dieser soll erhebliche Erleichterungen mit sich bringen - sowohl für stark modifizierte Lösungen als auch für Systeme mit IS-Solutions oder anderen Add-ons.

Verbesserte Integration

Zu der Frage, ob der Betrieb des R/3-Enterprise-Releases generell mit höheren Hardwareanforderungen verbunden sei, hielt sich Klose bedeckt. Dafür gebe es bislang zu wenig Erfahrungsberichte.

Die in R/3 Enterprise enthaltenen neuen Techniken veranlassen zunehmend auch Unternehmen, die bereits Release 4.6c einsetzen und somit nicht vor März 2006 vom Ende der Wartungsverträge bedroht sind, über ein Upgrade nachzudenken. Die Pro-Sieben-Sat-1 Media AG überlegt beispielsweise, 2004 auf R/3 Enterprise (Release 4.7) zu migrieren. "Wir haben mit Mysap Financials bereits Mysap-Lösungen im Einsatz", begründet Reinhard Deinböck, stellvertretender Abteilungsleiter SAP-Koordination, die Planungen. "Diese Anwendungen lassen sich mit R/3 Enterprise und den dazugehörenden Technologien im Enterprise Core besser integrieren."

R/3-Fahrplan

Version / Anwender in Prozent / Ende der Wartung

3.1i / 13 / 31. Dez. 2003*

4.0b / 20 / 31. Dez. 2003*

4.5b / 14 / 31. Dez 2003*

4.6b / 5 / 31. Dez 2003*

4.6c / 48 / 31. März 2006

Enterprise Core 4.7/ / offen

* Die Wartung kann bis Dezember 2004 verlängert werden (Extended Maintenance), wenn der Kunde eine von 17 auf 19 Prozent erhöhte Wartungsgebühr bezahlt.Quelle: Gartner Research